Der Jude Emanuel bin Gorion erzählt die Geschichte von einem todkranken
König, der nichts so sehr wollte wie Heilung von seiner Krankheit. Er
wollte es sich bis zur Hälfte seines Reiches kosten lassen. Alle Weisen,
Quacksalber, Wunderheiler und Mystiker versammelten sich und suchten
nach einem Mittel - ohne Erfolg. Doch dann tauchte eine alte Kräuterfrau
auf, die verkündete: "Wenn man jemanden finden würde, der wunschlos
glücklich ist, ihm das Hemd ausziehen - und dem König anziehen würde,
dann würde die Krankheit geheilt."
Sofort sandte der König alle seine Diener aus, diesen Glücklichsten von
allen zu finden. Auch der Sohn des Königs war unterwegs im Dienste des
Vaters. Aber einen solch glücklichen Menschen schien es nicht zu geben.
Jeder haderte mit seinem Schicksal. Die Reichen hatten zwar Geld und
Gold, waren aber krank und litten unter Schmerzen. Die Gesunden wiederum
erlitten Hunger und Armut. Wer reich und gesund war, hatte eine
streitsüchtige Frau und missratene Kinder. Man fand nicht einen
einzigen, der sich vom Schicksal nicht ungerecht behandelt wog und
darüber klagte. An einem Abend kam der Prinz an einer schlichten Hütte
vorbei und konnte es nicht vermeiden, das Selbstgespräch des
Hüttenbewohners zu hören. "Meine Arbeit ist vollendet, mein Hunger
gestillt wie auch mein Durst. Jetzt geh ich schlafen. Was fehlt mir
noch. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt!"
Der Prinz glaubte, seinen Ohren nicht trauen zu können. Voller Hoffnung
und Freude betrat er die Hütte, um das Hemd dieses glücklichsten aller
Menschen zu erhalten. Nur: der Glückliche war so arm, dass er nicht mal
ein Hemd auf dem Leibe trug.
- "Glücklich ist der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in dessen Herz gebahnte Wege sind" Psalm 84, 6 / Elb
- "Ich habe zum Herrn gesagt: "Du bist mein Herr, mein Glück finde ich allein bei dir." Psalm 16:2 / NLÜ
- "Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir. Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf." Psalm 16, 11 / HfA
- "Er aber sprach: Gewiss, doch glückselig, die das Wort Gottes hören und befolgen" Lukas 11, 28 / Elb




