„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46:10a)

Montag, 5. Oktober 2026

Ich sehe was, was du nicht siehst ...

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. (Jesaja 55:8+9)

„Ich sehe was, was du nicht siehst ...“ Durch das Rundschreiben eines Freundes wurde ich dieser Tage an das Kinderspiel erinnert. Auch als Erwachsener macht es immer noch Sinn, über diesen Satz nachzudenken; zugegeben – in einem etwas anderen Zusammenhang.

  • Letzte Woche wurde einer meiner besten Freunde beerdigt. Er wurde nur 55 Jahre alt.
  • Seit über einem Jahr bete ich (fast täglich) mit vermutlich Hunderten oder Tausenden anderer Christen für die Freilassung von Leah Sharibu in Nigeria.
  • Im hinduistischen Nepal, in dem die Christen eh nur eine Minderheit sind (4,7%) und dazu noch stark verfolgt werden, wurden Kirchen und Privatbesitz durch die Sturzflut zerstört und auch viele Christen haben ihr Leben gelassen.
  • In der Ukraine wurden seit Kriegsbeginn über 50 Kirchen vollständig zerstört.

Das sind alles Tatsachen, die wir sehen und erleben und die für uns die Realität ausmachen. Und – um ehrlich zu sein – sie entsetzen mich. Es entsetzt mich, dass geliebte Menschen viel zu früh sterben, dass Millionen hungern, Millionen verfolgt werden und auf der Flucht sind und dass viele Menschen nur für sich und nur in den nächsten Tag hineinleben. Und wenn ich all das sehe – und man kann es ja nicht ausblenden – dann rutsche ich nicht unbedingt in eine Phase überschwänglicher Freude.

Dann hilft es mir, dass es Wahrheiten und Tatsachen gibt, die ich nicht sehe, die aber ebenso real sind wie das, was ich sehe. Nicht immer, aber manchmal erlaubt Gott uns sogar einen kleinen Blick hinter die Kulissen, einen Blick auf Seine Absichten und in Seine Realität, die für uns nur selten sichtbar ist.

  • Letzte Woche (24.9.26) wurde an dieser Stelle berichtet, dass seit Kriegsbeginn in der Ukraine über 100 neue Gemeinden entstanden sind und sich über 13.000 Menschen taufen ließen.
  • Der Märtyrertod von vielen Missionaren hat immer wieder hunderte von jungen Menschen bewegt, die entstandenen Lücken neu zu füllen.
  • Obwohl es für Gebet und Erweckung keine festgesetzten Zeitregeln gibt, gingen vielen Erweckungen ausgedehnte Zeiten des Gebets voraus.
  • Auch Daniel betete und fastete 3 Wochen lang, weil ihn etwas bedrückte und er Gott suchte. Sobald Daniel mit Gebet und Fasten begann, wurde er erhört – aber er erkannte es nicht. 

Nach der ersten Woche ... keine Antwort. Nach der zweiten Woche – keine Antwort. Als die dritte Woche sich dem Ende zuneigte, hatte er immer noch eine Antwort. Erst am 21. Tag kommt ein Engel Gottes zu ihm und erklärt (Daniel 10:12-14a): „Fürchte dich nicht, Daniel! Denn von dem ersten Tag an, da du dein Herz darauf gerichtet hast, zu verstehen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, und ich bin gekommen um deiner Worte willen. 13 Aber der Fürst des Königreichs Persien hat mir 21 Tage lang widerstanden; und siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, ist mir zu Hilfe gekommen, sodass ich dort bei den Königen von Persien entbehrlich war. 14 So bin ich nun gekommen, um dir Einblick darüber zu geben, was deinem Volk am Ende der Tage begegnen wird

„Ich sehe was, was du nicht siehst ...“ scheint Gott Daniel zuzurufen. „Ich bin da, ich handle, ich habe alles unter Kontrolle und bin voll im Zeitplan. Vertraue! Geh deinen Weg unbeirrt weiter an meiner Seite! Du kannst mir vertrauen! Ich sehe was, was du nicht siehst ...“

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Johannes 20:29) 

Sonntag, 4. Oktober 2026

Herzliche Einladung!

Heute wieder mit Sonntagszitat am Schluss!


Psalm 27:1-5
 
Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?
2 Wenn Übeltäter mir nahen, um mein Fleisch zu fressen, meine Widersacher und Feinde, so müssen sie straucheln und fallen. 
3 Selbst wenn ein Heer sich gegen mich lagert, so fürchtet mein Herz sich dennoch nicht; wenn sich Krieg gegen mich erhebt, so bin ich auch dabei getrost.
4 Eines erbitte ich von dem HERRN, nach diesem will ich trachten: dass ich bleiben darf im Haus des HERRN mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des HERRN zu schauen und [ihn] zu suchen in seinem Tempel.
5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur Zeit des Unheils, er verbirgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.
 
Einladung zum Gottesdienst
Anbetung - Gebet 
Predigt - Gemeinschaft 
Heute kein gemeinsamen Mittagessen 

Wir freuen uns auf dich!

Calvary Chapel Freier Grund
Bitzegarten 5
57290 Neunkirchen
Beginn: 10:30 Uhr

Sonntagszitat:

Die Vorrechte des Evangeliums 
sind die Stolpersteine des Gesetzlichen. 
(Charles H. Spurgeon)

Samstag, 3. Oktober 2026

Endlich Einheit!

3. Oktober 1990 –  0:00 Uhr / Mitternacht – die Bundesflagge wird gehisst – die Freiheitsglocke wird geläutet. Nur kurz später verkündet der Bundespräsident vor einer ungezählten Menge die vollendete Einheit Deutschlands. Ein äußerst bewegender Moment in der Geschichte unseres Landes. Endlich ohne Mauer -  endlich Einheit!

Seither hat die Vereinigung von Ost und West mehrere Stadien durchlaufen. Anfänglicher Euphorie folgte Ernüchterung; dann bis heute steigende Zufriedenheit über die Einheit des lange durch die Mauer geteilten Landes. Der heutige Tag gedenkt dieser Einheit und feiert sie.

Deutschland ist nicht das einzige Land, das nach langer Teilung zur Wiedervereinigung fand. 1976 wurden Nord- und Südvietnam vereint. 1990 vereinigten sich der Norden und Süden Jemens zur „Republik Jemens“. Andere Länder wiederum warten bis heute auf eine gemeinsame Zukunft, wie es z.B. bei Nord- und Südkorea der Fall ist.

All diese Beispiele zeigen, wie willkommen wiedergewonnene Einheit ist. In echter Einheit schwingt Harmonie, Frieden und Sicherheit mit. Natürlich kann Einheit auch erzwungen werden und dann nach hinten losgehen. Der Evangelist Moody erklärt, dass es verschiedene Wege gibt, vereint zu werden: man kann zusammenfrieren oder zusammenschmelzen.

In der Bibel offenbart der Herr, dass Ihm die Einheit Seines Volkes ein größeres Anliegen ist, als Seinem Volk selbst. Jesus ringt im Gebet mit Seinem himmlischen Vater:

„Ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ (Johannes 17:11,20-23)

Einigkeit untereinander, wie Jesus und der Vater eins gewesen sind, bedeutet nicht, dass wir alle immer eine Meinung haben müssen. Nein! Es bedeutet, dass die Liebe Jesu uns befähigt, über Nebensächlichkeiten hinweg zu blicken und sich zu freuen an dem gemeinsamen Herrn und Seinem Heil. Es bedeutet nicht, dass Gottes Volk alle Projekte gemeinsam durchführen muss und alle Gemeinden sich zu einer Mega-Mega-Gemeinde vereinen sollten. Nein! Es bedeutet, dass wir in Liebe miteinander umgehen, nicht in Konkurrenz; dass wir einander aufbauen, nicht niederreißen. Weder offen, noch versteckt. Aber wie soll das gehen? In seinem Buch „Gottes Nähe suchen“ schreibt A.W. Tozer:

Ist Ihnen je aufgefallen, dass hundert Klaviere, die alle nach der gleichen Stimmgabel gestimmt werden, automatisch aufeinander abgestimmt sind? Sie sind alle dadurch eins, dass sie nicht aufeinander, sondern nach einem anderen Standard gestimmt wurden, vor dem sich jeder beugen muss. Wenn so hundert Gläubige zusammen sind und alle auf Jesus schauen, sind sie im Herzen einander näher, als sie sein würden, wenn sie ihre Augen von Jesus wegnehmen würden, um selbst für eine engere Gemeinschaft zu streben.

So einleuchtend! So biblisch! So einfach. Und das Ergebnis:
Endlich ohne Mauer - endlich Einheit!

Freitag, 2. Oktober 2026

(S/M)eine Pläne und (s/m)eine Zeit

Wir alle haben Pläne. Bei manchen von uns ist fast jeder Tag durchgetaktet. Unterbrechungen unwillkommen, auch, wenn nicht jede freie Minute verplant st. Aber es ist uns allen schon so ergangen: Der Tag ist voll mit allen möglichen Aktivitäten; alle sind wichtig – ok, fast alle. Wir beginnen zu arbeiten, zu laufen und unsere Liste nach und nach abzuhaken. Mittendrin die Unterbrechungen - ein Telefonanruf, ein Besuch oder auch nur eine umgeschüttete Tasse Kaffee. Wir werden nervös. Unser Plan gerät durcheinander. Wenn es nur der Kaffee ist oder der Verkehrsstau, können wir noch froh sein. Sind es Menschen, dann wird es schon problematischer. 

Die „Problematik“ lässt sich entschärfen – vielleicht nicht auflösen, aber deutlich entschärfen. Je mehr wir es lernen, mit David in Psalm 31:16 zu bezeugen:

„Meine Zeit steht in deinen Händen“

umso weniger werden wir es als „problematisch“ ansehen, wenn Gott uns ungeplant in Begegnungen hineinführt. Dann werden Änderungen in unserem Tagesplan nicht zu „Unterbrechungen“, sondern zu Terminen, die Gott für uns festgemacht hat.

Dietrich Bonhoeffer schreibt (nicht wörtlich zitiert):

Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen. Er schickt uns Menschen über den Weg mit ihren Bitten und Ansprüchen. Wir können an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages; wie der Priester an dem Mann vorbei ging, der unter die Räuber gefallen war ... vielleicht sogar, während wir in der Bibel lesen. Es gehört aber zur Schule der Demut, dass wir unsere Hand nicht schonen, wo sie dienen kann, und dass wir unsere Zeit nicht in eigener Regie verwalten, sondern sie von Gott füllen lassen.  

Wochenenden sind immer anders. Man trifft meist andere Menschen als während dem Rest der Woche. Man hat andere Pläne als an den Werktagen. Man kann oft besser entspannen.

Mach ruhig Pläne. Aber sei bereit, sie von Gott korrigieren zu lassen. Betrachte Seine Einschübe in Deinen Tagesplan nicht als „Unterbrechungen“ sondern als etwas, dass Dir uns anderen zum Segen und Ihm zur Ehre dienen soll.

Euch allen ein gesegnetes Wochenende!

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Was zählt?

Was zählt eigentlich im Leben? Was ist wichtig, was nicht? Worauf kommt's an? Was zählt im Glauben? Das sind Fragen, die man sich im Idealfall frühzeitig stellt, denn unser aller Leben geht einmal vorbei.

Gestern hab ich mir die durchschnittliche Lebenserwartung verschiedener Länder angeschaut. Weltweit werden die Menschen im Durchschnitt 73,8 Jahre alt. Monaco liegt mit 89,6 Jahren weit drüber, Nigeria mit 54,6 Jahren weit drunter. Auch Deutschland liegt mit 81,76 Jahren Lebenserwartung deutlich über dem Weltdurchschnitt. Dabei haben die Frauen bei der Lebenserwartung immer die Nase vorn.

Aber was macht unser Leben eigentlich aus; was füllt und was erfüllt unser Dasein? Sind es Aktivitäten oder Themen, die verbinden oder solche, die eher trennen? Sind es Handlungen oder Überzeugungen, die mit uns sterben werden, oder solche, die über unser Leben hinaus bestehen bleiben? Wofür setze ich mich ein? Für mich selbst und den Bau meines Reiches? Für ein möglichst weit bekanntes Vermächtnis, einen großen Namen, ein fettes Konto, ein bequemes Leben? Nichts davon ist grundsätzlich zu verurteilen, aber lange bleiben wird davon nichts – zumindest nichts Wertvolles.

Was zählt eigentlich wirklich? Besonders wir Christen sollten über diese Frage immer wieder mal nachdenken, denn wir stehen in Versuchung, selbst geistlichen oder theologischen Inhalten zu viel Gewicht zu geben. Bitte nicht missverstehen! Geistliche und theologische Fragen gehören zu den wichtigsten Fragen im Leben. Und auf viele Fragen sollten wir nicht nur eine ungefähre Antwort haben. Aber offensichtlich gibt es auch Fragen, die so einfach und eindeutig nicht zu beantworten sind. Wenn sich aber zu viel im Leben um solche Fragen dreht oder wir es zu unserem Hobby machen, unsere Sicht der Dinge beweisen zu wollen – dann müssen wir uns auf Streit und Kälte gefasst machen.

Paulus beschrieb sehr deutlich, was für ihn zählte. Es gab ein Ziel, für das er lebte und für das er bereit war zu sterben: Jesus! Paulus schreibt:

Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. (1 Korinther 2:2)

Dabei wäre es gerade Paulus gewesen, der Gelehrte, der sich mit Theologen und Möchte-gern-Theologen seiner Zeit hätte anlegen können. Und manchmal tat er es auch. Einmal, als es um die Frage der Kopfbedeckung beim Gottesdienst ging, schrieb er den Gemeinden, was sie wissen mussten. Dann beendete er seine Ausführungen mit den Worten (1 Korinther 11:16): „Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, so soll er wissen: wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die Gemeinden Gottes.”

Dabei ging es Paulus nicht um Harmonie um jeden Preis. Es ging ihm darum, dass wenn Uneinigkeit sein musste, dann nur um den Preis einer Person willen: Jesus. In 1 Korinther 1:23+24 schreibt er: „Die Juden wollen Wunder sehen, und die Griechen suchen nach Weisheit. Wir aber verkünden den Menschen, dass Christus, der von Gott erwählte Retter, am Kreuz sterben musste. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die Griechen blanker Unsinn.“

Es ging Paulus nie um sich selbst, seine Sicht, seine Ehre, seinen Namen oder sein Recht. Das betont er zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Briefen (2 Korinther 4:5; Galater 6:14; Philipper 3.8):

Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen. (...) Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. (...) Aber was mir Gewinn war, das habe ich um des Christus willen für Schaden geachtet; ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne.

Im Leben und den Schriften des Paulus zeigt Gott, was zählt – wer zählt. Geh noch einmal zurück zum Anfang dieser Andacht und überschlage, wie lange du noch ungefähr zu leben hast, solltest du das Durchschnittsalter erreichen. Und dann frag dich: Wer oder was zählt eigentlich in meinem Leben?

Mittwoch, 30. September 2026

Jesus im Nebel

Nebel hat etwas Faszinierendes an sich, etwas Mystisches, Melancholisches und Geheimnisvolles. Ich erinnere mich an Nachtwanderungen in meiner Kindheit mit der Familie (im ganz frühen Morgengrauen). Da hing der Nebel tief im Wald, benetzte Boden, Blumen und Spinnengewebe. In Filmen drückt Nebel nicht selten das Einsame und Gefährliche aus.

Gefährlich ist er auch, der Nebel; zumindest, wenn er dicht genug – und man mit dem Auto unterwegs ist. Denn Nebel verdeckt die Sonne und das Licht – und damit auch Gefahren, die auf dem Weg lauern können. Ist der Nebel dicht genug, verdeckt er Hinweisschilder und Wegweisungen. Zusätzlich bremst er die Wärme der Sonnenstrahlen aus, bis er sich schließlich der Sonne geschlagen geben muss.

Das Geheimnisvolle am Nebel wird oft in Verbindung gebracht mit Unsicherheit, Verwirrung und Angst. Bestattungsinstitute haben Nebelbilder parat, die die Vergänglichkeit des Lebens illustrieren.

In der Bibel finden wir verschiedene Berichte von Menschen, deren Blick so „vernebelt“ war, dass sie nicht klar sehen konnten. In Johannes ist Maria Magdalena am Grab Jesu, spricht mit zwei Engeln, die sie scheinbar nicht als solche erkennt, und begegnet dann Jesus, der sie nicht verurteilt (Johannes 20:14):

Und als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen und wusste nicht, dass es Jesus war.

Trauer hatte ihren Blick für Jesus vernebelt. Den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus erging es kaum anders. Verständlich! Auch ihr Blick war vernebelt und sie erkannten Jesus nicht, als sie mit Ihm unterwegs waren. In Lukas 24:16 lesen wir:

Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Jesus ist immer da, immer ansprechbar, immer bereit, uns an die Hand zu nehmen und zu leiten, immer bereit, zu trösten, zu helfen und zu versorgen.

Aber obwohl diese Bereitschaft da ist, sehen wir Ihn oft nicht klar. Als Jesus im Sturm auf dem See Genezareth zum Boot der Jünger kam, hatten sie keine Ahnung davon, was sie sahen. Sie befürchteten, ein Gespenst zu sehen.

Abwegig! So denken wir. Aber auch wir sehen trotz all der göttlichen Verheißungen oft nicht die Kraft, die Herrlichkeit, die Möglichkeiten oder die Gegenwart unseres wunderbaren Jesus.

Was vernebelt uns den Blick auf Jesus?

Bei den einen ist es, wie bei Maria und den Emmaus-Jüngern, die Trauer. Ganz natürlich sperrt uns Trauer ein in unsere eigene Welt. Es scheint kein Heilmittel zu geben. Der Nebel der Trauer stellt uns den Blick auf unseren Tröster, Jesus!

Angst ist für andere ein dichter Nebel! Erstickend! Beengend! Ohne Blick für den Ausweg, ohne Blick auf Jesus

Hoffnungslosigkeit und Depression sind eine massive Nebelwand. Es scheint nach keiner Seite Entrinnen zu geben.

Und wieder andere haben ganz andere Nebelbänke um sich: Stress, Sorgen, Unfrieden oder Schmerzen können unsere Augen halten und das Licht der Sonne verdecken.

Aber lasst uns mitten in all unseren Nebelzeiten festhalten: Hinter jedem Nebel strahlt die Sonne. Wir mögen sie nicht sehen, aber sie ist da, sie ist stark und sie wird auch wieder scheinen. Lasst uns festhalten, dass Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit, unmessbar viel stärker ist als der Nebel um uns herum, woraus immer er auch bestehen mag. Jesaja schreibt in Kapitel 44:22 über den Nebel. Gott spricht:

„Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke
und deine Sünden wie einen Nebel.
Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich!“

Wenn Gott sogar das Schlimmste auf Erden, die Sünde der Menschen, wie einen Nebel tilgen und auflösen kann, dann kann er es mit jedem anderen Nebel ebenso tun. Bring Gott heute das, was dir den Blick für Jesus vernebelt, und vertraue dich Seiner Führung an, ob du deine Welt klar siehst oder nicht!

Dienstag, 29. September 2026

Biographie: Abel Binyoni

Ob der Eintrag heute als Biographie durchgeht, bleibt jedem Leser selbst überlassen. Was ich aber vor wenigen Tagen über das Leben von Abel Binyoni gelesen habe, hat mich so inspiriert, dass ich es heute hier weitergeben möchte.

Abel Benyoni wird vermutlich keinem meiner Leser bekannt sein. War er mir auch nicht – bis vor Kurzem; und tatsächlich gibt es kaum Informationen über ihn, auch keine Biographie. Aber er ist im Himmel bekannt, wo er seit 54 in der Gegenwart des Herrn sein darf.

Abel wurde wahrscheinlich im Jahr 1934 oder 1935 in Burundi geboren. Über seine Kindheit gibt es keine weiteren Informationen. Als Erwachsener wurde er bekannt als Schullehrer, Direktor einer Missionsschule der Quäker, als Laienprediger und Leiter einer lokalen Quäkergemeinde in Burundi. 1960 heiratete Abel die in Burundi bekannte Hebamme Mariya Nzigiyimana, die als erste Frau in Burundi eine staatliche Grundschulausbildung abschloss. Mariya arbeitete später als erste professionelle Hebamme der Region und wurde zu einer führenden Persönlichkeit in der Quäker-Frauenbewegung.

Während der brutalen Ausschreitungen zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi kamen weit über 1 Million Menschen ums Leben. Als 1972 Missionare der Quäker Burundi verließen, schrieb ihnen Abel eine Danksagung: „Wir haben nichts, was wir euch zurückgeben könnten als Dank für alles, was ihr getan habt, uns zu helfen. Aber wir wissen sehr gut, dass unser Herr, der auch euer Herr Jesus ist, es nicht versäumen wird, euch reichlich zu vergelten, weit mehr, als ihr für uns getan habt.“

Im Blutbad, das 1972 in Burundi angerichtet wurde, gab es zahlreiche Christen, die friedlich in den Tod gingen und ihren Mördern vergaben. Abel galt als Intellektueller und stand daher auf der Abschussliste der Feinde. In der Stadt Gitega wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt. Über seinen Tod wird berichtet, dass er, als er zur Exekution aufstand, darum bat, ein Lied singen zu dürfen. Es wurde ihm gewährt und er beendete sein Leben mit dem Lied: 

Out of my bondage, sorrow and night,
    Aus meiner Knechtschaft, Leid und Nacht,
Jesus, I come. Jesus, I come.
    Jesus, ich komme. Jesus, ich komme.
Into Thy freedom, gladness and light,
    In deine Freiheit, Freude und Licht,
Jesus, I come to Thee
    Jesus, ich komme zu dir.

Als er die vier Strophen des Liedes gesungen hatte, waren die Schützen betroffen von seinem Zeugnis, zögerten kurz und erfüllten dann den Befehl.

Abel Binyoni starb 1972 als Nachfolger Jesu, mit einem Zeugnis für seinen Herrn auf den Lippen.

Seine Haltung bis in den Tod gilt nach Quellen in der christlichen Geschichtsschreibung der Region bis heute als Symbol für Vergebung und spirituelle Standhaftigkeit.

Montag, 28. September 2026

Wenn man nicht mal mehr beten kann ...

Wer kennt diese Stunden oder Tage nicht, an denen die Welt stillzustehen scheint? Tage, an denen nichts mehr geht; Tage, die man wie im Traum verbringt und deren Ende man sich nicht vorstellen kann.

Ich saß am Bett einer Seniorin, einer gläubigen Frau. Sie war krank, vielleicht lebensbedrohlich krank; ohne Kraft, aufzustehen, ohne Kraft für irgendetwas. Gemeinsam mit ihrem Mann meisterte sie die Seniorenjahre. Jetzt war ihr Ehepartner gebrechlich und auf ihre Hilfe angewiesen. Sie hatte Angst. Pure Angst. Nicht Angst vor dem Sterben. Das war – aus der Kraftlosigkeit geboren – fast ihr Wunsch. Nein, es war die Angst, ihrem hilflosen Ehemann nicht helfen zu können und ihn im Todesfall zurücklassen zu müssen. Und so saß ich an ihrem Bett, fischte nach Worten und versuchte, ein offenes Ohr zu haben, wenn die Seniorin versuchte, etwas zu sagen. Irgendwann brach sie in Weinen aus und meinte: „Ich kann nicht mehr! Ich kann nicht mehr die Bibel lesen (das hätte ich in ihrem Zustand auch nicht mehr gekonnt) und ich kann auch nicht mehr beten. Ich bin ohne jede Kraft. Bete Du!“ 

Sie ist ist nicht die Einzige, die durch Täler geht, zu dunkel, um den Weg zu sehen. Sie ist nicht die Einzige, die durch Zeiten geht, in denen die Worte zum Gebet fehlen und das lebendige Wort Gottes nicht mehr als Druckerschwärze zu sein scheint. Erleichternd ist die Tatsache, dass Gott unsere Empfindungen kennt und versteht. In der Schrift heißt es in Hebräer 4:15: 

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, 
der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, 
sondern einen, der in allem versucht worden ist
in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde.“ 
 
Jesus versteht! Er versteht uns! Er versteht Dich! Er leidet mit uns. Er nimmt uns nicht immer alles ab, was Er uns abnehmen könnte. Aber er ist bei uns, trägt uns, trägt uns hindurch, erträgt uns und liebt uns ungebrochen! Er hält uns fest!
 
Wichtig wurden mir in diesem Zusammenhang zwei Verse. In meiner Stillen Zeit las ich kürzlich in 2. Samuel. Hier wird von dem sehr alten Barsillai geschrieben, der David entgegenkam, als dieser nach seiner Flucht wieder in Jerusalem einzog. Barsillai hatte für den König gearbeitet und war ihm treu geblieben. Jetzt wollte David ihm Gutes tun und lud ihn ein, mit ihm an den königlichen Hof zu kommen. Barsillai will aber lieber seinen Lebensabend in seinem vertrauten Heimatort verbringen und antwortet David:  (2. Samuel 19:37+40) 
 
Dein Knecht würde nur auf kurze Zeit 
mit dem König über den Jordan gehen; ...
Und als das ganze Volk den Jordan überschritten hatte, 
ging der König auch hinüber;
und der König küsste den Barsillai und segnete ihn.
Darauf kehrte dieser wieder an seinen Ort zurück.  
 
Eigentlich unauffällige Worte. Der Gedanke, der mir beim Lesen der Verse durch den Kopf ging, war dieser: Manchmal ist es einfach genug, ein Stück Wegs an der Seite des Herrn zu gehen. Nicht die fetten Speisen am Königshof, nicht die Ehre, ständig einer der engsten Freunde zu sein – einfach still auf dem Weg des Königs neben dem König herzugehen. Manchmal brauchen wir nicht mehr zu tun, manchmal können wir gar nicht mehr tun. Aber das Ende davon, dass wir still neben Ihm hergehen, ist, dass ER uns am Ende küsst und segnet.
 
Halte Dich fest an der Tatsache, dass Jesus Dich versteht, dass Er in allen Tälern bei Dir bleibt und es manchmal reicht, einfach ein Stück unseres Wegs neben Ihm herzugehen. Am Ende stehen sein Kuss und Sein Segen.
 
Der Herr segne Dich!