Ich liebe christliche Romane, die in der Antike oder im Mittelalter spielen. Zu meinen Lieblingsautoren diesbezüglich gehören Mel Starr oder auch Francine Rivers. Jetzt ist ein neuer Autor hinzugekommen. Das Buch „Schimmer der Wahrheit“ von Jack Cavanaugh spielt im 14. Jahrhundert, zur Zeit von John Wycliff, dem Übersetzer der Bibel in die englische Sprache.
John Wycliff wurde im Jahr 1330 in Hipswell / England geboren. Mit 23 Jahren begann er, Theologie zu studieren und brachte es bis zum Doktor der Theologie. Allerdings verwarf er sich in grundlegenden Lehren mit der katholischen Kirche. Dazu gehörten seine Forderung zur Armut der Kirche, seine antipäpstliche Haltung, sein Verständnis des Abendmahls, und seine Stellung zur Bibel als einzige Autorität.Wycliff genoss großes Ansehen im Volk und hatte starke
politische Unterstützer, was ihm auch in verschiedenen Prozessen gegen den
Papst zugute kam. Nicht in allen theologischen Fragen würden evangelikale
Christen Wycliff heute folgen, aber viele evangelikale Themen vertrat Wycliff
bereits vor 700 Jahren. Er lehnte Heiligenverehrung, Bilder- und Reliquienverehrung
ebenso ab wie die Transsubstantiationslehre (katholische
Abendmahlslehre) oder das Zölibat.
Am bekanntesten dürfte John Wycliff für seine Arbeit mit der Bibel sein. Dazu
sammelte er verschiedene englische Übersetzungen zur Überarbeitung. Seine
Übersetzung war die erste Übersetzung der lateinischen Vulgata ins Englische. Das
allerdings war ein giftiger Dorn im Auge der Kirche, die den Inhalt der Bibel
dem Volk vorenthalten wollte, um ihre eigene Position zu stärken. Darum wurde
Wycliff während seines Lebens verfolgt, nach seinem Tod verworfen und auch
seine Anhänger wurden verfolgt.
Noch während seines Lebens wurden er, seine Lehren und seine Schriften von Papst und Synoden verurteilt. Er verlor seine Ämter in der Kirche und seine Dozententätigkeit an der Universität. Die große Unterstützung im Volk bewahrte ihn vor schlimmerem Leid, vielleicht sogar vor dem Märtyrertod. Am 28. Dezember 1384 erlitt Wycliff während der Messe in seiner Kirche in Lutterworth einen Schlaganfall, und starb wenige Tage später, am 31. Dezember 1384, an dessen Folgen.
Nach seinem Tod wurde er am 4. Mai 1415 als Ketzer verdammt. Seine Knochen wurden exhumiert und 1428 unter der Aufsicht von Bischof Richard Fleming von Lincoln verbrannt. Die Asche wurde in einen Fluss gestreut. Die Verfolgung seiner Anhänger, die die englische Bibelübersetzung im ganzen Land verbreiteten, wurde befohlen. Viele verloren ihr Leben, sowohl durch kirchliche, wie auch durch politische Obrigkeiten.
Aber der Siegeslauf des Wortes Gottes unter dem Volk war nicht mehr zu stoppen. Zu Recht wird Wycliff als ein Vorläufer der Reformation bezeichnet, denn er verstand die Bibel als alleinige Autorität, übersetzte sie in die Sprache des Volkes und setzte sich für die Verbreitung ein.
Heute sind es die "Wycliff Bibelübersetzer", eine Organisation, die sich für die Übersetzung und Verbreitung der Bibel unter Völkern einsetzt, deren Sprachen noch keine Schrift hat.
Wycliff – und unzähliche Menschen nach ihm haben die göttliche Kraft und Auswirkung der Bibel erkannt und können mit dem Psalmisten ausrufen (Psalm 119:162):
Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet.







