„Der Wille Gottes wird uns nicht dorthin führen, wo die Gnade Gottes uns nicht tragen kann.“ (Billy Graham)

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Neues Leben

Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde. (Jesaja 43:19)

Eigentlich mache ich nur im Urlaub längere Spaziergänge, aber letzte Woche war es anders. Fast 3 Stunden waren wir unterwegs, haben unseren nicht ausgewiesenen Zielort sogar gefunden und die Stille, Farben und Gegebenheiten der Natur genossen.

Das Bild entstand auf unserem Weg zum Ziel. Deutlich zu sehen ist der Bereich, wo vor wenigen Jahren der Waldboden noch bedeckt war, wo Fichten standen und Wild ihren Unterschlupf finden konnten. Dann kam der Fichtenfeind, der Borkenkäfer, und richtete Millionenschaden an – was den Baumbestand anging und den wirtschaftlichen Verlust.

Man erinnert sich an die toten Bäume, die nadellos zum Himmel ragten, später an die riesigen kahlen Flächen mit zahllosen Baumstümpfen und auch an den braunen Waldboden, der leer und farblos überall zu sehen war.

Nach gefühlt 3 Jahren (es waren sicher weniger), trauten sich zarte Farnblätter und helles Grün aus der Erde. Im Frühjahr bedeckt der gelbe Ginster die brachen Flächen und wird im Frühsommer vom Fingerhut abgelöst. Und dann kommen – teilweise gepflanzt, teilweise ganz natürlich, die jungen Triebe der nächsten Baumgeneration hervor. Irgendwann werden dort kein Ginster und kein Fingerhut mehr blühen, weil ein neuer Wald herangewachsen ist.

Mir wurde die Szene, (festgehalten im Bild), zu einer Illustration unsrer eigenen Erfahrungen. Auch in unserem Leben – im geistlichen Leben wie auch im Alltag – gibt es Zeiten, wo vieles „kaputt“ geht. Da gibt es Krankheiten, Irrwege, Konsequenzen von Fehlentscheidungen, Durststrecken, Stolperwege und gelegentlich sogar Abstürze. Manchmal sind die Folgen solcher Erfahrungen gravierend. Manchmal sehen unsere Tage dann nur noch aus wie ein toter, nadelloser Baum, der ohne Hoffnung zum Himmel zeigt, und unser Herz fühlt sich an wie ein brauner, lebloser Waldboden, dem alles entzogen wurde, was ihn einmal ausmachte.

Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde. (Jesaja 43:19)

Es gibt eine „Zeit danach“, eine Zeit nach der Niederlage, nach der Dürre, nach dem Tod, eine „Zeit danach“. Es gibt eine Zeit, wenn Gott neue Blätter an den Bäumen wachsen lässt, die Leere neu füllt, neue Farbe hervorkommen lässt und neues Leben in die Dürre schenkt. Das geschieht nicht über Nacht. Es wächst, und Wachstum erkennt man oft erst im Rückblick. Die Wasserströme sind nicht plötzlich überall da, sondern sie beginnen irgendwo und suchen sich ihren Weg. Aber dann geschieht das, was wie unmöglich scheint:

Die Elenden und Armen suchen Wasser und finden keines; ihre Zunge verdorrt vor Durst. Ich, der Herr, will sie erhören; ich, der Gott Israels, will sie nicht verlassen. 18 Ich lasse Ströme hervorbrechen auf kahlen Höhen und Quellen inmitten der Täler; ich mache die Wüste zum Wasserteich und dürres Erdreich zu Wasserquellen. 19 Ich setze Zedern, Akazien, Myrten und Ölbäume in der Wüste; ich pflanze Wacholderbäume, Platanen und Zypressen miteinander in der Steppe; 20 damit alle miteinander es sehen und erkennen und es sich zu Herzen nehmen und ermessen, dass die Hand des Herrn dies gemacht, dass der Heilige Israels es geschaffen hat. (Jesaja 41:17-20)

 

Dienstag, 6. Oktober 2026

Biographie: Carl Johann Philipp Spitta

Bildquelle: hier
Der Name Philipp Spitta wird den wenigsten von uns bekannt sein. Allerdings werden viele von uns etliche der Kirchenlieder kennen, die dieser begnadete Pastor und Dichter geschrieben hat. Besonders bekannt sind „Bei dir, Jesu, will ich bleiben“, „O komm, du Geist der Wahrheit“ oder auch „Ich steh in meines Herren Hand“.

Spitta wurde am 1. August 1801 in Hannover geboren. Er wuchs in einem christlich geprägten Elternhaus auf, in dem der Vater von den Hugenotten, die Mutter vom jüdischen Glauben beeinflusst war. Spitta verlor nie den Bezug zum Glauben, erfuhr aber seine persönliche Glaubensvertiefung erst während seines Studiums.

Eine Uhrmacherlehre brach Spitta ab und begann ein Studium der Theologie. Schon früh erkannte er seine Freude an der Poesie, stellte aber diese Gabe erst am Ende seines Studiums ganz und ausschließlich in den Dienst Jesu. Viele seiner tiefgreifenden Lieder und Gedichte sind in einem Buch „Psalter und Harfe“ veröffentlicht, das sich vorzüglich zur persönlichen Stille eignet.

Mit 23 Jahren, im Mai 1824 begann er als Hauslehrer, mit 27 Jahren durfte er als Hilfsgeistlicher einem kleinen Ort dienen. Mit 29 Jahren erhielt er eine Stelle als Garnisonsprediger und Gefängnisseelsorger.

Spitta hatte eine freundliche und seelsorgerliche Art, die auf den Menschen einging. Unter den Sträflingen sagte man: „Unser Pastor versöhnt uns nicht nur mit Gott, sondern auch mit unseren Eltern und Angehörigen.“ Von einem Häftling wird berichtet, dass er sich mit Tabak vom Küchendienst freikaufte, um am Gottesdienst teilnehmen zu können. Er kümmerte sich um einen zu lebenslanger Haft verurteilten Schwerkriminellen und erklärte: „In die Eisdecke über dem Herzen dieses Menschen schlug ich nicht mit dem Hammer des Gesetzes Löcher, sondern brachte sie unter die Gnadensonne des Evangeliums.“ Gott gebrauchte Spitta, und das Eis schmolz!

Philipp Spitta und einige andere Pastoren waren von der Erweckungsbewegung geprägt. Er leitete einen Hausbibelabend und war an der Gründung eines Missionsvereins beteiligt. Wenn allerdings Gott Sein Werk durch Seine Leute tut, schläft der Feind nicht. Opposition kam zum Teil durch Offiziere der Soldaten, unter denen er diente, aber auch durch rationalistisch eingestellte Amtsbrüder seiner Kirche. Spitta wurde des Mystizismus beschuldigt. Er wurde nicht verurteilt, aber wegen seiner pietistischen Einstellung wurde er kurz nach seiner Heirat mit Marie Hotzen nach Wechold versetzt, wo er gut 10 Jahre als Pastor diente. Danach wurde ihm die Aufgabe als Superintendent zugewiesen, die er mehrere Jahre erfüllte. 

4 Jahre vor seinem Tod erhielt Carl Philipp Spitta am 23. September 1855 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen. Man würdigte ihn aus Anlass der Feier des Augsburger Religionsfriedens als „Geistlichen, Dichter und gottseligen Friedensboten Christi“. Dabei wurde besonders seine glaubens- und leidensfähige Seelsorge und sein pastoraler Dienst betont.

Seine letzte Stelle als Superintendent trat er in Burgdorf an, wo er noch im selben Jahr, am 28. September 1859 starb.

Wie komme ich auf Carl Philipp Spitta? Das kleine Buch „Psalter und Harfe“ enthält viele seiner wertvollen, tiefgeistlichen Gedichte, die ich gerne in meiner Stillen Zeit als Gebet nutze oder zur persönlichen Ermutigung lese. Sehr empfehlenswert!

Zum Abschluss zwei Gedichte von Philipp Spitta:

Was die Erde hat, kann nicht bestehen,
ihre Gabe heißt Vergänglichkeit,
aufwärts zu dem Himmel mußt du sehen,
suchst du ew'ge Schön- und Herrlichkeit.

Laß zum Himmel dich die Erde weisen,
suche deine Heimat nicht auf ihr,
du mußt weiter, immer weiter reisen,
deines Bleibens ist nicht lange hier.


Wie wird uns sein,

 1.     Wie wird uns sein, wenn endlich nach dem schweren,
doch nach dem letzen ausgekämpften Streit
wir aus der Fremde in die Heimat kehren
und einzieh´n in das Tor der Ewigkeit!
Wenn wir den letzen Staub von unsern Füßen,
den letzen Schweiß vom Angesicht gewischt
und in der Nähe sehen und begrüßen,
was oft den Mut im Pilgertal erfrischt!

2. Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle
des ew´gen Lichtes übergossen stehn
und – o, der Wonne! – dann zum ersten Male
uns frei und rein von aller Sünde seh´n;
Wenn wir, durch keinen Makel ausgeschlossen
und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein,
als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen,
eintreten dürfen in der Sel´gen Reih´n!

3. Wie wird uns sein, wenn wir mit Beben lauschen
dem höhern Chor, der uns entgegentönt,
wenn goldne Harfen durch die Himmel rauschen
das Lob des Lammes, das die Welt versöhnt!
Wenn weit und breit die heil´ge Gottesstätte
vom Halleluja der Erlösten hallt
und dort der heil´ge Weihrauch der Gebete
empor zum Thron des Allerhöchsten wallt!

4. Wie wird uns sein, wenn nun dem Liebeszuge
zu Dem, der uns den Himmel aufgetan,
mit ungehaltnem, sehnsuchtsvollem Fluge
die frei geword´ne Seele folgen kann!
Wenn nun vom Aug´ des Glaubens lichte Hülle
wie Nebel vor der Morgensonne fällt
und wir den Sohn in seiner Gottesfülle
erblicken auf dem Thron als Herrn der Welt!

5. Wie wird uns sein, wenn wir Ihn hören rufen:
„Kommt, ihr Gesegneten!“ wenn wir, im Licht
dastehend an des Gottesthrones Stufen,
Ihm schauen in sein gnädig Angesicht,
die Augen seh´n, die einst von Tränen flossen
um Menschennot und Herzenshärtigkeit –
die Wunden, die das teure Blut vergossen,
das uns vom ew´gen Tode hat befreit!

6. Wie wird uns sein?
O, was kein Aug´ gesehen,
kein Ohr gehört, kein Menschensinn empfand,
das wird uns werden, wird an uns geschehen,
wenn wir hineinzieh´n ins gelobte Land.
Wohlan, den steilen Pfad hinangeklommen!
Es ist der Mühe und des Schweißes wert,
dahin zu eilen und dort anzukommen,
wo mehr, als wir versteh´n, der Herr beschert.

Montag, 5. Oktober 2026

Ich sehe was, was du nicht siehst ...

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. (Jesaja 55:8+9)

„Ich sehe was, was du nicht siehst ...“ Durch das Rundschreiben eines Freundes wurde ich dieser Tage an das Kinderspiel erinnert. Auch als Erwachsener macht es immer noch Sinn, über diesen Satz nachzudenken; zugegeben – in einem etwas anderen Zusammenhang.

  • Letzte Woche wurde einer meiner besten Freunde beerdigt. Er wurde nur 55 Jahre alt.
  • Seit über einem Jahr bete ich (fast täglich) mit vermutlich Hunderten oder Tausenden anderer Christen für die Freilassung von Leah Sharibu in Nigeria.
  • Im hinduistischen Nepal, in dem die Christen eh nur eine Minderheit sind (4,7%) und dazu noch stark verfolgt werden, wurden Kirchen und Privatbesitz durch die Sturzflut zerstört und auch viele Christen haben ihr Leben gelassen.
  • In der Ukraine wurden seit Kriegsbeginn über 50 Kirchen vollständig zerstört.

Das sind alles Tatsachen, die wir sehen und erleben und die für uns die Realität ausmachen. Und – um ehrlich zu sein – sie entsetzen mich. Es entsetzt mich, dass geliebte Menschen viel zu früh sterben, dass Millionen hungern, Millionen verfolgt werden und auf der Flucht sind und dass viele Menschen nur für sich und nur in den nächsten Tag hineinleben. Und wenn ich all das sehe – und man kann es ja nicht ausblenden – dann rutsche ich nicht unbedingt in eine Phase überschwänglicher Freude.

Dann hilft es mir, dass es Wahrheiten und Tatsachen gibt, die ich nicht sehe, die aber ebenso real sind wie das, was ich sehe. Nicht immer, aber manchmal erlaubt Gott uns sogar einen kleinen Blick hinter die Kulissen, einen Blick auf Seine Absichten und in Seine Realität, die für uns nur selten sichtbar ist.

  • Letzte Woche (24.9.26) wurde an dieser Stelle berichtet, dass seit Kriegsbeginn in der Ukraine über 100 neue Gemeinden entstanden sind und sich über 13.000 Menschen taufen ließen.
  • Der Märtyrertod von vielen Missionaren hat immer wieder hunderte von jungen Menschen bewegt, die entstandenen Lücken neu zu füllen.
  • Obwohl es für Gebet und Erweckung keine festgesetzten Zeitregeln gibt, gingen vielen Erweckungen ausgedehnte Zeiten des Gebets voraus.
  • Auch Daniel betete und fastete 3 Wochen lang, weil ihn etwas bedrückte und er Gott suchte. Sobald Daniel mit Gebet und Fasten begann, wurde er erhört – aber er erkannte es nicht. 

Nach der ersten Woche ... keine Antwort. Nach der zweiten Woche – keine Antwort. Als die dritte Woche sich dem Ende zuneigte, hatte er immer noch eine Antwort. Erst am 21. Tag kommt ein Engel Gottes zu ihm und erklärt (Daniel 10:12-14a): „Fürchte dich nicht, Daniel! Denn von dem ersten Tag an, da du dein Herz darauf gerichtet hast, zu verstehen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden, und ich bin gekommen um deiner Worte willen. 13 Aber der Fürst des Königreichs Persien hat mir 21 Tage lang widerstanden; und siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, ist mir zu Hilfe gekommen, sodass ich dort bei den Königen von Persien entbehrlich war. 14 So bin ich nun gekommen, um dir Einblick darüber zu geben, was deinem Volk am Ende der Tage begegnen wird

„Ich sehe was, was du nicht siehst ...“ scheint Gott Daniel zuzurufen. „Ich bin da, ich handle, ich habe alles unter Kontrolle und bin voll im Zeitplan. Vertraue! Geh deinen Weg unbeirrt weiter an meiner Seite! Du kannst mir vertrauen! Ich sehe was, was du nicht siehst ...“

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Johannes 20:29) 

Sonntag, 4. Oktober 2026

Herzliche Einladung!

Heute wieder mit Sonntagszitat am Schluss!


Psalm 27:1-5
 
Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?
2 Wenn Übeltäter mir nahen, um mein Fleisch zu fressen, meine Widersacher und Feinde, so müssen sie straucheln und fallen. 
3 Selbst wenn ein Heer sich gegen mich lagert, so fürchtet mein Herz sich dennoch nicht; wenn sich Krieg gegen mich erhebt, so bin ich auch dabei getrost.
4 Eines erbitte ich von dem HERRN, nach diesem will ich trachten: dass ich bleiben darf im Haus des HERRN mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des HERRN zu schauen und [ihn] zu suchen in seinem Tempel.
5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur Zeit des Unheils, er verbirgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.
 
Einladung zum Gottesdienst
Anbetung - Gebet 
Predigt - Gemeinschaft 
Heute kein gemeinsamen Mittagessen 

Wir freuen uns auf dich!

Calvary Chapel Freier Grund
Bitzegarten 5
57290 Neunkirchen
Beginn: 10:30 Uhr

Sonntagszitat:

Die Vorrechte des Evangeliums 
sind die Stolpersteine des Gesetzlichen. 
(Charles H. Spurgeon)

Samstag, 3. Oktober 2026

Endlich Einheit!

3. Oktober 1990 –  0:00 Uhr / Mitternacht – die Bundesflagge wird gehisst – die Freiheitsglocke wird geläutet. Nur kurz später verkündet der Bundespräsident vor einer ungezählten Menge die vollendete Einheit Deutschlands. Ein äußerst bewegender Moment in der Geschichte unseres Landes. Endlich ohne Mauer -  endlich Einheit!

Seither hat die Vereinigung von Ost und West mehrere Stadien durchlaufen. Anfänglicher Euphorie folgte Ernüchterung; dann bis heute steigende Zufriedenheit über die Einheit des lange durch die Mauer geteilten Landes. Der heutige Tag gedenkt dieser Einheit und feiert sie.

Deutschland ist nicht das einzige Land, das nach langer Teilung zur Wiedervereinigung fand. 1976 wurden Nord- und Südvietnam vereint. 1990 vereinigten sich der Norden und Süden Jemens zur „Republik Jemens“. Andere Länder wiederum warten bis heute auf eine gemeinsame Zukunft, wie es z.B. bei Nord- und Südkorea der Fall ist.

All diese Beispiele zeigen, wie willkommen wiedergewonnene Einheit ist. In echter Einheit schwingt Harmonie, Frieden und Sicherheit mit. Natürlich kann Einheit auch erzwungen werden und dann nach hinten losgehen. Der Evangelist Moody erklärt, dass es verschiedene Wege gibt, vereint zu werden: man kann zusammenfrieren oder zusammenschmelzen.

In der Bibel offenbart der Herr, dass Ihm die Einheit Seines Volkes ein größeres Anliegen ist, als Seinem Volk selbst. Jesus ringt im Gebet mit Seinem himmlischen Vater:

„Ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“ (Johannes 17:11,20-23)

Einigkeit untereinander, wie Jesus und der Vater eins gewesen sind, bedeutet nicht, dass wir alle immer eine Meinung haben müssen. Nein! Es bedeutet, dass die Liebe Jesu uns befähigt, über Nebensächlichkeiten hinweg zu blicken und sich zu freuen an dem gemeinsamen Herrn und Seinem Heil. Es bedeutet nicht, dass Gottes Volk alle Projekte gemeinsam durchführen muss und alle Gemeinden sich zu einer Mega-Mega-Gemeinde vereinen sollten. Nein! Es bedeutet, dass wir in Liebe miteinander umgehen, nicht in Konkurrenz; dass wir einander aufbauen, nicht niederreißen. Weder offen, noch versteckt. Aber wie soll das gehen? In seinem Buch „Gottes Nähe suchen“ schreibt A.W. Tozer:

Ist Ihnen je aufgefallen, dass hundert Klaviere, die alle nach der gleichen Stimmgabel gestimmt werden, automatisch aufeinander abgestimmt sind? Sie sind alle dadurch eins, dass sie nicht aufeinander, sondern nach einem anderen Standard gestimmt wurden, vor dem sich jeder beugen muss. Wenn so hundert Gläubige zusammen sind und alle auf Jesus schauen, sind sie im Herzen einander näher, als sie sein würden, wenn sie ihre Augen von Jesus wegnehmen würden, um selbst für eine engere Gemeinschaft zu streben.

So einleuchtend! So biblisch! So einfach. Und das Ergebnis:
Endlich ohne Mauer - endlich Einheit!

Freitag, 2. Oktober 2026

(S/M)eine Pläne und (s/m)eine Zeit

Wir alle haben Pläne. Bei manchen von uns ist fast jeder Tag durchgetaktet. Unterbrechungen unwillkommen, auch, wenn nicht jede freie Minute verplant st. Aber es ist uns allen schon so ergangen: Der Tag ist voll mit allen möglichen Aktivitäten; alle sind wichtig – ok, fast alle. Wir beginnen zu arbeiten, zu laufen und unsere Liste nach und nach abzuhaken. Mittendrin die Unterbrechungen - ein Telefonanruf, ein Besuch oder auch nur eine umgeschüttete Tasse Kaffee. Wir werden nervös. Unser Plan gerät durcheinander. Wenn es nur der Kaffee ist oder der Verkehrsstau, können wir noch froh sein. Sind es Menschen, dann wird es schon problematischer. 

Die „Problematik“ lässt sich entschärfen – vielleicht nicht auflösen, aber deutlich entschärfen. Je mehr wir es lernen, mit David in Psalm 31:16 zu bezeugen:

„Meine Zeit steht in deinen Händen“

umso weniger werden wir es als „problematisch“ ansehen, wenn Gott uns ungeplant in Begegnungen hineinführt. Dann werden Änderungen in unserem Tagesplan nicht zu „Unterbrechungen“, sondern zu Terminen, die Gott für uns festgemacht hat.

Dietrich Bonhoeffer schreibt (nicht wörtlich zitiert):

Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen. Er schickt uns Menschen über den Weg mit ihren Bitten und Ansprüchen. Wir können an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages; wie der Priester an dem Mann vorbei ging, der unter die Räuber gefallen war ... vielleicht sogar, während wir in der Bibel lesen. Es gehört aber zur Schule der Demut, dass wir unsere Hand nicht schonen, wo sie dienen kann, und dass wir unsere Zeit nicht in eigener Regie verwalten, sondern sie von Gott füllen lassen.  

Wochenenden sind immer anders. Man trifft meist andere Menschen als während dem Rest der Woche. Man hat andere Pläne als an den Werktagen. Man kann oft besser entspannen.

Mach ruhig Pläne. Aber sei bereit, sie von Gott korrigieren zu lassen. Betrachte Seine Einschübe in Deinen Tagesplan nicht als „Unterbrechungen“ sondern als etwas, dass Dir uns anderen zum Segen und Ihm zur Ehre dienen soll.

Euch allen ein gesegnetes Wochenende!

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Was zählt?

Was zählt eigentlich im Leben? Was ist wichtig, was nicht? Worauf kommt's an? Was zählt im Glauben? Das sind Fragen, die man sich im Idealfall frühzeitig stellt, denn unser aller Leben geht einmal vorbei.

Gestern hab ich mir die durchschnittliche Lebenserwartung verschiedener Länder angeschaut. Weltweit werden die Menschen im Durchschnitt 73,8 Jahre alt. Monaco liegt mit 89,6 Jahren weit drüber, Nigeria mit 54,6 Jahren weit drunter. Auch Deutschland liegt mit 81,76 Jahren Lebenserwartung deutlich über dem Weltdurchschnitt. Dabei haben die Frauen bei der Lebenserwartung immer die Nase vorn.

Aber was macht unser Leben eigentlich aus; was füllt und was erfüllt unser Dasein? Sind es Aktivitäten oder Themen, die verbinden oder solche, die eher trennen? Sind es Handlungen oder Überzeugungen, die mit uns sterben werden, oder solche, die über unser Leben hinaus bestehen bleiben? Wofür setze ich mich ein? Für mich selbst und den Bau meines Reiches? Für ein möglichst weit bekanntes Vermächtnis, einen großen Namen, ein fettes Konto, ein bequemes Leben? Nichts davon ist grundsätzlich zu verurteilen, aber lange bleiben wird davon nichts – zumindest nichts Wertvolles.

Was zählt eigentlich wirklich? Besonders wir Christen sollten über diese Frage immer wieder mal nachdenken, denn wir stehen in Versuchung, selbst geistlichen oder theologischen Inhalten zu viel Gewicht zu geben. Bitte nicht missverstehen! Geistliche und theologische Fragen gehören zu den wichtigsten Fragen im Leben. Und auf viele Fragen sollten wir nicht nur eine ungefähre Antwort haben. Aber offensichtlich gibt es auch Fragen, die so einfach und eindeutig nicht zu beantworten sind. Wenn sich aber zu viel im Leben um solche Fragen dreht oder wir es zu unserem Hobby machen, unsere Sicht der Dinge beweisen zu wollen – dann müssen wir uns auf Streit und Kälte gefasst machen.

Paulus beschrieb sehr deutlich, was für ihn zählte. Es gab ein Ziel, für das er lebte und für das er bereit war zu sterben: Jesus! Paulus schreibt:

Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. (1 Korinther 2:2)

Dabei wäre es gerade Paulus gewesen, der Gelehrte, der sich mit Theologen und Möchte-gern-Theologen seiner Zeit hätte anlegen können. Und manchmal tat er es auch. Einmal, als es um die Frage der Kopfbedeckung beim Gottesdienst ging, schrieb er den Gemeinden, was sie wissen mussten. Dann beendete er seine Ausführungen mit den Worten (1 Korinther 11:16): „Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, so soll er wissen: wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die Gemeinden Gottes.”

Dabei ging es Paulus nicht um Harmonie um jeden Preis. Es ging ihm darum, dass wenn Uneinigkeit sein musste, dann nur um den Preis einer Person willen: Jesus. In 1 Korinther 1:23+24 schreibt er: „Die Juden wollen Wunder sehen, und die Griechen suchen nach Weisheit. Wir aber verkünden den Menschen, dass Christus, der von Gott erwählte Retter, am Kreuz sterben musste. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die Griechen blanker Unsinn.“

Es ging Paulus nie um sich selbst, seine Sicht, seine Ehre, seinen Namen oder sein Recht. Das betont er zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Briefen (2 Korinther 4:5; Galater 6:14; Philipper 3.8):

Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen. (...) Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. (...) Aber was mir Gewinn war, das habe ich um des Christus willen für Schaden geachtet; ja, wahrlich, ich achte alles für Schaden gegenüber der alles übertreffenden Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne.

Im Leben und den Schriften des Paulus zeigt Gott, was zählt – wer zählt. Geh noch einmal zurück zum Anfang dieser Andacht und überschlage, wie lange du noch ungefähr zu leben hast, solltest du das Durchschnittsalter erreichen. Und dann frag dich: Wer oder was zählt eigentlich in meinem Leben?

Mittwoch, 30. September 2026

Jesus im Nebel

Nebel hat etwas Faszinierendes an sich, etwas Mystisches, Melancholisches und Geheimnisvolles. Ich erinnere mich an Nachtwanderungen in meiner Kindheit mit der Familie (im ganz frühen Morgengrauen). Da hing der Nebel tief im Wald, benetzte Boden, Blumen und Spinnengewebe. In Filmen drückt Nebel nicht selten das Einsame und Gefährliche aus.

Gefährlich ist er auch, der Nebel; zumindest, wenn er dicht genug – und man mit dem Auto unterwegs ist. Denn Nebel verdeckt die Sonne und das Licht – und damit auch Gefahren, die auf dem Weg lauern können. Ist der Nebel dicht genug, verdeckt er Hinweisschilder und Wegweisungen. Zusätzlich bremst er die Wärme der Sonnenstrahlen aus, bis er sich schließlich der Sonne geschlagen geben muss.

Das Geheimnisvolle am Nebel wird oft in Verbindung gebracht mit Unsicherheit, Verwirrung und Angst. Bestattungsinstitute haben Nebelbilder parat, die die Vergänglichkeit des Lebens illustrieren.

In der Bibel finden wir verschiedene Berichte von Menschen, deren Blick so „vernebelt“ war, dass sie nicht klar sehen konnten. In Johannes ist Maria Magdalena am Grab Jesu, spricht mit zwei Engeln, die sie scheinbar nicht als solche erkennt, und begegnet dann Jesus, der sie nicht verurteilt (Johannes 20:14):

Und als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen und wusste nicht, dass es Jesus war.

Trauer hatte ihren Blick für Jesus vernebelt. Den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus erging es kaum anders. Verständlich! Auch ihr Blick war vernebelt und sie erkannten Jesus nicht, als sie mit Ihm unterwegs waren. In Lukas 24:16 lesen wir:

Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

Jesus ist immer da, immer ansprechbar, immer bereit, uns an die Hand zu nehmen und zu leiten, immer bereit, zu trösten, zu helfen und zu versorgen.

Aber obwohl diese Bereitschaft da ist, sehen wir Ihn oft nicht klar. Als Jesus im Sturm auf dem See Genezareth zum Boot der Jünger kam, hatten sie keine Ahnung davon, was sie sahen. Sie befürchteten, ein Gespenst zu sehen.

Abwegig! So denken wir. Aber auch wir sehen trotz all der göttlichen Verheißungen oft nicht die Kraft, die Herrlichkeit, die Möglichkeiten oder die Gegenwart unseres wunderbaren Jesus.

Was vernebelt uns den Blick auf Jesus?

Bei den einen ist es, wie bei Maria und den Emmaus-Jüngern, die Trauer. Ganz natürlich sperrt uns Trauer ein in unsere eigene Welt. Es scheint kein Heilmittel zu geben. Der Nebel der Trauer stellt uns den Blick auf unseren Tröster, Jesus!

Angst ist für andere ein dichter Nebel! Erstickend! Beengend! Ohne Blick für den Ausweg, ohne Blick auf Jesus

Hoffnungslosigkeit und Depression sind eine massive Nebelwand. Es scheint nach keiner Seite Entrinnen zu geben.

Und wieder andere haben ganz andere Nebelbänke um sich: Stress, Sorgen, Unfrieden oder Schmerzen können unsere Augen halten und das Licht der Sonne verdecken.

Aber lasst uns mitten in all unseren Nebelzeiten festhalten: Hinter jedem Nebel strahlt die Sonne. Wir mögen sie nicht sehen, aber sie ist da, sie ist stark und sie wird auch wieder scheinen. Lasst uns festhalten, dass Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit, unmessbar viel stärker ist als der Nebel um uns herum, woraus immer er auch bestehen mag. Jesaja schreibt in Kapitel 44:22 über den Nebel. Gott spricht:

„Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke
und deine Sünden wie einen Nebel.
Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich!“

Wenn Gott sogar das Schlimmste auf Erden, die Sünde der Menschen, wie einen Nebel tilgen und auflösen kann, dann kann er es mit jedem anderen Nebel ebenso tun. Bring Gott heute das, was dir den Blick für Jesus vernebelt, und vertraue dich Seiner Führung an, ob du deine Welt klar siehst oder nicht!