Nicht nur in Deutschland – auch in vielen anderen Ländern der Welt, ist der 1.
Mai der Tag der Arbeiterbewegung. Am 1. Mai
1886 wurde in den USA zu einem Generalstreik aufgerufen, um
verschiedene Anliegen der Arbeiterbewegung durchzusetzen. 30 Jahre zuvor
hatte es bereits Streiks der Arbeiter in Australien gegeben. 1886 wurde
der Streik ausgeweitet. Es kam zu Gewalttätigkeiten mit vielen Toten
und Verletzten. 3 Jahre später wurde der 1. Mai zum Kampftag der
Arbeiterbewegung erklärt. Im Jahr darauf gab es Massenstreiks und
Massendemonstrationen weltweit. In Deutschland wurde der 1. Mai 1933 zum
Feiertag. Bis heute wird er genutzt, um für Rechte und Forderungen der
Arbeiter zu demonstrieren.
Christ und Arbeit – ein wichtiges, brisantes und mitunter heikles Thema. Denn Christen sind
immer
für Gerechtigkeit, haben gleichzeitig aber auch einen anderen
Blickwinkel, aus dem sie Arbeit betrachten. Natürlich arbeiten wir
Christen für unser täglich Brot. Natürlich arbeiten die meisten Christen
als Arbeiter oder Angestellte für ihren Arbeitgeber. Aber bei
Jesusjüngern kommt eine weitere Komponente hinzu, die in allen Fragen
unsere Einstellung prägt. Eine Komponente, die uns unterscheidet von
solchen, die sich nicht als Jünger Jesu verstehen.
So weist Paulus in 1 Korinther 10:31 darauf
hin, dass alles, was wir tun, wir zur Ehre Gottes tun sollen:
Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut
— tut alles zur Ehre Gottes!
Das ist
ein starkes Wort, denn auch Christen arbeiten in Systemen, in denen
Ungerechtigkeit herrscht. Auch Christen finden sich in Situationen, in
denen sie ungerecht behandelt, unterbezahlt oder gemobbt werden. 1
Korinther 10:31 beschränkt den Auftrag, alle unsere Arbeit zur Ehre
Gottes zu tun, nicht auf solche, die in gerechten Arbeitsverhältnissen
stehen. Christen schweigen nicht zu Ungerechtigkeit, aber sie begegnen
Ungerechtigkeit nur mit gerechten Mitteln. Sie begegnen Lieblosigkeit
mit Liebe, und sie folgen den Fußstapfen Jesu, der manches Mal zur Ehre
Gottes den Mund aufmachte, aber auch oft Unrecht in Geduld ertrug und
sich auf Wichtigeres besann.
Manchmal wird dieser Weg schwer. Auch für
Jesus bedeutete das (Er-)Tragen von Ungerechtigkeit eine Last. Manchmal
möchten wir lieber ausbrechen. Manchmal sehnen wir uns vielleicht sogar
danach, einen „geistlichen“ Dienst zu tun, „vollzeitig“ für Jesus zu
arbeiten, um der Ungerechtigkeit der säkularen Arbeitswelt zu
entfliehen. Vielleicht ging dieser Wunsch auch dem Arbeiter durch den
Kopf, der auf Martin Luther zukam. „Wie kann ich Gott wirklich dienen?“ war seine Frage an den Reformator. „Was ist Deine Arbeit?“ wurde er von Luther gefragt. „Ich bin ein Schuhmacher,“ kam die Antwort. Er war völlig überrascht, als Luther ihm eine unerwartete Antwort gab: "Wenn Du Gott wirklich dienen willst, dann mach gute Schuhe und verkaufe sie zu einem gerechten Preis!“
Luther
forderte den Mann nicht auf, „christliche Schuhe oder Schuhe mit
Fisch-Symbol“ zu machen. Er forderte ihn nicht auf, seine Arbeit zu
kündigen und Mönch zu werden. „Tue, was du tust vor Gott und für Ihn und lebe in Gerechtigkeit!“
1. Mai – Tag der Arbeiterbewegung. Wenn
dieser Tag uns bewegt, als Jesusjünger in unserem Beruf für Jesus zu
arbeiten und Ihm durch Wort und Tat Ehre zu bereiten, dann haben wir
mehr erreicht als viele derer, die der Ungerechtigkeit durch
Ungerechtigkeit oder Gewalt begegnen!
Und was immer ihr tut in Wort oder Werk,
das tut alles im Namen des Herrn Jesus
und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
(Kolosser 3:17)