Auch Hiob betete. Er war ein reicher, frommer und untadeliger Mann. Und er betete! Er war in abgrundtiefe Not gestürzt, hatte alles verloren: Seinen Besitz, seine 10 Kinder, seine Gesundheit, den Beistand seiner Frau und die Loyalität seiner Freunde. Ihm blieb nichts mehr – außer: zu beten. Er wurde zu einem derer, die unter Tränen beteten (siehe Blogeintrag gestern).
Und Hiob betete. Die Frage, die sich stellen mag, lautet: Warum wartete Gott so lange, bis er das Gebet Hiobs erhörte? Gott erhörte Hiob zwar, aber erst nach einer Zeit, die Hiob endlos erscheinen musste. Das Buch Hiob gibt tatsächlich Hinweise, dass sein Leiden sich möglicherweise über Monate hinzog. Aber warum erhörte Gott nicht schneller?
Das ganze Leiden Hiobs hatte ja – nach Hiob 1+2 – seine Wurzeln in der unsichtbaren Welt. Satan glaubte nicht, dass Hiob trotz Leid an Gott festhalten würde. Durch das zunehmende Leid des gläubigen Hiob demütigte Gott Satan, der am Ende des Buches als klarer Verlierer vom Platz geht. Satan verliert, Hiob wird rehabilitiert und Gott wird verherrlicht!
Tatsache ist, dass wir nicht immer wissen, was genau in der unsichtbaren Welt vor sich geht. Wir wissen auch nicht immer, ob unsere Gebete dem Willen Gottes entsprechen. Und wir wissen auch nicht immer, ob die Erhörung unserer Gebete nicht gerade noch ein Gebet entfernt ist.
Wenn wir das Buch Hiob lesen, stellen wir fest, dass Hiob während seines ganzen Leides mit Gott im Gespräch blieb. Er hatte keine Antworten, er hörte nichts von Gott, er musste sich die Fehleinschätzungen seiner Freunde anhören, ihm tat alles weh, und er litt unvorstellbar. Aber er blieb nicht ruhig. Und als es in der unsichtbaren Welt offensichtlich war, dass Satan verloren hatte und Hiob an seinem Glauben festhielt, da redete Gott, beantwortete Fragen und begegnete Hiob in seinem Leid. Tatsächlich war das Hören der Stimme Gottes Hiob genug. Er war noch nicht völlig rehabilitiert, seine Krankheit noch nicht geheilt, seine Freunde noch nicht korrigiert, sein Besitz noch nicht wiederhergestellt. Aber all das – alle Anliegen Hiobs – wurden zur Nebensache, nachdem er Gottes Stimme gehört hatte, nachdem er Gott begegnet war und sagen konnte (Hiob 42:5):
Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.
Das korrespondiert mit den Gedanken von gestern, die uns aufgefordert haben, den Fokus primär nicht auf die Anliegen zu legen, sondern auf den, vor dem wir die Anliegen ausbreiten.
Tatsächlich wurde auch Hiobs Freude vollkommen, denn der Herr ersetzte alles, was er durch sein Leiden verloren hatte. Und in alledem wurde Gott im Himmel verherrlicht. Er wird bis heute verherrlicht durch das Buch Hiob, das die Erfahrung dieses gläubigen Menschen festgehalten hat.
Manchmal verzögert Gott die Erhörung unserer Gebete aus gutem Grund. Aber Er verspätet sich nie, oder, wie es auch heißt: „Gott kommt spätestens pünktlich!“






