„Ich habe wahrhaftig fröhliche Christen nur an drei Orten gefunden: In der Bibel, in der Untergrundkirche und im Gefängnis.“ (Richard Wurmbrand)

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Vom Lied in der Nacht

Redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen; sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus; (Epheser 5:19+20)

Hat er das ernst gemeint, der Paulus? Allezeit Dank sagen ... für alles? Ein Lied im Herzen tragen? Ist das eine Floskel, daher gesagt wie „Guten Morgen! Wie geht´s?“

Es ist ernst gemeint! Zum einen, weil es letztlich nicht die Worte des Paulus sind, sondern die Worte Gottes. Zum anderen unterstreicht Paulus aber auch diese Worte durch sein eigenes Handeln. Apostelgeschichte 16:25+26 berichtet:

Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, und die Gefangenen hörten ihnen zu. 26 Da entstand plötzlich ein großes Erdbeben, sodass die Grundfesten des Gefängnisses erschüttert wurden, und sogleich öffneten sich alle Türen, und die Fesseln aller wurden gelöst.

Und Gott setzt noch eins obendrauf: Der Kerkermeister und sein gesamter Haushalt kommen durch dieses Ereignis zum Glauben. Das hätten sich Paulus und Silas sicher nicht träumen lassen, als sie um Mitternacht im dunklen Gefängnis – Paulus mit zerschlagenem Rücken – Gott lobten und Ihm Lieder sangen.

Das Lied in der Nacht. Viele Lieder entstehen in der Nacht – in der Nacht der Trauer ... in der Nacht der Krankheit ... in der Nacht der Einsamkeit ... in der Nacht des Versagens ... in einer der vielen Nächte, durch die wir im Leben gehen.

Der Pastor und Autor James H. Brookes berichtet von einem Besuch bei einem Freund, wo er Vogelgesang hörte. Es war kein gewöhnliches Zwitschern, eher eine herrliche Melodie. Woher der Gesang kam, wusste Brookes nicht, aber als er umherschaute, entdeckte er einen wunderschönen Vogel in einem Käfig. Die Gastgeberin erklärte, man habe ihm nachts beigebracht, so zu singen. Der Lehrer wiederholte die Töne immer wieder, bis der Vogel sie nachahmen konnte. Doch dies war nur möglich, weil es dunkel war und die Aufmerksamkeit des Vogels nicht abgelenkt wurde.

Der Psalmist machte scheinbar eine ähnliche Erfahrung. In Psalm 42:9 heißt es:

Am Tag wird der Herr seine Gnade entbieten, und in der Nacht wird sein Lied bei mir sein, ein Gebet zu dem Gott meines Lebens.

Oft lernen wir die schönsten Lieder, wenn das Licht sich zurückzuziehen scheint und die Dunkelheit mächtig wird. Dann dürfen wir erfahren und festhalten, dass Gott auch im Dunkel bei uns ist und uns festhält. Natürlich – wenn es dunkel ist um uns herum oder sogar in uns drin, fällt es uns schwer, uns das Licht vorzustellen, oder die Tatsache, dass nach der Nacht ein Morgen folgt.

Der Prophet Jesaja hatte ernste Worte an das Volk Israel gerichtet. Worte, die die Seele eher düster machen, die das Potential haben, Angst, Rebellion, Verschlossenheit oder Hoffnungslosigkeit zu erzeugen. Dann aber ändert sich der Ton seiner Botschaft und er verheißt (Jesaja 30:29):

Ihr aber werdet singen wie in der Nacht, da man sich für ein Fest heiligt, und ihr werdet von Herzen fröhlich sein wie die, welche unter Flötenspiel hinaufziehen, um auf den Berg des Herrn zu kommen, zu dem Fels Israels.

© Konrad Gräeter/Wildlife Photographer of the Year
Lass Dir aus Gottes Wort zurufen: Die Nacht wird enden, auch, wenn es nicht so scheint. Lied und Freude werden zurückkehren, auch, wenn wir es uns nicht vorstellen können. Und vielleicht ... vielleicht setzt Gott am Schluss noch einen Bonus obendrauf, wie Er es bei Paulus und Silas in Philippi tat.

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Die Dreieinigkeit Gottes (und andere schwierige Themen)

Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten. (1 Korinther 2:2)

Ich erinnere mich an mein Bibelschulpraktikum in München (vor nahezu 50 Jahren!). Dienstags war einer der unbeliebtesten Tage. Jeden Dienstagmorgen ging es mit einem Bücherwagen auf den Campus der Uni in Schwabing. Allerdings konnten wir Praktikanten uns nicht im Bücherwagen verstecken. Wir hatten Flyer, die wir auf dem Campus verteilten – und ob wir es wollten oder nicht – es ergaben sich Gespräche. Und diese Gespräche habe ich gehasst. Ich glaube, ich ging immer in solche Gespräche mit der Einstellung: „Die sind alle  schlauer als du selbst, glauben nicht an Gott und machen dich fertig. Du wirst sicher keine von deren Fragen oder Argumenten beantworten können.“ Wie froh war ich, wenn der Einsatz vorbei war. Damals hatte ich keinen Sinn dafür, dass es nicht darauf ankommt, alles erklären zu können und Antworten auf alle Fragen zu kennen – solange ich Jesus kenne.

Der Kirchenvater Augustinus war da wesentlich entspannter. Gut, er war auch Philosoph und Theologe, was ihm sicher half, bei kniffligen Fragen nicht gleich nervös zu werden.

Einmal, war auch Augustinus völlig ratlos, als er versuchte, die Dreieinigkeit zu verstehen und zu erklären. Also machte er sich auf zu einem Spaziergang. (Das scheint bei den Philosophen immer eine Art Wunderheilmittel zu sein). Immer wieder ging ihm der Gedanke durch den Kopf: „Ein Gott, aber drei Personen. Drei Personen – nicht drei Götter, sondern ein Gott. Was bedeutet das? Wie lässt sich das erklären? Wie kann mein Verstand das begreifen?“

Augustinus quälte seinen Verstand und zerbrach sich den Kopf, als ihm plötzlich ein kleiner Junge am Strand auffiel. Er ging auf ihn zu, um zu sehen, was er tat. Das Kind hatte ein kleines Loch in den Sand gegraben. Mit seinen Händen schöpfte es Wasser aus dem Meer und schüttete es in das kleine Loch. Augustinus fragte: „Was machst du da, mein Kind?“

Das Kind antwortete: „Ich möchte das ganze Wasser des Meeres in dieses Loch füllen.“

Augustinus fragte: „Aber ist es denn möglich, dass das ganze Wasser dieses großen Meeres in diesem kleinen Loch Platz findet?“ Und da dämmerte es Augustinus: „Wenn das Wasser des Meeres nicht in dieses kleine Loch passt, wie kann dann der unendliche dreieinige Gott in meinem Verstand Platz finden?“

Tja, wenn man solche Geschichten nur parat hätte, wenn man sie braucht. Aber sie helfen und ermutigen uns, dass es nicht schlimm ist, wenn wir nicht alle Antworten haben. Nein, es ist sogar gut, dass Fragen über Gott offenbleiben. Wenn wir Gott verstehen könnten, was wäre er dann für ein Gott? Er käme den toten Götzen anderer Religionen gleich.

Gott sprengt unseren Verstand. Auch Sein Wort ist „oberste Liga“ und die Gelehrten streiten über diese oder jene Auslegungsfrage. Aber wir dürfen wissen: Am Ende passen alle Puzzleteilchen zusammen. Gott ist Gott, Seine Wahrheit ist die Wahrheit und – sollte es uns dann noch interessieren – Er wird uns in der Ewigkeit einmal alles erklären und alle scheinbaren Widersprüche aufklären, indem Er uns die Augen öffnet. Bis dahin wollen wir Sein Wort studieren, immer Lernende bleiben mit einem Geist, der sich durch Sein Wort korrigieren lässt und daran festhalten, dass Jesus genügt.

Denk an den Schächer am Kreuz! Was für Antworten hatte er? Was für ein theologisches Verständnis hatte er? Aber er verstand eins: Jesus kann und wird mich in die ewige Herrlichkeit mitnehmen. Das war genug!

Als sie aber ihre Augen erhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. (Matthäus 17:8)

Dienstag, 13. Oktober 2026

Biographie: Dietrich Bonhoeffer

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Der Name Dietrich Bonhoeffer ist fast allen Christen in Deutschland bekannt - und vielen mehr darüber hinaus. Bonhoeffer war ein lutherischer Theologe und bekennender Christ, auch im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dazu hat er viele Lieder und Gedichte geschrieben. Das bekannteste dürfte das Lied sein "Von guten Mächten wunderbar geborgen", dass heute gefühlt auf jeder zweiten Beerdigung gesungen wird; ein Lied dessen Ursprung sich nur erahnen lässt. Hier einige Worte zu Bonhoeffers Leben und Sterben.

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau (Schlesien) geboren. Er wurde nur 39 Jahre alt. Bonhoeffer war Theologe und Widerstandskämpfer im Dritten Reich und wurde wenige Wochen vor Kriegsende, am 9. April 1945 durch Erhängen im bayrischen KZ Flossenbürg ermordet. Bonhoeffer wird beschrieben als Theologe, der sich für den Menschen einsetzte, für die Arbeiterkinder in Berlin wie für die Schwarzen in Harlem / New York. Offen sprach er sich gegen Antisemitismus und Judenverfolgung aus. Schon 1932 hatte er vor dem „Führer“ als „Verführer“ gewarnt. Am 5. April, etwa 3 Monate nach seiner Verlobung,  wird Bonhoeffer festgenommen und in Berlin inhaftiert. Zwei Jahre später, nachdem sein Bruder und zwei Schwager bereits zum Tode verurteilt waren, wird auch das Todesurteil gegen Bonhoeffer durch Hitler höchstpersönlich ausgesprochen.

Nach einem kurzen Gebet im Morgengrauen am 9. April 1945 muss Bonhoeffer seine Kleider ablegen, die Stufen zum Galgen hinauf steigen und wird hingerichtet. Der Lagerarzt, H. Fischer-Hüllstrung, schreibt 10 Jahre später: "Ich habe kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen".  Sein Gefängnisfreund überbrachte dem Bischof Georg Bell später  Bonhoeffers letzte Worte: „Dies ist das Ende. Für mich der Anfang des Lebens!“

In Gefangenschaft unter einem der grausamsten Regime, die die Welt gesehen hat, entstand Anfang 1944 Bonhoeffers Lied: VON GUTEN MÄCHTEN WUNDERBAR GEBORGEN

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Text: Dietrich Bonhoeffer (1944)

Montag, 12. Oktober 2026

Erkennungsmerkmale

Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott? (Micha 6:8)

Man erkennt sie an ihren Symbolen:

  • Das Rote Kreuz am roten Kreuz
  • Die Muslime am Halbmond
  • Die Polizei an der Uniform
  • Die politischen Parteien an ihrem Logo oder Schriftzug
  • Der Sportartikelhersteller Puma hat einen Puma als Logo
  • Den König an seiner Krone
  • Die Feuerwehr an ihren roten Autos
  • Die UN Friedenstruppen an ihren blauen Helmen
  • usw. ...

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Symbolik kann wichtig sein, überlebenswichtig. So haben Fahrzeuge des Roten Kreuzes ihr Markensymbol groß auf den Dächern ihrer Fahrzeuge. Auch Fahrzeuge, die im Auftrag der UN Lebensmittel in Krisengebiete transportieren. Die Markierungen auf den Dächern sollen vor Bombardierungen schützen.

Fast alle größeren Geschäfte und Unternehmen haben ein Symbol, ein Logo oder einen Schriftzug, der sie bekannt machen soll und für ihre Artikel wirbt.

Und wir Christen? Was ist eigentlich unser Symbol, unser Erkennungsmerkmal, unser Wiedererkennungswert? Vorschlagen kann man da vieles:

  • Ist es das Kreuz?
  • Ist es die Frisur?
  • Sind es unsere prachtvollen Gebäude?
  • Ist es unsere Kleidung?
  • Ist es unsere Orthodoxie (rechte Lehre)?

Wusstest Du, dass das Kreuz erst im Jahr 431 auf dem Konzil von Ephesus als Symbol der Christenheit offiziell gemacht wurde? Oder das in vielen Ländern der Bau von prunkvollen (oder auch weniger prunkvollen) Kirchengebäuden gar nicht erlaubt ist? Auch andere Äußerlichkeiten können kaum unser Erkennungsmerkmal sein. Sie sind leicht zu imitieren. Man denke nur daran, wie viele Nichtchristen sich mit einem Kreuz um den Hals schmücken.

Nicht einmal Orthodoxie, die rechte Lehre, wird von Jesus als unser Erkennungsmerkmal erwähnt. Es würde sich auch die Frage stellen: „Wer hat die rechte Lehre? Sind es die evangelischen Christen, die katholischen, Baptisten, Methodisten, FeG-ler; sind es die Charismatiker, die Nichtcharismatiker, die Calvinisten, Armenianisten, die Pre- Post- oder Amillenialisten? Oder sind es ganz andere? In all diesen Gruppen gibt es wiedergeborene Kinder Gottes, und natürlich gibt es auch in all diesen Gruppen Mitläufer, die nie wirklich „dazugehörten“. Wenn Orthodoxie, die rechte Lehre, das Erkennungsmerkmal für Christen ist, welche Gruppe vertritt die rechte Lehre?

Jesus hat nennt ein ganz anderes Erkennungsmerkmal, ein Merkmal, das gläubige Christen aller Denominationen miteinander verbinden sollte, ja verbinden muss. Jesu sagt nicht: „An der rechten Lehre wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ Nein! Jesus sagt vielmehr in Johannes 13:35:

Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

Das mindert keineswegs die Bedeutung und Wichtigkeit der gesunden biblischen Lehre, aber es fordert Gotteskinder in allen Denominationen auf, einander zu lieben, füreinander da zu sein und dadurch der Welt zu erkennen zu geben, dass wir zu Jesus gehören.

Eine richtig gute Folge von „Geschichten von Gottes Wirken“, die auch dieses Thema anspricht, findet Ihr im Seitenfenster.

Sonntag, 11. Oktober 2026

Herzliche Einladung zum Gottesdienst!

Heute wieder mit Sonntagszitat am Schluss!


 Matthäus 24:4-14

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch niemand verführt!
5 Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen.
6 Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende.
7 Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein.
8 Alles dies aber ist der Anfang der Wehen.
9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.
10 Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen;
11 und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen;
12und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten;
13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.
14 Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen.

Einladung zum Gottesdienst
Anbetung - Gebet 
Predigt - Gemeinschaft 
Heute wieder gemeinsames Mittagessen 

Wir freuen uns auf dich!

Calvary Chapel Freier Grund
Bitzegarten 5
57290 Neunkirchen
Beginn: 10:30 Uhr

Sonntagszitat:

Nicht derjenige liebt die Wiederkunft des Herrn, 
der sagt, die liegt nich in weiter ferne; 
auch nicht der, der sagt, 
sie steht unmittelbar bevor; 
sondern derjenige, der sie mit ernstem Glauben, 
fester Hoffnung und brennender Liebe erwartet, 
ganz gleich, ob sie fern oder nah ist.
(Augustinus von HIppo)

Samstag, 10. Oktober 2026

Wunder - eine legitime Perspektive

Sollte denn dem Herrn etwas zu wunderbar sein?
(1. Mose 18:14)  

Kürzlich las ich zwei Artikel von geschätzten Theologen, die sich beide mit Bibelstellen über Wunder beschäftigten. Beide leugneten zwar die Möglichkeit von Wundern nicht, äußerten sich für meinen Geschmack aber leider zu kritisch zu der Möglichkeit und Bereitschaft Gottes, Wunder zu tun.

Wunder ziehen Menschen an, seien es Wunder Gottes, Wunder Satans oder Tricks von Künstlern. Wunder ziehen an!

Ich glaube nicht, dass Jesus Seine Wunder im Verborgenen getan hat. Ich glaube nicht, dass wir Wunder nur im Verborgenen erwarten dürfen. Wunder sind Machtbeweise Gottes, die Seine Macht und Herrlichkeit hervorstellen sollen.

Ich glaube, dass wir um Wunder bitten dürfen, dass wir um Wunder beten sollen und dass wir Wunder erwarten können.

Ich glaube, dass Jesus Wunder bewusst öffentlich getan hat, um Seine Sendung zu unterstreichen, um Seinem Vater im Himmel Ehre zu bereiten und um Menschen das Reich Gottes nicht nur zu verkündigen, sondern auch zu zeigen.

Allerdings stoßen auch mich manche Wunderversammlungen ab. Der menschliche (Schein)held bekommt die Ehre, Gott wird nur am Rande erwähnt, bestimmte Arten von Christen werden angezogen, andere abgestoßen – und mit ihnen Massen von Nichtchristen. Das kann es nicht sein!

Der bekannte Theologe und Autor, A.W. Tozer, soll an dieser Stelle und zu diesem Thema zu Wort kommen und seine, wie ich meine - legitime Erklärung - zum Thema Wunder mitteilen. Er schreibt:

„Ich war in Gemeinden, die Wunder in ihren Versammlungen ankündigten... Diese Art von Aufführungen interessiert mich nicht. Du kannst Wunder nicht machen, wie man eine chemische Reaktion auslöst. Du kannst kein Wunder bekommen, wie ein Magier auf der Bühne eine erstaunliche Vorstellung vorführt. Gott gibt sich nicht in die Hände religiöser Magiker. An diese Art von Wunder glaube ich nicht. Ich glaube an die Art von Wundern, die Gott seinem Volk gibt, das so nah bei Ihm lebt, dass Gebete für gewöhnlich erhört werden und diese Wunder nicht ungewöhnlich sind. John Wesley hat sich nicht einmal herabgewürdigt, Wunder zu predigen. Aber die Wunder, die John Wesleys Dienst folgten, waren unfassbar. Einmal hat er einen Predigttermin und sein Pferd wurde lahm, so dass er nicht weiterreiten konnte. Wesley ging auf seine Knie neben dem Pferd und betete für seine Heilung. Dann stand er auf und ritt weiter, ohne dass das Pferd lahmte. Er machte das Wunder nicht öffentlich und sagte: "Wir stellen ein großes Zelt auf und machen Werbung dafür." Gott tat diese Dinge einfach für ihn. Während C. H. Spurgeon nicht über Heilung predigte, wurden auf sein Gebet hin mehr Menschen von Krankheiten befreit als durch irgendeinen Arzt in London. Dies sind die Wunder, über die ich spreche.“*

Wir wollen Gott nicht einschränken, wie, wo und wann Er Wunder tun darf. Wir wollen uns nicht scheuen, Seine Wunder in aller Öffentlichkeit zu empfangen – und Ihm allein die Ehre geben. Wir wollen uns auch nicht sträuben, im stillen Gebetskämmerchen Seine mächtigen Taten zu erfahren, wie Tozer über John Wesley und Spurgeon berichtet. Vielleicht ist es der Stolz Seiner Kinder, der Gott davon abhält, Seine Wunder-wirkende Kraft mehr vor aller Welt zu demonstrieren. Was wir aber auf keinen Fall wollen: uns vor Wundern fürchten, sie wegdiskutieren, ausschließen, kleinreden oder minimieren. Nein, wir wollen sie erwarten, sei es im privaten, im gemeindlichen oder im öffentlichen Bereich. Wir dürfen sogar darum bitten. Und dann wollen wir Jesus, Ihm allein, die Ehre geben!
 
Strecke deine Hand aus zur Heilung 
und lass Zeichen und Wunder geschehen 
durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. 
 (Apostelgeschichte 4:30) 

* A. W. Tozer, Dare We Expect Miracles Today

Freitag, 9. Oktober 2026

... wie Jesus ...

O ja, Jesus hatte viele Nachfolger! Sicher ist er zeitweise mit einer großen Schar Menschen herumgezogen, die ihm folgten. In Lukas 10 wird uns berichtet, dass er 70 Jünger aussandte, immer zu zweit. Oft werden die, die Ihm nachfolgten als, „Volksmenge“ bezeichnet. Doch, es waren mitunter viele. Aber Jesus wollte keine Nachfolger, die Ihn mit „Herr, Herr,“ ansprachen, aber nicht taten, was ihr Herr tat. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Als ich diese Woche von der Auferweckung der Tochter des Jairus las, fiel mir Matthäus 9:24 auf. Der Vers fällt mir jedes Mal beim Lesen des Berichts auf. Da liegt ein totes Mädchen aufgebahrt im Haus. Eine ganze Trauergemeinde hat sich bereits eingefunden, einschließlich der professionellen „Trauerweiber“, die bezahlt wurden, um die Tote zu beklagen. Da ist also massives Weinen und Geheule als Jesus ankommt, und es heißt:

Jesus spricht zu ihnen: „Entfernt euch! Denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie lachten ihn aus.“

Aus Heulen und Klagen wird Gelächter! Wir kennen den Ausgang des Berichts. Das Lachen sollte ihnen im Hals stecken bleiben, denn Jesus holte das Mädchen zurück ins Leben. Aber so begegnete man Jesus.

  • Hier in Matthäus 9:24 lacht man ihn aus.
  • In Lukas 16:14 wird Er verspottet.
  • In Johannes 8:48 wird Er verleumdet, indem man Ihm vorwirft, besessen zu sein.
  • In Markus 6:3 wird Er kleingemacht.
  • In Lukas 4:30 will man Ihn umbringen.
  • In Markus 12:14 will man Ihn durch Fangfragen zu Fall bringen.
  • In Johannes 7:12 wird Er beschuldigt, die Menschen zu verführen.

Es war kein einfaches Leben, das Jesus auf der Erde führte. Obwohl die vielen Zeichen und Wunder bezeugten, dass Er der vom Vater gesandte Messias war, verlachte und verspottete man Ihn voller Feindseligkeit.

Nichts Neues unter der Sonne! Die Zeiten mögen sich geändert haben, die Menschen nicht. In Johannes 15:20+21 erinnert Jesus Seine Jünger:

Gedenkt an das Wort, das ich zu euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; haben sie auf mein Wort argwöhnisch achtgehabt, so werden sie auch auf das eure argwöhnisch achthaben. 21 Aber das alles werden sie euch antun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

Wir müssen uns immer daran erinnern, dass es uns im normalen Christenleben nicht anders ergehen wird als Jesus. In seinem ersten Brief schreibt der Apostel (1. Johannes 2:6):

Wer von sich sagt, dass er zu ihm gehört, der soll auch so leben, wie Jesus gelebt hat.

Wie Jesus! Wie Jesus leben; wie Jesus reden; wie Jesus reagieren; alles „wie Jesus“. Das wird uns nicht immer in dem Maß gelingen, wie wir es uns wünschen, aber das soll unser Ziel sein – sein wie Jesus; und gleichzeitig das Los annehmen, das damit einhergeht.

Sicher gibt es keine größere Freude und keine größere Ehre als Gotteskind als die, zu handeln wie Jesus und in allem mit Ihm eins und verbunden zu sein.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Toleranz

Toleranz wird definiert als: „etwas anerkennen und respektieren, ohne es zu teilen und etwas zu ertragen oder zu erdulden, das man nicht besonders mag.“ Das kann sich auch auf Personen beziehen, die einem ‚nicht liegen’, denen man aber dennoch zuhört, die man respektiert und akzeptiert, ohne seine eigene Stellung aufzugeben oder zu verschweigen. Überzeugungen und Lebensweise Andersdenkender muss man nicht unterstützen oder bejahen. In 1 Korinther 13:7 heißt es: „Die Liebe erträgt alles“. Toleranz ist im Grunde eine lobenswerte Einstellung. Echte Jünger Jesu sind tolerante Menschen, denen es am Herzen liegt, im Sinne von Römer 12:18 mit jedem Frieden zu halten, sofern es an ihnen liegt. Gleichzeitig dürfen Nachfolger Jesu erwarten, dass ihnen die gleiche Toleranz entgegengebracht wird, die von ihnen eingefordert wird.

Dann aber wird von der „neuen Toleranz“ gesprochen, die nun auch nicht mehr ganz so neu ist. Die „neue Toleranz“ definiert sich anders. Sie behauptet, dass es verschiedene Wahrheiten gibt, weil Wahrheit relativ ist. Was für den Einen wahr ist, muss nicht wahr für den Anderen sein. Es kommt auf das Umfeld und die Gemeinschaft an, in der jemand lebt. Eine relative Wahrheit schließt eine absolute Wahrheit aus. Damit ist die Bibel hinfällig. Damit ist Jesus hinfällig, von dem es heißt, dass er die (nicht eine) Wahrheit ist. Die neue Toleranz der relativen Wahrheit ist eine direkte Konfrontation all dem, was unseren Glauben als Christen ausmacht.

Als Christen stehen wir vor der Frage, auf welche Seite wir uns stellen. Wir haben die Alternative zwischen einer Toleranz, die – wie Gott – nicht mit einem Rundumschlag alles zerschmettert und lieblos verdammt, sondern Gottes Wahrheit aufzeigt und bekennt. Eine Toleranz, die sich auf die biblische Wahrheit stellt, sie kompromisslos verkündigt, zu ihr einlädt und vor dem Ablehnen warnt. Und dies nach dem Vorbild und in der Liebe Jesu.

Die Alternative ist die neue Toleranz, die alle Aussagen als relative Wahrheiten neben Jesus stehen läßt und die sich weigert, Jesus als DIE absolute Wahrheit zu verkündigen um eines falschen Friedens willen.

Leider hat die neue Toleranz sich eingefunden in vielen christlichen Kreisen und Gruppen. Viele Gemeinden haben ihr Profil verloren, nachdem sie sich der neuen Toleranz geöffnet haben. Sünde ist nicht mehr Sünde, Heil ist nicht mehr Heil, Erlösung nicht mehr Erlösung.
Geistliches Sterben hat in der Regel eingesetzt und nicht selten bereits zum Tod geführt.

Die Worte des bekannten Pastors A.W. Tozer (1897-1963) gehen in eine leicht andere Richtung, unterstreichen aber dennoch die Warnung vor der „neuen Toleranz“, die alles relativiert und schließlich zu geistlicher Schwäche und Tod führt.

„Die derzeitige Mode ist, dass wir alles tolerieren, damit wir nicht in den Ruf kommen, intolerant zu sein. Seelische Heilige können es nicht ertragen, dass Samuel Agag in Stücke hieb (1Sam 15,33), und so entscheiden sie sich lieber dafür, auf Jahre die Gesundheit der Gemeinde zu opfern, indem sie den Irrtum und das Böse zulassen; und dies tun sie im Namen christlicher Liebe...“  ... „Wir sollten keine Angst davor haben, etwas unter die Lupe zu nehmen. Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, dass dies im Geist Christi getan wird. Es ist schwierig, Fehler zu finden, ohne jemand zu werden, der nur noch das Haar in der Suppe sucht; es ist schwierig zu kritisieren, ohne kritiksüchtig zu werden. Aber wir müssen prüfen, wenn wir das Werk des Herrn in diesen bösen Tagen rein halten wollen.“ 
 
(A. W. Tozer, The Price of Neglect, 1991, S.66)