Denn wer das ganze Gesetz hält, sich aber in einem verfehlt, der ist in allem schuldig geworden. (Jakobus 2:10)
Ist das nicht ein bisschen kleinlich? Wenn ich mich in Nachbars Garten ungefragt an seinen Blumen bediene, dann hab ich doch noch lange nicht meine Eltern verunehrt. (Vielleicht sind die Blumen ja sogar für ihren Hochzeitstag.) Wenn ich mich mit einer Notlüge aus einer brenzligen Situation rette, dann habe ich doch noch lange keine Ehe gebrochen. Und wenn ich den Namen Gottes mal leichtfertig in den Mund nehme und missbrauche, dann hab ich dadurch ja noch niemanden umgebracht. Also man könnte meinen, dass der Vers vielleicht ein wenig über das Ziel hinausschießt.
Allerdings las ich kürzlich über eine Situation, die passend illustriert, dass der Apostel Jakobus nicht übertreibt. Dabei geht es um einen kleinen Golfball.
Der Autor, Walter H., beschreibt sein Golfspiel. Er steht am ersten Abschlag, schlägt den Ball aber zu hart, sodass der über das Feld hinausfliegt und durch ein riesiges Kaufhausfenster auf der anderen Straßenseite. Der Geschäftsführer rennt heraus und fragt: „Wer war das?“ Walter antworte: „Ich! Ich habe Ihr Fenster zerstört.“ „Das wird Sie teuer zu stehen kommen: sechstausend Dollar kostet die Scheibe,“ entgegnet der Geschäftsführer. Walter erklärt „Ich habe keine sechstausend Dollar.“ ... „Sie haben aber das Fenster zerbrochen! Sie zahlen.“
„Wie groß war denn der Golfball?“, fragt Walter, und der Andere hebt seine Hand, um mir die Größe zu zeigen. Zufrieden schlägt Walter nun vor: „Ich habe den kleinen Golfball einmal durch das Fenster geschlagen. Ich kaufe Ihnen gerne eine Glasscheibe in dieser Golfballgröße. Dann sind wir quitt.“ Die vorhersehbare Antwort war: „Nein, das ganze Fenster ist zerstört. Sie haben das ganze Fenster zerbrochen – Sie kaufen das ganze Fenster!“
Auch wenn die beiden Kontrahenten vor Gericht gehen würden, würde Walter zahlen müssen. Sein einer, kleiner Golfball hatte die große Scheibe zerstört. Ein kleiner Golfball – mehr brauchte es nicht.
Paulus unterstreicht das in Galater 3:10, wenn er schreibt:
Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun«.
„... in allem!“ das bestätigt voll die Aussage von Jakobus. Es kommt nicht darauf an, ob wir viel sündigen oder wenig, ob unsere Sünden schwer sind wie Medizinbälle oder leicht wie Golfbälle. Es kommt nicht darauf an, ob wir bewusst sündigen, oder ob es ein Ausrutscher war. Jeder von uns ist ein Gesetzesbrecher und steht unter dem Gericht Gottes – oder – positiv ausgedrückt: Jeder von uns hat die volle Vergebungskraft Gottes bitter nötig!
Die Anforderung Gottes betreffs Sündlosigkeit haben wir alle nicht erfüllt. Du nicht! Ich nicht! Niemand! Zerbrochen, zerstört! Aber der Preis, den niemand zahlen kann, ist bezahlt. Unsere Schuld ist beglichen. Kostspielig für Gott selbst – kostenlos für uns. Wir müssen nur „Ja!“ sagen und uns einreihen in die Gruppe derer, die die stellvertretende Bezahlung unserer Schuld angenommen und sich zur Nachfolge auf die Seite Jesu gestellt haben.
Denn alle Menschen haben gesündigt und das Leben in der Herrlichkeit Gottes verloren. Doch Gott erklärt uns aus Gnade für gerecht. Es ist sein Geschenk an uns durch Jesus Christus, der uns von unserer Schuld befreit hat. (Römer 3:23+24)
Was dem Gesetz unmöglich war, weil unsere menschliche Natur ihm widerstand, das tat Gott. Das Gesetz konnte uns nicht helfen, so zu leben, wie es Gott gefällt. Deshalb sandte Gott seinen Sohn zu uns. Er kam in menschlicher Gestalt wie wir, aber ohne Sünde. An unserer Stelle nahm er Gottes Urteil über die Sünde auf sich und entmachtete sie dadurch. (Gedanken aus Römer 8:3)







