Scheinbar hat die Menschheit ein unstillbares Verlangen, den Glauben an Gott mit etwas Sichtbarem zu füllen. Im Buddhismus sind das all die Buddhafiguren und verschiedentlich auch Schutzfiguren wie Drachen, Löwen oder Dämonen.
Hindutempel beinhalten Statuen und Bilder von Gottheiten, heiligen Personen, heiligen Tieren wie der Stier, Schlangen oder Elefanten.
Der Islam hat keine Abbildungen von einer Gottheit, aber dem schwarzen Stein in der Kaaba werden von einigen magische Kräfte nachgesagt.
Im Animismus gibt es alle möglichen Götzen aus Holz, Metall oder anderen Materialien, die angebetet werden.
Und selbst im Katholizismus spielt das Kruzifix (das Kreuz mit Jesus) eine wichtige Rolle – ebenso Heiligenbilder und Statuen.
Menschen sehnen sich nach einem Bild von Gott. Mose hatte das Verlangen, Gott zu sehen. Mose war natürlich ein besonderer Fall ... ein besonderer Mann. Gott sagt ihm (2 Mo 33:20+22-23):
Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht! ... Siehe, es ist ein Ort bei mir, da sollst du auf dem Felsen stehen. ... Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, so stelle ich dich in die Felsenkluft und will dich mit meiner Hand so lange bedecken, bis ich vorübergegangen bin. Wenn ich dann meine Hand zurückziehe, so darfst du hinter mir hersehen; aber mein Angesicht soll nicht gesehen werden!
Jesus ist der Einzige, der das Angesicht Gottes in aller Fülle kennt. In Johannes 10:30 sagt Er: „Ich und der Vater sind eins.“ und nur wenig später erklärt er Seinen Jüngern (Johannes 12:45): „Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“
„Gottes Angesicht zu sehen“ – was bedeutet das für uns heute und wie wird unser Verlangen danach gestillt, uns Gott zu nahen?
Zum einen ist es wichtig unseren Wunsch, „vor Gottes Angesicht“ zu kommen, richtig zu verstehen. Wenn wir die Formulierung benutzen, dass wir „vor Gott kommen“ oder „vor Gottes Angesicht“ dann drücken wir das Verlangen aus, Gottes Eigenschaften und Nähe, Seinem Wesen und Seiner Zuwendung zu begegnen. Und das geschieht auf vielfache Weise.
Psalm 27:8 belehrt uns: Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Sowohl das Wort Gottes, wie auch unsere Suche danach ist ein Weg, vor Gott zu erscheinen. Die Suche, das Verlangen, Hungern nach Gott drückt sich oft durch Gebet aus, wie auch der Psalmist in Psalm 105:4 zum Ausdruck bringt: Fraget nach dem Herrn und nach seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit!
Zahllose Christen haben diese Erfahrung gemacht. Sie haben die Gegenwart Gottes erfahren, haben Zeit vor Seinem Angesicht verbracht, wenn sie sich vertieft haben in die Kommunikation mit Ihm, durch das hören / Lesen Seines Wortes und das Reden, den Austausch mit Ihm.
Vor das Angesicht Gottes zu kommen erfährt man auch in der Gemeinschaft. In Psalm 95:2 ruft der Psalmist den Gläubigen zu: „Lasst uns vor sein Angesicht treten mit Dank! Lasst uns mit Psalmen ihm zujauchzen!“
Auch das ist ein Weg, „Ihn, Jesus, zu schauen“. Und – mysteriöser Weise, aber keinesfalls zuletzt – geschieht das „Sehen von Gottes Angesicht“. Hiob bezeugt das durch die bekannten Verse in Hiob 42:5: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“
Ja, es ist möglich, mit unseren geistlichen Augen, mit unserem Herzen Gott zusehen. Es ist vielleicht mehr ein sinnbildliches „Sehen“, aber es verändert unser Leben.
Ich wünsche uns allen „Gott – Sichtungen“ an jedem Tag!
