„Jagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!“ (Hebräer 12,14 )

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Zum Tag der (deutschen) Einheit

Einheit in der Welt – man könnte über den Gedanken lachen, wenn es nicht so schrecklich aussähe. Der Krieg im Nahen Osten explodiert fast stündlich in neuen Dimensionen. Immer mehr Länder werden involviert. Einheit? - ein Fremdwort.

Auch in den kleinen Zellen der Gesellschaft, Ehen, Familien, Großfamilien ist immer weniger Einheit oder Einmütigkeit zu beobachten. Und leider gilt das auch für die Familie Jesu, die Menschen, die (eigentlich) eins sein sollten im Glauben an ihren gemeinsamen Retter.

Über die ersten Christen, die Gott uns als Vorbilder gegeben hat, heißt es (Apostelgeschichte 2:46):

Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens.

Waren die etwa alle einer Meinung? Nein! Nicht was Landwirtschaft, Architektur, Politik, Medizin, und Städteplanung anging. Aber ihr unterschiedliches Denken in diesen Fragen entzweite sie nicht.

Tychikus, der Teamkollege des Paulus sagte nicht:

_ Weil Ihr so und so denkt, komme ich nicht mehr
_ Weil Ihr hier oder da nicht mit mir übereinstimmt, darum fühle ich mich ausgeschlossen
_ Ich kann keine Gemeinschaft mehr mit Euch haben, weil ihr dem Kaiser Steuern zahlt … (oder keine Steuern zahlt).
_ Ich habe nur noch Freiheit zur Gemeinschaft mit denen, die mit mir in Politik, Medizin und Städteplanung übereinstimmen.

Es gab stärkere Bande der Einheit als der Trennung. Es gab wichtigere Themen als die, die trennten! Und es war ein biblisches Maß vorhanden, den Bruder / die Schwester mit anderer Sichtweise zu akzeptieren.

Die Gemeinschaft der jungen Christengemeinde ergab sich aus: gemeinsamem Gebet, dem gemeinsamen Hören auf Gottes Wort, dem gemeinsamen Feiern des Abendmahls und der ungezwungenen Gemeinschaft in ihren Wohnhäusern. So heißt es (Apostelgeschichte 2:42):

Sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten.

Was sich an Unterschieden ergab, war zweitrangig, nicht spaltend.

Allerdings müssen wir zugeben, dass es auch in der ersten Gemeinde Uneinigkeiten, Spannungen und sogar Spaltungen und Menschenkult gab. Aber davor warnt Paulus. Er sagt nicht, das sei ok. Es war nicht Paulus, der den Spruch erfunden hat: „Wo Menschen leben, menschelt es.“ Er kehrt drohende Uneinigkeit auch nicht einfach unter den Tisch. Paulus ermahnt in mehreren Briefen die Christen:

Philipper 4:2: Ich ermahne Euodia und ich ermahne Syntyche, eines Sinnes zu sein im Herrn.

1. Korinther 1:10: Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid in eurem Reden und keine Spaltungen unter euch zulasst, sondern vollkommen zusammengefügt seid in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung.

Epheser 4:3: Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens

1. Timotheus 1:4: Lass nicht zu, dass die Menschen ihre Zeit mit endlosen Spekulationen über Fabeln und Stammbäumen vergeuden. Denn das führt nur zu Streit und hilft nicht, ein Leben im Glauben an Gott zu führen.

1. Korinther 11:16: Wenn aber jemand rechthaberisch sein will — wir haben eine solche Gewohnheit nicht, die Gemeinden Gottes auch nicht.

Eine Gemeinde, in der jeder bestrebt ist, sich daran zu halten, erfährt kollektiv und individuell den großen Segen von Psalm 133:1, in dem David jubelt:

Siehe, wie fein und wie lieblich ist’s,
wenn Brüder in Eintracht beisammen sind!

Mittwoch, 2. Oktober 2024

Der extreme Jesus

Radikal und kompromisslos war Er ... und zusätzlich auch extrem! Das kann man immer wieder feststellen, wenn man Seine Biografie liest, sei es nach der Beschreibung des Ex-Zollbeamten Matthäus, oder nach dem Evangelisten Markus, nach dem Arzt, Dr. Lukas oder dem Jünger aus dem engsten Jüngerkreis, Johannes. Jede Version bestätigt: Jesus war extrem.
Schon Sein allererstes Auftreten war extrem. Angekündigt war Er als König und Retter der Juden. Aber Er wurde nicht in einem Palast geboren, sondern eher in einem Stall. Nicht in armen, sondern in ärmlichsten Verhältnissen erblickte Er das Licht der Welt. Auf diese Weise identifizierte Er sich gleich mit dem Rand der Gesellschaft – die übrigens auch zu den Ersten gehörten, die Ihn besuchten. All das ist extrem!

Sein Umgang war extrem. Er fand sich in der oberen Gesellschaftsschicht zurecht, konnte sich aber durchaus auch unters Volk mischen. Das geht ja noch alles. Aber dass Er sich mit Geächteten einließ und sich von ihnen einladen ließ, das ging auch vielen vom „gemeinen Volk“ zu weit. Egal ob kriminelle, volksschädigende Zollbeamte, ob Huren, ob wegen Infektionsgefahr isolierte Schwerstkranke – Jesus schien sich um keine Tabus zu scheren, wenn es darum ging, Menschen zu akzeptieren. Das war extrem!

Seine Abgrenzung zur Volksreligion war extrem. Man benutzte dieselben Begriffe, aber interpretierte sie unterschiedlich. Und Jesus hielt nicht zurück. Er brachte genau auf den Punkt, was Er sagen wollte. Nicht verletzend, aber auch nicht verdeckt! Das war oft extrem.

Seine Lehre war – und ist immer noch – extrem! Er fordert bedingungslose Vergebung – ist aber gleichzeitig bereit, genau so zu vergeben. Er fordert, die Feinde zu lieben und sogar für sie zu beten und sie zu segnen. Er fordert 100%ige Nachfolge. Er fordert, alles für Ihn aufzugeben, was man hat und er fordert die Bereitschaft, sogar sein Leben für Ihn zu geben. Das ist extrem!

Aber er beschenkt auch extrem. Wem Er vergibt, dem ist alles vergeben. Er verspricht und schenkt Seinen Jüngern göttliche Leitung im Alltag. Er redet mit Ihnen! Er erhört ihre Gebet. Er nimmt ihnen ihre Sorgen ab und trägt sie. Er heilt oder schenkt Kraft zu tragen. Er erfüllt mit Freude – nicht nur in guten und einfachen Stunden. Er schenkt echten, bleibenden Lebenssinn. Er schenkt EWIGES Leben in Herrlichkeit ... und unendlich viel mehr! Das ist extrem!

Um all das zu tun – und mehr – musste Jesus bis zum Äußersten gehen: Er liebte extrem – bis zu dem Punkt, dass Er um Vergebung für Seine eigenen Mörder bat. Er handelte extrem, indem Er Sein Leben für Sünder gab – zu einem Zeitpunkt, als wir alle noch Sünder waren.
Er zahlte extrem – mit Seinem kostbaren Blut, das nie hätte für Ihn selbst vergossen werden müssen. Er starb extrem – einen der qualvollsten Tode: durch Kreuzigung.

Aber er siegte auch extrem: Tod und Grab konnten Ihn nicht halten! Jesus überwand auch den letzten Feind: den Tod.

Nichts an Jesu Extremsein ist negativ. Seine Extreme kann jeder bedenkenlos zum Vorbild nehmen. Extremer Segen ist allen verheißen, die Ihm folgen!

Dienstag, 1. Oktober 2024

Die Könige Judas – Hiskia

Hiskia ist einer der wenigen leuchtenden Sterne am dunklen Königshimmel Judas. Gemeinsam mit seinem Urenkel, Josia, zählt er zu den gottesfürchtigsten Königen Judas. In 2 Könige 18 heißt es über ihn:

3 Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, ganz wie es sein Vater David getan hatte. 4 Er schaffte die Höhen ab und zerbrach die Steinmale und hieb die Aschera-Standbilder um und zertrümmerte die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte; denn bis zu dieser Zeit hatten die Kinder Israels ihr geräuchert, und man nannte sie Nechuschtan. 5 Er vertraute dem Herrn, dem Gott Israels, sodass unter allen Königen von Juda keiner seinesgleichen war, weder nach ihm noch vor ihm. 6 Er hing dem Herrn an, wich nicht von ihm ab und befolgte die Gebote, die der Herr dem Mose geboten hatte. 7 Und der Herr war mit ihm; und überall, wo er hinzog, hatte er Gelingen. Er fiel auch ab von dem König von Assyrien und diente ihm nicht.

Schon allein die Aussage ganz wie es sein Vater David getan hatte“ spricht für ihn. Kein Mensch muss den korrupten, sündigen Fußstapfen seiner Vorfahren folgen. Jeder Mensch hat die Wahl, sich vom Guten leiten zu lassen oder der Menge auf dem Weg des Bösen zu folgen. Hiskia hatte das Treiben seines Vaters gesehen, das Götzenopfer, Missmanagement und Kinderverbrennung beinhaltete. Und Hiskia entschied sich für den anderen Weg. Das Resultat  war der Segen Gottes auf seiner Herrschaft.  

Jesaja berichtet davon, dass Juda unter Hiskias Herrschaft von Assyrien angegriffen wurde. Jerusalem wurde umzingelt und belagert. Es gab – menschlich gesehen – keine Hoffnung mehr. Hiskia hatte dem Volk scheinbar trotzdem Mut gemacht und ihnen zugerufen (Jesaja 36:18): „Der Herr wird uns erretten!“ Hiskia sucht Gott intensiv im Gebet. Daraufhin erhört ihn der Herr, sendet den Propheten mit einer Trostbotschaft zu ihm und belohnt sein Vertrauen auf übernatürliche Weise. Wie? Für die Armee Assyriens tut sich plötzlich eine zwingendere militärische Baustelle auf, der feindliche König muss abziehen und wird kurze Zeit später in seinem Götzentempel durch seine eigenen Söhne ermordet.

Das war nicht Hiskias einzige Wundererfahrung. Jesaja berichtet davon, dass der König einmal sterbenskrank war. Als er erfuhr, dass er sterben musste, suchte er Zuflucht bei Gott, betete, weinte und flehte zum Herrn. Gott ließ sich erbitten und sandte einen Propheten zu Hiskia mit der Botschaft (Jesaja 38:5+6):

Geh hin und sage zu Hiskia: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet erhört und deine Tränen angesehen. Siehe, ich will zu deinen Lebenstagen noch 15 Jahre hinzufügen; 6 und ich will dich und diese Stadt aus der Hand des Königs von Assyrien erretten; und ich will diese Stadt beschirmen.

Nicht nur die Freude Hiskias wird im Rest des Kapitels beschrieben, sondern auch sein Lob und sein Dank an Gott, der ihn geheilt hatte.

Hiskia wird nicht als sündloser, vollkommener König beschrieben, aber als König, der den Fußstapfen des (ebenfalls nicht sündlosen, aber gottesfürchtigen) Königs David folgte. Hiskias Name wird immer erwähnt werden als Name eines Menschen, der Gott alle seine Nöte anbefahl, die Götzen und toten Hoffnungen der Heiden verwarf und dem lebendigen Gott Israels von ganzem Herzen vertraute. Und Hiskia wird immer ein Zeugnis dafür sein, dass Gott die Menschen segnet, deren Herz ungeteilt auf Ihn gerichtet ist.

Sei Du unter diesen Gesegneten des Herrn!

Montag, 30. September 2024

Ein erstaunlicher Gott

Gott war nicht glücklich über sein Volk, das Ihn über Jahrhunderte hinweg verachtet und links liegen gelassen hatte. Sie hatten Seine Propheten getötet, Seinen Tempel aufs Schlimmste entweiht und hatten es schlimmer getrieben als ihre heidnischen Lehrmeister. Jetzt waren 10 der 12 Stämme Jakobs schon seit über 100 Jahren zerstreut und die restlichen 2 Stämme waren bereits zum großen Teil in babylonischer Gefangenschaft. Ihnen macht Gott eine ganz erstaunliche Mitteilung: 

So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel weggeführt habe: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und eßt ihre Früchte; nehmt Frauen und zeugt Söhne und Töchter; und nehmt Frauen für eure Söhne, und eure Töchter gebt Männern zur Frau, damit sie Söhne und Töchter gebären, damit ihr euch dort mehrt und eure Zahl nicht abnimmt! (Jeremia 29:4-6) 

Warum sind diese Verse erstaunlich? Sie sind erstaunlich, weil Gott die Verantwortung für die Wegführung übernimmt. Gott sagt: Ich selbst habe sie nach Babel weggeführt. Das bedeutet zweierlei: 

Erstens: Nicht nur die guten und angenehmen Wege und Erfahrungen in unserem Leben hat Gott in Seiner Hand und unter Seiner Führung – auch die schweren Tage. In diesem Fall geht es um Gericht: die Erziehung Seiner Kinder, um eine Strafe, die Gott auf Sein Volk legen muss, um ihnen zu helfen.

Es tut manchmal weh, wenn Gott uns erziehen und disziplinieren muss, aber es hat immer zum Ziel, dass es uns nachher besser geht.

Es gibt auch schwere Zeiten, die nichts (!) mit Gericht und Strafe zu tun haben. Ist das eingesunken? Es kann sein, dass wir durch schwere Zeiten müssen, ohne dass wir gesündigt haben ... ohne, dass es eine Strafe Gottes ist. Hiob kannte solche Zeiten.  Hiob hatte nicht gesündigt, trotzdem litt er sehr. Aber er bekennt (Hiob 2:10):

Wenn wir das Gute von Gott annehmen,
sollten wir da das Böse nicht auch annehmen?

Lasst uns u.a. von Hiob und Jeremia 29:4 lernen:
Nicht nur die guten und angenehmen Dinge hat Gott in Seiner Hand und unter Seiner Führung – auch die schweren Tage. 

Zweitens, Wenn Gott sagt: Ich selbst habe sie aus Jerusalem nach Babel weggeführt“, bedeutet das: Selbst, wenn unser Leben so auf dem Kopf steht, dass wir meinen, Gott habe uns verlassen oder vergessen, dürfen wir wissen: Er ist immer noch da und hat uns nicht fallen lassen!

Ja: Israel wurde gedemütigt. Ihnen wurde alles genommen. Alles, woran sie glaubten, war zerstört. Sie litten körperlich, seelisch und geistlich – auf allen Ebenen. Sie „fühlten“ sich verlassen! Aber sie waren es nicht. Gott sagt: Ich selbst habe euch aus Jerusalem nach Babel weggeführt. Gott hatte sie geführt, auch auf Wegen, die ihnen nicht gefielen.

Einst hatte Er Josua zugerufen: 
„Ich will Dich nicht verlassen noch von dir weichen“ 
Heute ruft Er uns durch den Hebräerbrief zu: 
„Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.“ 

Die ganze Bibel ist voll von Beispielen, dass Gott treu bleibt, auch wenn wir straucheln. In Jeremia 29:4 gibt Gott uns eine kleine Ermutigungs-Vitaminspritze, die uns sagt: 

Wenn es so aussieht, als habe Gott uns alleine gelassen, dann versichert Er uns: Ich führe Euch immer noch – auch wenn es harte und trockene Wegabschnitte sind und Ihr mich nicht erkennen könnt.  Ich werde Dich nicht verlassen noch versäumen'

Sonntag, 29. September 2024

Herzliche Einladung zum Gottesdienst!

Heute wieder mit Sonntagszitat am Schluss!

Hoheslied 2:16; 6:3; 7:11

Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, der unter den Lilien weidet.
Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein, der unter den Lilien weidet.
Ich gehöre meinem Geliebten, und sein Verlangen steht nach mir! 

Er führte mich ins Weinhaus,
und die Liebe ist sein Banner über mir.
(Hoheslied 2:4)

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

Anbetung - Gebet
Gemeinschaft - Predigt
Heute kein gemeinsames Mittagessen

(Herbstmarkt)

  Wir freuen uns auf dich!

Calvary Chapel Freier Grund
Bitzegarten 5
57290 Neunkirchen
Beginn: 10:30 Uhr

Sonntagszitat:

Was tut der Christ? Er tut, was er als von Gott Geliebter tun darf,
zu tun die Freiheit hat: er liebt.  (Karl Barth)

Glaube ist: mich daran zu erinnern: Er hat gesagt,
ich bin wertvoll in seinen Augen;
ich bin seine Geliebte, sein Geliebter.
(Pamela Reeve)

Samstag, 28. September 2024

Der Geist des Gebets (2)

Vor Kurzem haben wir die Frage gestellt: Gibt es einen „Geist des Gebets“ und anhand von Sacharja 12:10 festgestellt, dass es ihn tatsächlich gibt.

„Aber über das Haus David und über die Einwohner von Jerusalem
will ich den Geist der Gnade und des Gebets ausgießen, 
und sie werden auf mich sehen,
den sie durchstochen haben, ja, sie werden um ihn klagen,
wie man klagt um den eingeborenen Sohn, 
und sie werden bitterlich über ihn Leid tragen,
wie man bitterlich Leid trägt über den Erstgeborenen.“

Wir hatten uns gefragt, ob wir diesen Geist haben, der daran erkennbar ist, dass er uns Jesus mehr erkennen lässt, unsere Emotionen in Wallung bringt und zu Selbsterkenntnis und echter, möglicherweise nationaler Umkehr führt. Einfach mal mit ein paar Leuten mit dem Beten beginnen kann der erste Schritt sein, dass der Herr den „Geist des Gebets“ ausgießt.  

In einem (vor kurzen bereits einmal erwähnten) Buch las ich über die Beter Koreas. Nicht  nur die Yoido Full Gospel Church von Dr. Yonggi Cho ist für ihre intensiven Gebetszeiten bekannt. Auch andere Kirchen und Gemeinden in Korea haben Veranstaltungen, die mit intensivem Gebet beginnen und enden. Manche Gemeinden sind so groß, dass ein Gemeindegebet im uns bekannten Format gar nicht möglich ist. Der Begriff „koreanisch zu beten“ beschreibt die Gebetsversammlungen in solchen Kirchen, in denen jeder an seinem Platz zu Gott schreit und sein Lob und seinen Dank vor Gott ausbreitet. „Wie das Brausen eines gewaltigen Windes“ wird das gleichzeitige Gebet aus vielen Tausend Kehlen beschrieben. Das wiederum erinnert unweigerlich an die Beschreibung in Apostelgeschichte 2, als das Haus erfüllt wurde von einem Brausen: wie das Brausen des Windes als die 120 versammelten Gläubigen alle in spontanes Gebet ausbrachen. Ja, der „Geist des Gebets“ war nicht nur zur Zeit der Apostelgeschichte oder in Erweckungszeiten vergangener Jahrhunderte aktiv. Wann immer dieser „Geist des Gebets“ auf die Menschen fiel, geschahen gewaltige Hinwendungen zu Jesus.

Aber Sacharja nennt denselben Geist, den er als „Geist des Gebets“ bezeichnet, auch „Geist der Gnade“. Wie herrlich! Wie beruhigend! Wie befreiend! Der „Geist des Gebets“ zwingt niemanden, sich für Jesus, Nachfolge und Gebet zu öffnen. Der „Geist des Gebets“ ist kein Geist des Zwangs, sondern gleichzeitig und untrennbar der „Geist der Gnade“. Gebet ist ein Gnadendienst. Der Beter kommt auf der Grundlage empfangener Gnade zum Thron der Gnade. Er appelliert an die unaussprechliche und unversiegbare Gnade seines Herrn und in seiner Gnade gibt Jesus gerne!

Durch den „Geist der Gnade und des Gebets“ können, dürfen und sollen wir Teilhaber sein an dem mächtigen Werk der Gnade Gottes weltweit.

Wenn der „Geist der Gnade und des Gebet“ auf Menschen kommt, dann besucht Gott in besonderer Weise sein Volk. Danach dürfen wir uns ausstrecken und danach dürfen wir trachten.

Freitag, 27. September 2024

Das Offensichtliche nicht sehen

An einem ganz gewöhnlichen Tag kamen drei Wanderer an einen wilden, tobenden Fluss. Sie mussten auf die andere Seite – aber keiner der drei hatte die leiseste Idee, wie das gehen sollte. So suchte man Hilfe im Gebet.

Der erste Mann betete und bat Gott: „Herr, gib mir die Kraft, diesen Fluss zu überqueren! Und – ZISCH! – Gott beschenkte ihn mit großen Armen und starken Beinen. Er schaffte es, den Fluss in etwa zwei Stunden zu überqueren.
Als der zweite Mann das sah, fasste er Mut und betete: “Bitte Gott, gib mir die Kraft und die Fähigkeit, diesen Fluss zu überqueren.“ – ZISCH! – schon gab Gott ihm ein Ruderboot und er schaffte es, den Fluss in etwa drei Stunden zu überqueren.
Der dritte Mann erkannte, wie alles für seine beiden Freunde gut gegangen war und betete ebenfalls. Herr, bitte gibt mir Kraft, Fähigkeit und Intelligenz, diesen Fluss zu überqueren!“ – ZISCH! – und Gott verwandelte ihn in eine Frau. Die schaute auf die Karte und überquerte die Brücke.

Ob Frauen intelligenter sind als Männer, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, obgleich Überschrift und Inhalt dieses Eintrags den Gedanken nahelegen könnten. Es geht heute aber um etwas anderes.

Offensichtlich war die Brücke nicht erst vor dem letzten Gebet „entstanden“. Offensichtlich war sie schon immer da und lud schon immer jeden Wanderer ein, über sie zum anderen Ufer des Flusses zu gelangen. Aber offensichtlich hatten die Wanderer die Brücke nicht gesehen. Der letzte erst, nachdem er gebetet hatte.

Wir mögen schmunzeln über diese Anekdote und doch geht es uns im Alltag manchmal ganz ähnlich. Auch im geistlichen Alltag.

Die Bibel berichtet von Bileam, der fast einem Engel mit Schwert voll ins offene Messer gelaufen wäre, da er ihn nicht gesehen hatte.
An anderer Stelle ist eine Stadt in Israel von feindlichen Armeen umgeben. Der Prophet Elisa bleibt gelassen. Sein Diener hat furchtbare Angst. Der Diener sah nicht, was der Prophet sah: Der Berg war umgeben von dem Engelheer Gottes.
Im Neuen Testament heißt es, dass einige Gäste, die von Gottes Kindern beherbergt werden, aussehen wie Gäste, in Wirklichkeit aber Engel Gottes sind.

Wir können Gott nicht sehen. Noch nicht. Es ist offensichtlich, dass Er da ist. Es ist offensichtlich, dass Er aktiv ist. Aber Er bleibt noch unsichtbar. Die Zeit wird kommen, wenn Gott uns neue Augen, eine neue Sicht gibt und wir Ihn sehen werden. In 1 Johannes 3:2 heißt es: 
 
„Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.”

Wir werden das sehen, was wir momentan mit unseren leiblichen Augen noch nicht erkennen: Jesus! Wenn wir Ihn sehen, werden wir auch den Teppich unseres Lebens von der richtigen Seite sehen. Noch sehen wir nur die Unterseite, die Seite der Diesseitigkeit. Viele Knoten und lose Fäden; viele unklare, nur angedeutete Muster, vieles, was wir nicht einordnen können. Aber von der anderen Seite knüpft Gott weiter das wunderbare Muster unseres Lebens. Und eines Tages werden wir Ihn sehen und werden Ihn fragen können (wenn dann noch Bedarf besteht). Dann werden die „Warum?“, „Wie lange?“ und „Wozu?“ Fragen beantwortet sein. Dann wird das Offensichtliche offenbar. Wir werden es verstehen und zufrieden sein.
„Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat,
reinigt sich, gleichwie auch Er rein ist.”
(1 Johannes 3:3)

Donnerstag, 26. September 2024

Wissen Sie, wer ich bin? – Weißt du, wer du bist?

Im Monatsbrief einer Gemeinde war folgende Geschichte aus dem Readers Digest zu lesen: Es ging um einen Vorfall auf einem großen Flughafen. Ein ausgebuchter Flug wurde gestrichen und eine Angestellte musste die Umbuchungswünsche einer langen Schlange frustrierter Reisender entgegennehmen.

Da drängte sich mit einem Mal einer der Wartenden vor, knallte sein Ticket auf den Tresen und rief wutentbrannt: „Ich muss da unbedingt mit, und zwar in der ersten Klasse!

Es tut mir leid, mein Herr“, erwiderte die junge Dame. „Ich will Ihnen gern behilflich sein, muss aber erst einmal die Leute hier abfertigen.

Der Passagier ließ nicht locker. „Wissen Sie, wer ich bin?“, brüllte er so laut, dass es alle hinter ihm hören konnten. Die Angestellte nahm ungerührt ihr Mikrofon in die Hand und verkündigte über die Lautsprecheranlage im ganzen Abfertigungsgebäude: „Darf ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten? Wir haben hier einen Fluggast, der nicht weiß, wer er ist. Sollte jemand da sein, der ihm helfen kann, seine Identität wiederzufinden, so möge er bitte zum Flugsteig sieben kommen."
Der Mann verzog sich augenblicklich, und die junge Dame wurde mit stürmischem Applaus bedacht.

Ich liebe solche Geschichten, den Mut der Angestellten, die Rettung der geduldigen Fluggäste und das Fettnäpfchen für den Störenfried. Allerdings tragen solche Geschichten meist auch ein Körnchen versteckter Wahrheit in sich. Natürlich wusste der ungeduldige Fluggast sehr wohl, wer er war. Aber gerade sein vermeintlicher Bekanntheitsgrad machte sein Fehlverhalten zu einer wirklich peinlichen Angelegenheit. „Was? DER ist so ausgetickt?“ werden einige getuschelt haben, die später davon hörten. „DAS Verhalten wird seinem Chef und der Firma aber gar nicht gefallen und guttun!“, werden andere gemunkelt haben. „SEIN Ruf ist ruiniert!

Bei allem Spaß an dieser Geschichte kann sie Jünger Jesu doch zum Nachdenken anregen. Kann es sein, dass wir uns manchmal in den Augen der Menschen gerade so verhalten, als hätten wir unsere Identität vergessen? Unsere Identität wird in 2 Petrus 2:9 klar beschrieben:

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht.

Drei Verse später schreibt Petrus weiter: Und führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch aufgrund der guten Werke, die sie gesehen haben, Gott preisen am Tag der Untersuchung.

Diese, unsere Identität, vergessen wir allzu oft, sei es, dass wir – wie in der Geschichte – eine unverdiente Sonderbehandlung einfordern, sei es, dass wir bei einem Fest zu tief ins Glas schauen, sei es, dass wir lauthals über Politik und Politiker herziehen oder dass wir schlecht, beleidigend oder herablassend über andere reden. Gott fordert uns auf (Epheser 5:15):

„Seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.“

Lasst uns Jesus bitten, Ihm durch unser Verhalten keine Unehre zu bereiten. Lasst uns unser Leben in der Kraft und Disziplin Seines Geistes führen, dessen Frucht beschrieben wird als:

Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. (Galater 5:22)