Als 14-jähriger machte er eine Ausbildung zum Schuster. Mit etwa 18 Jahren bekehrt er sich nach einer bewegenden Predigt, lässt sich taufen und schließt sich danach einer Baptistengemeinde an, die ihn 7 Jahre später zu ihrem Pastor beruft.
Carey interessierte sich für die Reisen des Entdeckers James Cook und war außerdem ungewöhnlich sprachbegabt. Zunächst war es Französisch und Latein, wie auch die biblischen Sprachen Hebräisch und Altgriechisch, die ihn faszinierten.
Es war seine Schrift „Eine Untersuchung über die Pflicht der Christen, Mittel zur Bekehrung der Heiden einzusetzen“ aus dem Jahr 1876 und seine Predigt im Jahr 1892, die zur Gründung der „Baptist Missionary Society“ (Baptistischen Missionsgesellschaft) führte.
Schließlich hielt es Carey nicht mehr in England. Am 17. Mai 1793 reiste er nach Bengalen im Nordosten Indiens aus. Zu seinen unterstützenden Gemeinden sagte er: „Wenn Ihr das Seil festhaltet, werde ich hinuntersteigen, um nach den Verlorenen zu suchen.“ Er begann mit nur 6 Personen, die sich bereit erklärten, „das Seil festzuhalten“ – will heißen: ihn zu unterstützten. Er blieb über 40 Jahre in Indien und setzte dank dieser 6 treuen Unterstützer die ganze moderne Missionsbewegung in Gang. Sein Motto lautete: „Erwarte Großes von Gott und unternimm Großes für Gott!“
Der Anfang der Arbeit war allerdings holprig, da nach einer Satzung der „Britischen Ostindien Kompanie“ nicht missioniert werden durfte. Auch starb in dieser Zeit sein 5-jähriger Sohn, worauf seine Frau eine Psychose entwickelte, wovon sie sich nicht mehr erholte. Dann allerdings kam es nach einigen Jahren zur ersten Bekehrung eines Gurus. Carey zog um in Dänisch kontrolliertes Gebiet und wurde dort in verschiedenen Bereichen aktiv.
Zunächst lehrte er als Professor in Kalkutta, war allerdings auch unentwegt beschäftigt mit der Übersetzung der Bibel in die verschiedenen Sprachen der Inder und einige andere asiatische Sprachen. Dafür erarbeitete er sich eine ganze Bibliothek an Wörter- und Grammatikbüchern, kaufte eine Druckerei und ließ kostspielige Punzen (Buchstabenstempel) in jenen Sprachen herstellen. Während seiner 40+ Jahre in Indien übersetzte Carey die Bibel in 6 Sprachen und Bibelteile in weitere 29 asiatische Sprachen. Andere Quellen sprechen von insgesamt 44 Sprachen.
Bei alledem demütig und Christus zentriert zu bleiben muss wohl als besondere Segnung angesehen werden. Wegen seiner bescheidenen Herkunft und seiner Arbeit als Schuster wurde er auch in Indien zunächst gedemütigt und verachtet. John MacArthur erzählt, dass Carey bei einem Festessen von einem Nobelmann angesprochen wurde, der abschätzend zu ihm sagte: „Herr Carey, ich habe gehört, dass Sie einst als Schuhmacher gearbeitet haben.“ „Nein, nein, mein Herr“, antwortete Carey, „ich war kein Schuhmacher, nur ein Schuster. Ich habe lediglich repariert.“
»Gott widersteht den Hochmütigen;
den Demütigen aber gibt er Gnade«.
(Jakobus 4:6)
Das durfte William Carey erfahren. Ohne Bachelor und Master-Abschlüsse, ohne Titel und Referenzen hat er das, was er war und hatte in Gottes Hand gelegt – und Gott hat etwas daraus gemacht. Heute gibt es eine William Carey Universität sowohl in Shillong / Indien, wie auch in Hattiesburg / USA. Am 9. Juni 1834 starb William Carey in der Westbengalischen Stadt Serampore.






