Hinter jeder Aussage Gottes steht ein Ausrufezeichen. In 4 Mose 23:19 lesen wir:
„Gott ist ja kein Mensch, der lügt, kein Menschensohn, der etwas bereut. Wenn er etwas sagt, dann tut er es auch, und was er verspricht, das hält er gewiss!“
Trotzdem passiert es uns immer wieder, dass eine Zeit des Wartens uns den Blick trübt und sich das Ausrufungszeichen hinter Seinen Worten in ein Fragezeichen zu verbiegen scheint.
Kürzlich hörte ich mir einige Kapitel im Propheten Jeremia an. Da sagt der Prophet:
„Denn so spricht der Herr: Sobald 70 Jahre für Babel voll sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort an euch erfüllen, euch an diesen Ort zurückbringen.“ (Jeremia 29:10)
Mir kamen die Juden in den Sinn, die als Jugendliche oder junge Erwachsene diese Prophezeiung gehört und verstanden hatten, die nach Babylon weggeführt wurden und jetzt mit 80 oder 90 Jahren immer noch auf eine Rückkehr nach Israel warteten. Wie viele von ihnen werden die Verheißung Gottes verworfen haben, weil sie so lange warten mussten und die Hoffnung aufgaben?
Oder Israels Aufenthalt in Ägypten. In 1 Mose 15:13+14 heißt es:
Da sprach er (Gott) zu Abram: Du sollst mit Gewissheit wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Land, das ihm nicht gehört; und man wird sie dort zu Knechten machen und demütigen 400 Jahre lang. 14 Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich richten; und danach sollen sie mit großer Habe ausziehen.
Sowohl die Sklaverei, wie auch die Befreiung, waren prophezeit. Aber wer wird nach einigen Jahrzehnten (oder Jahrhunderten) noch daran geglaubt haben? Diejenigen, die in Ägypten geboren worden waren, kannten ja gar nichts anderes mehr. Sie schrien immer noch zu Gott um Hilfe – aber wie viel Glaube wohl in ihren Gebeten steckte?
Auch in anderen Versen der Bibel kommen ähnliche Zweifel und Verzweiflung zum Vorschein. In Klagelieder 5:20-22 fragt der Schreiber?
Warum willst du uns für immer vergessen, uns verlassen alle Tage? 21 Bringe uns zu dir zurück, o Herr, so werden wir umkehren; Lass unsere Tage wieder werden wie früher! 22 Oder hast du uns gänzlich verworfen, bist du allzu sehr über uns erzürnt?
Nicht immer erleben wir die Erfüllung göttlicher Verheißungen. Das heißt nicht, dass sie unerfüllt bleiben und Gott Sein Wort verworfen hat.
Fast 2000 Jahre lang sah es so aus, als hätte Gott Seine Versprechungen an Israel gebrochen. Dann kam der 14. Mai 1948 und der Staat Israel wurde gegründet. Generationen von Christen zuvor blieb nichts anderes übrig, als „blind“ zu vertrauen.
Manche unheilbar Kranke werden durch Gebet und Gottes Eingreifen geheilt. Aber das sind Wunder – Ausnahmen. Anderen Kranken bleibt die herrliche Verheißung aus Offenbarung 21:4:
Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Georg Müller begann im November 1844 für die Bekehrung von 5 bestimmten Menschen täglich zu beten. Die 5. Person kam nach Müllers Beerdigung zum Glauben. Er hat während seines Lebens nicht die volle Erhörung dieser Gebete erleben dürfen, aber bevor er starb, sagte er: „Sie sind noch nicht bekehrt, doch sie werden bekehrt.“ Gut, Georg Müller war ein außergewöhnlicher Mann des Gebets und des Glaubens. Aber er hielt sich fest an den Verheißungen Gottes. Und das darf auch jeder von uns, denn hinter ihnen steht kein Fragezeichen, sondern das Ausrufungszeichen Gottes!
Denn so viele Verheißungen Gottes es gibt — in ihm (Jesus) ist das Ja, und in ihm auch das Amen, Gott zum Lob durch uns! (2 Korinther 1:20)





