Sicher bin ich nicht der Einzige, der sich bei manchen Bibelversen fragt: „Wie ist das denn gemeint? Ist das bildlich zu verstehen? Meint der Schreiber das so?“ usw. Dass der Schreiber meint, was er schreibt, muss grundsätzlich bejaht werden, denn immerhin schreibt er nur das auf, was Gott ihm eingibt. Trotzdem bleiben bei manchen Versen Fragen.
Kürzlich ging es mir so, als ich mir den Psalm 148 anhörte. Kommen Euch da auch Fragen?1 Halleluja! Lobt den Herrn von den Himmeln her, lobt ihn in der Höhe!
2 Lobt ihn, alle seine Engel; lobt ihn, alle seine Heerscharen!
3 Lobt ihn, Sonne und Mond; lobt ihn, alle leuchtenden Sterne!
4 Lobt ihn, ihr Himmel der Himmel, und ihr Wasser oben am Himmel!
5 Sie sollen loben den Namen des Herrn; denn er gebot, und sie wurden erschaffen,
6 und er verlieh ihnen Bestand auf immer und ewig; er gab ein Gesetz, das nicht überschritten wird.
7 Lobt den Herrn von der Erde her, ihr Meerestiere und alle Meeresfluten!
8 Feuer und Hagel, Schnee und Dunst, der Sturmwind, der sein Wort ausführt;
9 Ihr Berge und alle Hügel, Obstbäume und alle Zedern;
10 wilde Tiere und alles Vieh, alles, was kriecht und fliegt;
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter auf Erden;
12 ihr jungen Männer und auch Jungfrauen, Alte mitsamt den Jungen;
13 sie sollen loben den Namen des Herrn! Denn sein Name allein ist erhaben, sein Glanz überstrahlt Erde und Himmel.
14 Und er hat das Horn seines Volkes erhöht, allen seinen Getreuen zum Ruhm, den Kindern Israels, dem Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!
Irgendwas seltsam? Irgendwelche Fragen? Es geht um das Lob Gottes. In der Höhe sollen ihn die Heerscharen der Engel loben (Vs 1+2). Das macht Sinn!
Es macht auch Sinn, dass Könige, Fürsten und Richter der Erde aufgefordert werden, Gott zu loben (Vs 11). Leider tun es viel zu Wenige. Aber es macht Sinn! Auch die Aufforderung an junge Männer und Frauen, an Alte und Junge (Vs 12) wirft keine Fragen auf – aber die Verse 3-10 schon. Zum Gotteslob aufgefordert werden hier:
Sonne, Mond Sterne, Wasser, Meerestiere, Meeresfluten, Feuer, Hagel, Schnee, Dunst, Sturm, Berge, Hügel, Obstbäume, Zedern, Wildtiere, Vieh und alles was kriecht und fliegen kann,Hat jemand eine Erklärung? Eine legitime Erklärung wäre meines Erachtens die poetische Schönheit des Psalms ebenso wie die Tatsache, dass unser Herr aller Ehre und allen Lobes wert ist. Er ist der Schöpfer aller Dinge und seine Schöpfung soll Ihm Lob bringen und Ihn ehren.
Als ich darüber nachdachte, kam mir aber noch ein anderer Gedanke. Kann es sein, dass der Psalmist tatsächlich die Schöpfung aufruft, ihrem Schöpfer Lob zu bringen – nicht nur als schöne, poetische Ausdrucksform der Heiligen Schrift, sondern als wirkliche Aufforderung?
Wie soll das gehen? Wie sollen Sonne, Mond und Sterne, Wasser, Feuer Berge und Vieh ihren Schöpfer preisen? – Die Antwort würde lauten: indem sie nach ihrer Bestimmung leben.
Sonne, Mond und Sterne sind nach 1 Mose 1 geschaffen, Zeichen zu sein, die Erde zu beleuchten, Zeiten zu bestimmen und Tag und Nacht zu unterscheiden. Wasser sichert Mensch und Tier das Überleben und lässt alles Pflanzliche wachsen. Auch die Tierwelt hat ihre verschiedenen Aufgaben – und sei es nur, durch ihre Vielfalt und Schönheit die Menschen zu erfreuen und zu erstaunen. So sagt der Psalmist (Psalm 19:2):Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündigt das Werk seiner Hände.
Und in Psalm 104:24 heißt es:
Herr, wie sind deine Werke so viele! Du hast sie alle in Weisheit gemacht, und die Erde ist erfüllt von deinem Besitz.
Wo immer die Schöpfung ihre Bestimmung erfüllt, wird Gottes Schöpferkraft und Weisheit dadurch gelobt. Tatsächlich bringt sie auch den menschlichen Beobachter ins Staunen und hinein ins Lob Gottes, wie uns Psalm 8:4+5 lehrt:
Wenn ich deinen Himmel betrachte, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du an ihn gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass du auf ihn achtest?
Ein herrlicher Sonnenuntergang, ein voller Obstbaum, ein pralles Kornfeld, das melodische Singen der Vögel, das Rauschen des Meeres oder die Stille der Berge – all das ehrt den Schöpfer und darf und soll uns hinführen, Ihn zu loben.Auch Du und ich haben eine Bestimmung im Leben, durch die wir – neben unseren Worten – den Herrn loben und ehren sollen (Epheser 1:5+6):
Er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.
Bestimmt, als Seine Kinder etwas zu sein zum Lob Seiner Herrlichkeit! In dieser Berufung zu leben bringt dem Lob und Ehre, dem unser Leben gehört!










