„Ich habe wahrhaftig fröhliche Christen nur an drei Orten gefunden: In der Bibel, in der Untergrundkirche und im Gefängnis.“ (Richard Wurmbrand)

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Vom Bambus, Johannes und Dir

25 Es erhob sich nun eine Streitfrage zwischen den Jüngern des Johannes und einigen Juden wegen der Reinigung. 26 Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der, welcher bei dir war jenseits des Jordan, für den du Zeugnis abgelegt hast, siehe, der tauft, u. jedermann kommt zu ihm! 27 Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann sich nichts nehmen, es sei denn, es ist ihm vom Himmel gegeben. 28 Ihr selbst bezeugt mir, dass ich gesagt habe: Nicht ich bin der Christus, sondern ich bin vor ihm her gesandt. 29 Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hocherfreut über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt. 30 Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen! (Johannes 3:25-30:)

Im Herzen eines alten Königreichs fand sich ein herrlicher Garten. Oft ging der Besitzer in der Kühle des Tages spazieren. Von allen Pflanzen war der Bambus die schönste und beliebteste. Jahr für Jahr wuchs er edler und höher und war sich der Liebe und Freude seines Meisters bewusst. Dabei blieb er immer bescheiden und sanftmütig.

Oft, wenn der Wind in den Garten kam, tanzte und spielte der Bambus, warf sich hin und her, sprang und verbeugte sich in froher Hingabe und fĂĽhrte den groĂźen Tanz der Pflanzen im Garten an. Das erfreute das Herz des Meisters. Eines Tages näherte sich der Meister, und betrachtete seinen Bambus mit erwartungsvollen Augen. In ernsthafter Anbetung neigte der Bambus seinen groĂźen Kopf zur Erde, um den Meister zu begrĂĽĂźen. Der sprach: „Bambus, ich möchte dich gebrauchen.“

Erfreut streckte der Bambus seinen Kopf zum Himmel. Der Tag der Tage war gekommen, der Tag, fĂĽr den er geschaffen war, der Tag, auf den er Stunde um Stunde hingewachsen war, der Tag, an dem er seine Vollendung und sein Schicksal finden wĂĽrde. Seine Stimme war leise: „Meister, ich bin bereit. Benutze mich, wie du willst.“

„Bambus“, die Stimme des Meisters war ernst. „Ich mĂĽsste dich nehmen und dich fällen.“ Zittern und groĂźes Entsetzen schĂĽttelte den Bambus.  „Mich … fällen? Mich …, den du, Meister, zur schönsten Pflanze in deinem Garten gemacht hast. Du willst mich fällen? Ach, das nicht. Nicht das! Benutze mich zur Freude, benutze mich zur Ehre, oh Meister, aber fälle mich nicht.“

„Geliebter Bambus“, die Stimme des Meisters wurde noch ernster. „Wenn ich dich nicht fälle, kann ich dich nicht gebrauchen.“ Im Garten wurde es still. Der Wind hielt den Atem an. Der Bambus neigte langsam sein herrliches Haupt. Es war ein FlĂĽstern zu hören: „Meister, wenn du mich nicht anders benutzen kannst, als mich zu fällen … dann tue, was du willst, und fälle mich.“

„Geliebter Bambus, ich wĂĽrde auch deine Blätter und Zweige abschneiden.“ „Meister, verschone mich. Hau mich ab! Lege meine Schönheit in den Staub; aber musst du mir auch meine Blätter und Zweige nehmen?“ – „Bambus, wenn ich sie nicht abschneide, kann ich dich nicht gebrauchen.“

Die Sonne verbarg ihr Gesicht. Der Bambus zitterte in schrecklicher Erwartung und flĂĽsterte leise: „Meister, schneide ab.“

„Geliebter Bambus, ich wĂĽrde dich … auch noch … in zwei Teile spalten und dir das Herz herausschneiden, denn wenn ich nicht schneide, kann ich dich nicht gebrauchen.“ Da neigte sich der Bambus bis zum Boden: „Meister, dann schneide und spalte.“

So tat es der Meister des Gartens. Er nahm den Bambus … schnitt ihn ab … hackte seine Zweige ab … streifte seine Blätter ab … spaltete ihn in zwei Teile … und schnitt ihm das Herz heraus.

Dann hob er ihn sanft auf und trug ihn dorthin, wo es mitten in seinen trockenen Feldern eine Quelle mit frischem, sprudelndem Wasser gab. Der Meister steckte ein Ende des zerbrochenen Bambus in die Quelle und das andere in den Wasserkanal auf dem Feld und legte seinen geliebten Bambus sanft nieder.

Und die Quelle sang ein Willkommenslied und das klare, glitzernde Wasser floss freudig den Kanal des zerrissenen Bambuskörpers hinunter in die wartenden Felder. Dort wurde Reis gepflanzt. Die Tage vergingen, die Triebe wuchsen und die Ernte kam.

An diesem Tag war der Bambus, der einst so herrlich in seiner Schönheit stand, noch herrlicher in seiner Zerbrochenheit und Demut. In seiner früheren Schönheit war er voller Leben gewesen, aber in seiner Zerbrochenheit wurde er zu einem Kanal des Lebens in der Welt seines Meisters.

Der Bambus musste zerbrochen werden, um das Ziel des Meisters zu erfĂĽllen und zu einem Kanal des Lebens zu werden in der Welt seines Meisters.

 Johannes der Täufer musste „zerbrochen“ werden, musste abnehmen, um das Ziel des Meisters zu erfĂĽllen; und er nahm ab, wurde klein – und Jesus wurde durch seinen Dienst groĂź und geehrt.

 Wir, Du und ich, mĂĽssen „zerbrochen“ werden – mĂĽssen aufgeben, abnehmen – damit Jesus in unserem Leben zunehmen kann, und zu Seinem Ziel mit uns kommt und geehrt wird.

Dienstag, 22. Oktober 2024

Die Könige Judas – Josia

Josia, der nächste Erweckungskönig Judas, tritt voll in die FuĂźstapfen seines UrgroĂźvaters Hiskia. Man möchte fast sagen: „Gott sei Dank!“ Man möchte aufatmen, denn 57 Jahre sind mittlerweile vergangen und es waren mit die schlimmsten, sĂĽndigsten Jahre, die Juda erfahren hatte. Sie hatten es mitunter schlimmer getrieben als die Heiden, von denen sie gelernt hatten. Sie hatten sich Götzen zum Gott gemacht und hurten ihnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie opferten ihre Kinder auf grausamste Weise und kannten den Allmächtigen, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nur noch aus Geschichten und aus den warnenden Worten ihrer Propheten. Auch Josias Vater hatte es nicht anders getrieben. Aber er musste auch bereits nach zwei Jahren seinen Thron wieder räumen. Irgendetwas hatte Josia begriffen. Waren es vielleicht Gebete seines UrgroĂźvaters, Hiskia, die Gott erhörte und Josias Herz erweckte und zu sich zog? Die Kraft der Gebete von Eltern, GroĂźeltern und anderen Vorfahren sollten nie unterschätzt werden. Ăśber Josia lesen wir (2 Könige 22:2):

Und er tat, was recht war in den Augen des Herrn, und wandelte in allen Wegen seines Vaters David, und wich nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken.

Das ist schon was Besonderes, mit dem König Israels, David, verglichen zu werden. Wie König David hing Josia am Herrn. Als er mit 8 Jahren den Thron bestieg, war er noch ein Kind. Aber früh ließ er den zum Götzendienst verfallenen Tempel Gottes erneuern, schmiss die Götzen raus und richtete den Gottesdienst wieder ein. Während der Renovierungsarbeiten wurde das Gesetzt Gottes gefunden. Ein fantastischer Bericht in 2 König 22. Der König hört das Wort Gottes, tut erschrickt, tut Buße und fragt, was zu tun ist. Die Antwort Gottes ist, dass das Unheil über Juda kommen wird, aber nicht zur Zeit des Königs, der sein Herz vor Gott gebeugt hat. Gewaltige Gnade Gottes!

Außerdem lässt Josia das Passahfest wieder feiern. Eigentlich hätte es jedes Jahr gefeiert werden sollen. Das aber war !!! jahrhundertelang !!! nicht geschehen. Josia führt es wieder ein. Das waren echt erweckliche Reformen, die der König anordnete. Was für eine gesegnete Zeit unter einem König, der den Herrn suchte und Ihm zu gefallen suchte. 31 Jahre lang wurde das Volk gesegnet, weil der König Gott die Ehre gab.

Josia ist ein Beispiel fĂĽr die ErfĂĽllung der VerheiĂźung in 2 Chronik 16:9:

Denn die Augen des Herrn durchstreifen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.

Diese Verheißung Gottes besteht bis heute, und sie ist nicht nur Königen gegeben.

  • Was kann Gott aus Vätern und MĂĽttern machen, deren Herz ungeteilt auf Ihn gerichtet ist?!
  • Was kann Gott aus Gemeinden machen, deren Herz ungeteilt auf Ihn gerichtet ist?!
  • Was kann Gott aus Arbeitskollegen machen, deren Herz ungeteilt auf Ihn gerichtet ist?!
  • Was kann Gott aus Männern und Frauen machen, deren Herz ungeteilt auf Ihn gerichtet ist?!

Es gibt kein Leben ohne Anfechtungen. Auch kein Leben ohne Niederlagen, Kämpfe, Zweifel oder fragen. Aber das Leben Josias zeigt uns, dass Gott sich mächtig erweist an solchen, die Ihm – trotz ihrer Fehlerhaftigkeit – von Herzen folgen.

Montag, 21. Oktober 2024

19:30 Uhr @ CCFG

 

Wirklich?

... und wir singen alle fleiĂźig mit:

Nimm‘ meinen ganzen Stolz, all meinen Besitz,
Bis ich nur noch Deine Gegenwart suche und möchte![1]

FĂĽhr mich tiefer als ich selber jemals geh'n kann
Dass ich fest im Glauben stehe in der Gegenwart des Retters[2]

Egal, was du mir gibst, egal, was du mir nimmst,
du bist und bleibst mein Gott, nur dir gehört mein Lob.[3]

Und so weiter! Es sind auch nicht nur die aktuelleren Lobpreislieder. Auch die Texter und Komponisten vergangener Jahrhunderte haben ihre Bereitschaft zur völligen Hingabe oft in erstaunlichen Superlativen zum Ausdruck gebracht. Aber stimmt es, was wir singen? Meinen wir, was wir singen. Sind wir bereit, dieselben Lieder nicht nur mit verklärten Angesicht zu singen, sondern auch, wenn uns die Tränen übers Gesicht laufen und Schmerz und Entbehrung unser Leben kennzeichnen?

Diese Fragen kamen mir in den Sinn, nachdem ich heute Morgen im Buch des Propheten Hesekiel unterwegs war. Zahlreiche andere, ähnliche Beispiele kamen mir in den Sinn:

  • Hesekiel wurde angekĂĽndigt, dass der Tod seiner Frau und Hesekiels anschlieĂźende Trauer eine Gegenstandslektion fĂĽr das Volk Israel sein sollte. Hesekiel musste seine Frau hergeben.
  • Abraham sollte seinen Sohn opfern (schlachten, wie ein Tier), um zu bezeugen, dass Gott seine Nummer Eins ist, dass sein Gehorsam, seine Liebe und sein Glaube durch nichts erschĂĽttert werden kann. Gott stoppte die Opferung in letzter Sekunde. Aber Abraham war bereit, zu vertrauen.
  • Hosea musste eine Prostituierte heiraten, um seine Gott-gegebene Botschaft an Gottes Volk zu illustrieren. Und er musste die Untreue seiner Frau immer wieder vergeben.
  • Noah musste ein 120-jähriges Bauprojekt durchfĂĽhren, das seinen Mitmenschen so verrĂĽckt vorkam, dass sich niemand bekehrte, obwohl Noah ihnen jahrzehntelang predigte.
  • Jeremia versank im Schlamm einer Zisterne, weil er nicht bereit war, Gottes Botschaft zu verschweigen und sich dem Trend und Reden der Zeit anzupassen. Er wäre gestorben, hätte der König ihn nicht befreien lassen. Jeremia hatte ein Leben ohne Erfolge, gekennzeichnet von Todesgefahren, Tränen und Leid.
  • Paulus war nicht bereit, die Botschaft Gottes anzupassen. Er verzichtete auf finanzielle Sicherheiten, auf ein geordnetes Leben und vieles mehr. Er war oft in Todesgefahren, wurde verleumdet und gefoltert.

Wenn wir solche – und viele weitere, ähnliche Beispiele im Wort Gottes lesen, dann sollten wir uns fragen: Meine ich, was ich singe? Meine ich, was ich bete? Meine ich, was ich bekenne?

Möge der Herr uns allen die Kraft und die Freude schenken, die oben zitierten Lieder – und andere – von Herzen zu singen. Wir sollten freimĂĽtig bekennen, dass es leicht ist, diese melodisch schönen Lieder mit Enthusiasmus zu singen, und dass es leicht ist, eine herausfordernde Predigt mit dem Kopf abzunicken und im Herzen „Ja“ zu sagen. Und dann sollten wir darum beten und ringen, dass der Herr uns ein Herz schenkt wie das der oben erwähnten Bibelcharaktere; damit wir bereit sind – wenn’s hart auf hart kommt – unseren Worten und Liedern Taten folgen zu lassen.


[1] Liedtitel: „Presence, Power, Glory“  Youtube HIER
[2] Liedtitel: „Oceans“ Youtube HIER
[3] Liedtitel: „Dir gehört mein Lob“ Youtube HIER