In vielen Bibelbüchern
gibt es seltsam erscheinende Verse. Ein solcher Vers fiel mir heute in meiner
Stillen Zeit auf als ich in 1 Chronik 9 unterwegs war. Es geht um Priester und
Leviten, die im Tempel des Herrn ihren Dienst taten. IM TEMPEL DES HERRN! O
bwohl es die „Wohnstätte
Gottes“ war, obwohl es als „heiliger Ort“ galt und obwohl es der Ort war, an
dem Gott Tag für Tag angebetet wurde und an dem Er zu finden war, heißt es trotzdem
in 1 Chronik 9:26+27:Denn die vier Vorsteher
der Türhüter hatten eine Vertrauensstellung; sie waren Leviten; sie waren auch
über die Kammern und über die Schätze des Hauses Gottes gesetzt. 27 Und sie übernachteten in der Umgebung
des Hauses Gottes; denn ihnen war die Wache aufgetragen, und sie hatten jeden
Morgen aufzuschließen.
Natürlich weiß jeder
Bibelleser, dass es im Tempel Gottes Schätze gab. Unermesslich wertvolle Schätze.
Erstaunlich aber erscheint, dass die weggeschlossen werden mussten und dass es
Wachmänner brauchte, um sie zu schützen. Konnte oder wollte Gott Seine heilige
Wohnstätte nicht selbst beschützen? Warum tat Er es zu anderen Zeiten? Warum war
es Ihm so wichtig, dass nichts Unreines in Seinen Tempel kam?
Warum fiel der Götze der
Philister ohne Menschenhand vor der Bundeslade auf sein Angesicht (1. Samuel 5)
aber in Jerusalem sollten Menschenhände den Tempel bewachen?
Warum beschützte Gott
Seine irdische „Wohnstätte“ in vielen Kriegen, aber gegen die Babylonier gab Er
sie auf?
Warum lässt Er den Tempel
einerseits durch Leviten bewachen, andererseits aber reagiert Er nicht oder
kaum, wenn (selbst gottesfürchtige) Könige das Gold des Tempels als
Friedenstribut an fremde Könige zahlen?
Und die Antwort ist …
dass es keine „Ein-Satz-Antwort“ gibt. Natürlich spielt hier die gewaltige
Gnade Gottes mit hinein! Und Seine Treue! Und natürlich Seine Liebe zu Seinem
Volk und die Hingabe Davids an seinen Herrn.
Aber es wird in Gottes
Wort auch immer wieder deutlich, dass Gott keine Schablonen benutzt. Nicht in
den Bekehrungsgeschichten der Menschen, nicht in Seinem Umgang mit Israel oder
den Nationen, nicht in Seiner Art und Weise wie Er handelt, sich offenbart oder
Gebete erhört.
Das dürfen wir nicht
missverstehen. IMMER handelt Er in Liebe und Gerechtigkeit. Aber nicht immer in
einer vorhersehbaren Art und Weise. Er hatte sich in Jerusalem einen Wohnort
erwählt – aber Er hatte Priestern und Leviten Verantwortung übertragen. Hier
auf der Erde wird Gott keine himmlischen Zustände schaffen. Dankbarerweise offenbart
Er uns manchmal ein erträgliches Stück Himmel oder lässt himmlisches Glück und
himmlische Macht erfahrbar werden; aber nie als Dauerzustand oder als
vorhersehbares Geschehen.
Manchmal lässt Er die heilige
Bundeslade in die Hände der Feinde fallen (was wir dann kaum begreifen
können!), nur um dann dem Feind zu zeigen, wer der Mächtigere ist.
Natürlich hätte Gott
einen unsichtbaren Schutzschild um den Tempel vorbereiten können. Aber Gott handelt nicht immer gleich. Er benutzt keine Schablonen. Es
gefällt Ihm, Wächter einzusetzen, Menschen, wie Dich und mich, um ihnen Verantwortung zu übertragen und sie auf
diese Weise mit hineinzunehmen in Sein Werk.
So handelt Gott bis
heute! Natürlich wirkt Er bis heute auch durch Wunder! Natürlich erhört Er
Gebete und öffnet verschlossene Türen, die kein Mensch öffnen kann.
Aber Er benutzt keine toten Schablonen, sondern auch
lebendige Menschen, Seine Kinder, um Sein Reich zu bauen und Sein Werk zu tun. Bist Du heute
dabei?