in der Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor!
(Römer 12:10)
Es gibt ja schon einige biblische Fragen, an denen sich christliche Theologen und Apologeten (Glaubensverteidiger) die Zähne ausbeißen ... oder auch die Köpfe einschlagen.
- Da ist die Frage der Taufe:. Groß oder klein? Ab welchem Alter? Besprengen oder Untertauchen?
- Oder die Frage der Gemeindeleitung: Pastor oder Älteste? Oder nichts von beiden?
- Die Frage der Eschatologie (Endzeit): Gibt es eine Entrückung? Geschieht die vor oder nach der Trübsalszeit ... oder mittendrin?
- Manche streiten sich auch über die Lehre oder die Form des Abendmahls.
- Dann ist da die Frage der Erwählung – der jahrhundertelange Streit über Vorherbestimmung oder freien Willen.
Alles theologische Fragen, die von evangelikalen Bibelgelehrten unterschiedlich beantwortet werden. Ganz zu schweigen von Geschmackfragen, die – zugegebenermaßen – oft theologisch verpackt und begründet werden. Dazu gehört z.B. der Musikstil einer Gemeinde, die Gottesdienstordnung oder die Kleiderwahl am Sonntag.
John Wesley und George Whitefield lebten beide im 18. Jahrhundert und wurden beide mächtig von Gott gebraucht. Zunächst arbeiteten beide zusammen, bis sich Whitefield später von Wesley trennte. Whitefield war überzeugter Calvinist, der glaubte, dass der Mensch aufgrund von Gottes Vorherbestimmung gerettet wird, ohne eigenen freien Willen. Wesley predigte den freien Willen und die Notwendigkeit einer freien Willensentscheidung des Menschen.
Während sie etwa 4 Jahre lang getrennte Wege gingen, bestand weiterhin eine gegenseitige Wertschätzung, die schließlich auch in Versöhnung und neuer Zusammenarbeit mündete. Wesley hielt in London einen ehrenden Nachruf auf Whitefield, als der in Amerika verstarb.
In seinem Buch, George Whitefield and the Great Awakening berichtet John Pollock über eine nette Begebenheit. Er schreibt: „John Wesley hat niemals Kritik an George Whitefield gefördert. ‚Glauben Sie, dass wir Herrn Whitefield im Himmel wiedersehen werden?‘, fragte ein kleingeistiger Schüler. ‚Nein‘, antwortete Wesley, und der Mann schien zufrieden, dass er mit seiner Schmeichelei ins Schwarze getroffen hatte. ‚Nein, mein Lieber‘, sagte Wesley, ‚ich fürchte nicht. Mr. Whitefield wird so nah am Thron sein und wir in solcher Entfernung, dass wir ihn kaum zu Gesicht bekommen werden.‘“
John Wesley macht es uns bis heute vor, was es bedeutet, den Nächsten – auch, wenn wir theologisch nicht mit allem übereinstimmen – zu ehren und zu lieben.
in der Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor!
(Römer 12:10)




