„Ich habe wahrhaftig fröhliche Christen nur an drei Orten gefunden: In der Bibel, in der Untergrundkirche und im Gefängnis.“ (Richard Wurmbrand)

Dienstag, 8. November 2016

Matthäus 18:20

Kennt Ihr das? Man hört einen Vers und denkt, man weiß alles, was es darüber zu sagen gibt. Man kennt ihn auswendig, hat ihn oft zitiert, oft gebetet und kann ihn selbst mitten in der Nacht sofort abrufen.

Solch ein Vers wurde in der Morgenandacht unserer Männerfreizeit zitiert. Es ging um den Vers in Matthäus 18:20, wo es heißt:

„Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich in ihrer Mitte.“

Wer kennt ihn nicht, diesen Vers – und wer hat ihn nicht schon in einer Gebetsgemeinschaft erwähnt. Aber dann kam der Gedanke in der Morgenandacht:

Gott ist da, wo zwei oder drei seiner Kinder in Seinem Namen zusammen sind. Wir brauchen Ihn nicht herbeizubeten.

Als ich das hörte, machte es klick. Ich wurde irgendwie korrigiert. Der Vers steht natürlich im Zusammenhang mit Gebet. Der Vers vorher (Vers 19) lautet:

„Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen
über irgend eine Sache, für die sie bitten wollen,
so soll sie ihnen zuteil werden von meinem Vater im Himmel.“

Gott will erhören, wenn zwei oder drei zusammen sind und sich im Gebet um ein bestimmtes Anliegen vereinen. Alles klar. Aber Gott brauchen wir nicht herbeizubeten. Wir brauchen uns nicht erst „warm zu beten“, bis Gott uns hört. Wir brauchen nicht erst an unseren Worten zu feilen oder unsere Emotionen hochzubeten. Gott ist bereits da. Er ist in unserer Mitte. Er war schon da, bevor wir zu zweit oder dritt oder mehr zusammen kamen. Er hat uns bereits erwartet, da wo wir uns treffen. Und Er schaut nicht vom Rand her zu, und wartet darauf, dass wir Ihm Raum geben. Er ist mittendrin, voll am Schalthebel der Kommandozentrale, ganz nahe.

Eigentlich keine revolutionäre, neue Einsicht. Für mich aber eine Denkkorrektur. Wir brauchen Jesus nicht herbeizubeten. Er ist bereits mittendrin, wenn auch nur zwei sich treffen in Seinem Namen.

Das macht mir Mut zum Gebet. Viele Verheißungen machen uns Mut zum Gebet. Aber diese gibt einen besonderen Bonus für das Gebet in Gemeinschaft, in der zwei oder mehrere sich treffen. Wie oft haben Menschen die Gegenwart Jesu spürbar erfahren, wenn sie zusammengekommen sind, um sich im Gebet für bestimmte Anliegen zu vereinen. Wie oft war / bin ich abends müde, wenn ein Gebetstreffen angesagt ist – und wie oft komme ich nach Hause, erfüllt mit neuer Freude und neuem Mut, dass Jesus uns gehört hat und die Anliegen jetzt bei Ihm gut aufgehoben sind.

Und so ermutigt uns Jesus durch diese Verse und ruft uns zu: „Nein, wir brauchen Ihn nicht herbeizubeten. Er ist bereits da. Er wartet, dass sich zwei, drei oder mehrere finden, die sich mit Ihm treffen, mit Ihm über dies oder jedes reden und ihre Herzen von Ihm neu entzünden lassen.“

Der Herr segne Dich!

Montag, 7. November 2016

Der Herr führt ...

In 2 Mose 12:51 lesen wir den herrlichen Satz:

Aber der Herr führte an eben diesem Tag
die Kinder Israels nach ihren Heerscharen aus Ägypten.

Im nächsten Kapitel lesen wir, wie Er das machte. Es heißt:

Und der Herr zog vor ihnen her, am Tag in einer Wolkensäule,
um sie den rechten Weg zu führen,
und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten,
damit sie bei Tag und bei Nacht ziehen konnten.
Die Wolkensäule wich nie von dem Volk bei Tag 
noch die Feuersäule bei Nacht. ( 2 Mose 13:21+22)

Eigentlich wird Mose immer als der große Leiter des Volkes dargestellt. Aber tatsächlich war er nur der kleine Leiter des Volkes. Nicht Mose war der große Hirte, sondern der Herr selbst hatte diese Aufgabe übernommen. Mose war Sein Unterhirte, Sein Sprachrohr, Sein Handlanger. Ja, Gott stellte sich zu Seinem Unterhirten Mose, wie auch Mose sich zu seinem Oberhirten, Gott, stellte. Aber der, der eigentlich das Volk führte, war der Herr selbst.

Gott führte Israel, 40 Jahre ohne Unterbrechung, wie 5 Mose 8:2 lehrt:

Und du sollst an den ganzen Weg gedenken,
durch den der Herr, dein Gott, dich geführt hat 
diese 40 Jahre lang in der Wüste,
um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, damit offenbar würde,
was in deinem Herzen ist, 
ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.

Gott saß 40 Jahre lang am Steuer. ER führte Israel ...
... als sie schon vor dem Roten Meer zu Murren begannen
... als sie sich nach Ägypten zurücksehnten
... als sie einen Aufstand gegen Mose und Aaron machten
... als sie Moses Hirtendienst in Frage stellten und ihn loswerden wollten
... als sie sich sichtbare Götzen herstellten und ihnen opferten
... als sie in Unmoral und Heidentum fielen
... als sie unbesiegbaren Feinden und Festungen gegenüber standen
... als sie hungerten, dürsteten und ihren Missmut äußerten
... als ihnen Gottes Gaben zu gering erschienen

Nicht eine Minute wich die Wolken- und Feuersäule. Nicht einen Tag blieb Gottes Fürsorge aus. Er hatte die Leitungsverantwortung übernommen. Manchmal trat Mose „in den Riss“ und „besänftigte“ das Angesicht Gottes. Aber nicht eine Sekunde waren Gottes Hirtenaugen von Seinem Volk abgewandt. Der Herr führte – egal was kam!

Wie oft dürfen wir das in unseren Kreisen und in unserem Leben beobachten. Der Herr führt! Wir gehören Ihm! Manchmal lässt Er uns eigene Wege gehen – damit wir lernen, dass Seine Wege besser sind. Manchmal lässt Er uns freie Hand – damit wir „runterkommen“ und erkennen, dass Seine Gedanken besser sind. Manchmal haben wir uns so an die Zeichen Seiner Gnade gewöhnt, dass wir sie nicht mehr schätzen. (Immerhin murrten sie am Roten Meer trotz doppelter Bezeugung Seiner Gegenwart: Wolke UND Feuer. Und sie tanzten ums Goldene Kalb, obwohl sie Seine Wolke sahen). Gott führte sie immer noch! Und hier der absolute Knüller: Bis heute hat Er sie nicht verworfen und behält sie im Auge! So ist Gott.

Wir haben allen Grund, Gott dankbar zu sein. Er hält die Zügel; Er sitzt auf dem Thron und führt uns – auch, wenn es uns manchmal gar nicht so auffällt. Gott kommt zu Seinem Ziel!

Sonntag, 6. November 2016

Heute wieder mit Sonntagszitat am Ende

Predigttext heute:
Römer 12:4-8  

3 Aufgrund der Gnade, die Gott mir gegeben hat, warne ich jeden Einzelnen von euch: Denkt nicht höher von euch, als es angemessen ist, und seid besonnen! Maßstab dafür ist der Glaube, von dem Gott jedem ein bestimmtes Maß zugeteilt hat.  
4 Es ist wie bei unserem Körper. Er bildet ein lebendiges Ganzes, hat aber viele Glieder, von denen jedes seine besondere Aufgabe hat. 
5 Genauso sind wir alle in Verbindung mit Christus ein einziger Leib und einzeln genommen Glieder, die voneinander abhängig sind.  
6 Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade gegeben hat. Der eine hat die Gabe, Worte Gottes weiterzugeben. Er soll das in Übereinstimmung mit dem Glauben tun! 
7 Ein anderer ist befähigt, praktische Aufgaben zu übernehmen. Er soll diese Gabe einsetzen! Wenn jemand die Gabe des Lehrens hat, soll er lehren! 
8 Wenn jemand die Gabe der Seelsorge hat, dann soll er sie ausüben. Wer Bedürftige unterstützt, tue das uneigennützig! Wer Verantwortung übernimmt, muss fleißig sein! Wer sich um Notleidende kümmert, soll es mit fröhlichem Herzen tun!
Im Gottesdienst benutzen wir meist die Schlachter Übersetzung. 
Aus Copyrightgründen ist hier der leicht verständliche Text der NeÜ zu lesen. 
(Quelle: HIER) 
 

Die Predigt kann Anfang der Woche HIER runtergeladen

oder online angehört werden!

 Herzliche Einladung zum Gottesdienst! 


Herzliche Einladung zum Gottesdienst! 
(parallel Kindergottesdienst)  

Anbetungszeit
 Predigt

Anschließend Mittagessen @ CCFG


Gemeinschaft vor und nach dem Gottesdienst  

Beginn: 10:30 Uhr     

Wir freuen uns auf Dich!

 


Calvary Chapel Freier Grund 

 Bitzegarten 5 (hinter dem VB Gebäude)    

57290 Neunkirchen-Zentrum

 
Sonntagszitat:

Gott hat in seiner Souveränität 
allen Gläubigen Geistesgaben gegeben.
(John F. MacArthur) 
 
Wenn es kann niemand unbarmherzig sein, 
der Gottes Barmherzigkeiten recht erkennet.
(John Arndt)

Samstag, 5. November 2016

Irrtümer betreffs Mission (4)

Im vorletzten Beitrag unserer Samstags-Minisierie über Irrtümer betreffs Mission kommen wir heute zu einem fast schon willkommenen Irrtum, der uns anscheinend/angeblich aus der Verantwortung entlässt, in alle Welt zu gehen.
 
Interessant, wie viele Falschinformationen, Fehlinterpretationen und folglich fehlende Aktionen es im Hinblick auf Mission gibt. Man sollte meinen, das Herzensanliegen Gottes sei automatisch auch das Herzensanliegen aller Seiner Kinder. Leider nicht!
Gottes Liebe umfasst die ganze Welt:

So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
 damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
 sondern ewiges Leben hat. (Johannes 3:16)

Jesus ist für die Sünden der ganzen Welt gestorben, selbst für die Sünden derer, die nie Seinen Namen und nie von Seinem Angebot gehört haben:

„Er ist das Sühnopfer für unsere Sünden,
 aber nicht nur für die unseren,
sondern auch für die der ganzen Welt.“ (1 Johannes 2:2)

Schließlich, weil dem so ist, hat Jesus es klar gemacht, wie wir mit dem Evangelium auf Seine universale Liebe reagieren sollen:

Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt 
 und verkündigt das Evangelium
der ganzen Schöpfung! (Markus 16:15)

Klar ist, dass es Gott um alle Welt geht und wir in alle Welt gehen sollen. Aber viele haben sich einem tragischen Irrtum hingegeben, dem man immer wieder und überall begegnet. Tragisch nicht für uns Jesusjünger. Tragisch für die, zu denen niemand geht.

Irrtum # 4:  Weil Gott uns die Menschen aus aller Welt vor die Haustüre schickt, erübrigt sich der Auftrag an uns, "in alle Welt" zu gebhen!

Dieser Irrtum suggeriert, die Dringlichkeit, in alle Welt zu gehen, sei heute geringer als zur Zeit, als Jesus den Auftrag gegeben hat. Humbug! Wie soll man diesem Irrtum mit wenigen Zeilen begegnen?

  1. Wenn wir so begeistert sind, dass Gott uns „alle Welt“ vor die Haustüre schickt, warum sind dann die meisten dieser Menschen aus aller Welt ohne nennenswerten Kontakt zu uns?
  2. Wenn „alle Welt“ vor unsere Haustüre kommt, ergreifst Du die Initiative und „gehst zu ihnen“, wie Jesus es aufgetragen hat?
  3. Was ist mit den Ländern, deren Menschen nicht „vor unsere Haustüre“ kommen? Menschen aus Nordkorea, den Malediven, Burma und einer Vielzahl von Ländern, deren Namen wir nicht einmal kennen, - sie kommen eben nicht zu uns.
  4. Es sind immer nur Einzelne, die aus den Ländern „aller Welt“ zu uns kommen. Was erwarten wir? Dass sie zu Christen werden und dann ihr Leben (und ihre Sicherheit) hier aufgeben und zurückgehen in ihr Heimatland - genau das, wozu wir nicht bereit sind?
  5. Reicht es uns, dass Gott uns eine Familie aus Land X vor die Haustüre führt, um von Jesus zu hören, aber Zigmillionen ihrer Landsleute unerreicht im Heimatland bleiben?
Wir könnten weitere Fragen stellen. Es wird deutlich: Gott hat den Befehl, zu Gehen, nie aufgehoben. Das „Haustürargument“ – wenn es in einem Atemzug mit dem Missionsbefehl genannt wird – ist nicht mehr als eine Ausrede oder ein tragischer Irrtum. Lasst uns Gott auf allen Ebenen dienen: Zu den Fremden (vor der Haustüre) gehen, ihnen unser Brot brechen und von Jesus erzählen – und gleichzeitig uns aufmachen oder daran mitarbeiten, dass auch die Landsleute des Fremden „in aller Welt“ erreicht werden

Freitag, 4. November 2016

Angst?

Der folgende Leitartikel stammt aus der Missionszeitschrift „Weltweit“ und wurde von Johannes Böker verfasst. Er ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Missionsgesellschaft WEC International.

Die gesamte Ausgabe der Zeitschrift kann online gelesen oder HIER heruntergeladen werden.

Seine Gedanken sind so inspirierend und gut, dass ich den Artikel hier mit Genehmigung abdrucken möchte.

In der Welt habt ihr Angst“, hat schon Jesus gesagt (Johannes 16,33), „ ... aber Angst ist ein schlechter Ratgeber“, so der Volksmund.  Leider sagt der Volksmund nicht, wie wir mit ihr umgehen können.

Ich saß in der Mensa der Tübinger Universität und kam mit meinem Gegenüber ins Gespräch.  „Was, du willst Missionar in Afrika werden?  Weißt du auch, was du da tust?“ Der junge Arzt wollte mich vor dem Schlimmsten bewahren und sagte: „Nach dem Essen gehen wir mal in die Bibliothek, da zeige ich dir einen schönen Atlas mit tropischen Krankheiten. Dann kannst du sehen, worauf du dich einlässt. Überlege dir gut, was du da vorhast.“ Ich wollte mir die gruseligen Einzelheiten ersparen und ging nicht mit.

Angstmacher gibt es viele, und jeder hat andere. Für den einen sind es Krankheit oder Alter, bei dem nächsten sind es die Schlangen, das Verlassen der Heimat, die Einsamkeit, die geringe Aussicht auf einen möglichen Ehepartner auf dem Missionsfeld, die schlechte finanzielle Versorgung ...

Irgendwie hat der junge Arzt Recht gehabt. In der Tat hatten wir als Familie in Afrika ungewöhnlich viel mit dem Thema Krankheit zu tun.  Auf diesem Gebiet mussten wir viele Ängste ausstehen.

Angst ist eine der Angriffswaffen des Widersachers Gottes, mit denen er uns lähmen will. In diesem Heft lesen Sie, mit welchen Ängsten Missionare zu tun haben und wie sie damit umgehen. Bei Angst hilft mir am meisten, den Blick auf Jesus zu richten, der sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe die Welt besiegt!“ (Johannes 16,33 nach Hoffnung für alle)  (Johannes Böker, Missionsleitung)

Soweit der Artikel. Vielleicht sind es ganz andere Ängste als die hier genannten. Aber jede Angst hat eine lähmende Wirkung! In Jesu Nähe ist Angst unnötig. Er hat die Macht, uns aus der Angst zu befreien oder uns in dem, was uns Angst macht, zu bewahren. Wichtig ist: Die Nähe und der Blick auf Jesus. Bin ich mir Seiner Gegenwart bewusst, bin ich mir auch meiner Sicherheit bewusst.

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost,
ich habe die Welt überwunden. (Johannes 16:33)

Donnerstag, 3. November 2016

Gedanken vom „Opa & Oma Tag“

In diesen Tagen gehen mir mal wieder 1000 Gedanken durch den Kopf, initiiert durch den „Opa & Oma Tag“ letzten Monat und inspiriert durch Zeitung und Nachrichten.

Zum ersten Mal hatten wir im letzten Monat unsere 3 Enkelkinder für 24 Stunden alleine bei uns. Es klappte alles ausgesprochen gut. Nur 2 oder 3x lief die Jüngste weinend durch die Zimmer und suchte nach ihrer „Mama“, und das immer nur für ein paar Augenblicke. Dann war sie wieder mit Opa und Oma zufrieden, lachte, freute sich und hatte Spaß. Als dann am nächsten Tag Papa und Mama auftauchten, gab es natürlich kein Halten mehr – weder bei den Kindern, noch bei den Eltern.

Wenn ich die Jüngste so Lachen, Weinen und sich freuen sah, gingen meine Gedanken oft zum Mittelmeer. Weg von meiner heilen Welt - hin in eine kaputte Welt. Vor mir sehe ich die überfüllten Flüchtlingsboote. Frierend, die Babys an sich gepresst und voller Angst sitzen sie die Menschen in den überfüllten Schwimminseln. Das Geschrei der Babys muss sie alle verrückt und nervös gemacht haben. Herzen müssen zerbrochen worden sein in ihrer Hilflosigkeit und Todesnähe. Und das nicht nur auf den Flüchtlingsbooten, sondern auch in den vielen Zentren oder Auffanghallen.

Irgendwann wird die Flüchtlingsthematik vorüber sein. Ein anderes Problem dagegen nicht: Wie kürzlich zu lesen war, leben annähernd 1 Milliarde Menschen in Slums. Fast jeder 7 Mensch lebt laut einem Bericht der Vereinten Nationen in einem Slum. Genaue Größenangaben gibt es natürlich nicht, aber Dharavi ist der bekannte Slum in Mumbai (Indien) und soll bis zu 1 Million Bewohnern haben. Kibera in Nigeria, Ashaiman in Ghana und unzählige unbekannte andere Slumreviere hausen Hundertausende, die sich kein anderes Leben leisten können. Amnesty International beschreibt das Slumleben als: „Familien mit acht, zehn oder mehr Menschen teilen sich einen winzigen Raum. Durch die Gassen fließen stinkende Rinnsale. Auf 800 Menschen kommt eine Toilette.”

Während ich solche Zeilen lese, frage ich mich, wo ich eigentlich lebe. Ich gehöre zu der Minderheit, die ausreichenden Wohnraum und genügend zu Essen hat, zu der Minderheit, die Bildung genießen und die moderne Technik nutzen kann. Ich gehöre zu denen, die durch ihre Regierung geschützt statt verfolgt werden, die Menschenrechte und Meinungfreiheit besitzen und die neben einem normalen Arbeitstag auch Freizeit, Urlaub und Spaß haben können. Ich gehöre zu denen, die ihre Enkelkinder genießen können und Zeit haben, mit ihnen zu spielen.

Das alles ist mir aber so selbstverständlich geworden, dass ich viel zu selten dafür dankbar bin, mich viel zu häufig beklage und zu allem Überfluss auch noch die Menschen um mich herum negativ beeinflusse. Statt herzlichem Erbarmen gewöhnen sich meine Augen, Ohren und mein Herz an das Elend derer, die so weit weg sind von mir und deren Gesichter ich nur durch den Fernseher oder das Internet kenne.

Interessant, was für Gedanken so ein Opa & Oma Wochenende hervorrufen können. In dem Zusammenhant fällt mir der Bibelvers ein aus Kolosser 3:12:

“So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, 
als die Heiligen und Geliebten,
herzliches Erbarmen, 
Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.“

Darum möchte ich Jesus bitten: Um ein Herz, das Seine Güte und Gnade nicht selbstverständlich nimmt, sondern sich dankbar erzeigt für die täglichen Segnungen, die ich erleben darf. Ich möchte Ihn bitten, mein Herz und Handeln mit herzlichem Erbarmen zu füllen denen gegenüber, die diese heile Welt nicht genießen können.

Mittwoch, 2. November 2016

Afterglow

Und was ist das? Google Übersetzer übersetzt das englische Wort „Afterglow“ mit „Nachglühen“ – wie z.B. beim Abendrot. Interessant!

Afterglow ist auch ein Begriff, der in Calvary Chapel Gemeinden für einen Teil mancher Gottesdienste benutzt wird. Die Form ist nicht einheitlich in allen Gemeinden aber das Ziel ist dasselbe: Zeit mit Jesus verbringen, auf Ihn hören, auf Ihn warten und Ihm und dem Leib Jesu zu dienen. Gottes Wort sagt uns:
 
Laßt das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit;
lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen
und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen.
(Kolosser 3:16)
Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas:
einen Psalm, eine Lehre, eine Sprachenrede,
eine Offenbarung, eine Auslegung;
alles laßt zur Erbauung geschehen!
(1 Korinther 14:26)
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes
zum [gemeinsamen]Nutzen gegeben.
Dem einen wird durch den Geist gegeben,
von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben,
von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist;
einem anderen aber Glauben in demselben Geist;
einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen
in dem einen Geist;
einem anderen aber Wunderwirkungen;
einem anderen aber Weissagung,
einem anderen aber Unterscheidungen der Geister;
einem anderen verschiedene Arten von Sprachen;
einem anderen aber Auslegung der Sprachen.
Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist
und teilt jedem besonders aus, wie er will.
(1 Korinther 12:8-11)
Werdet voll Geistes; redet zueinander mit Psalmen
und Lobgesängen und geistlichen Liedern;
singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen;
sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles,
in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus; 
 (Epheser 5:18b-20) 

Gesundes Gemeindeleben beinhaltet ein Dienen aneinander im Namen Jesu. Nach einer Zeit der Lehre, des Hörens auf Gottes Wort, lassen wir das, was wir gehört haben einsinken und „nachglühen“. Gleichzeitig beten wir, dass Gottes Geist uns anrührt und leitet, einander zu dienen – sei es durch die in der Bibel erwähnten Gaben, durch das Lesen von Bibelversen, die der Herr uns in den Sinn ruft oder durch Gebet für solche, die darum bitten.

Solch ein Abend findet heute – wie jeden ersten Mittwoch im Monat – bei uns statt. Wer nicht das Spektakuläre sucht, sondern Jesus (der immer spektakulär genug ist!), wer nicht die Gaben sucht, sondern den Geber, der ist herzlich eingeladen.

Natürlich wäre es tragisch, wenn Christen das „einander dienen“ auf diese Zeiten beschränken würden. Dienen können wir immer. Ob Du Dich heute Abend mit Christen triffst oder nicht: dienen kannst Du auch während des Tages. Jesus sagt: Was wir Seinen geringsten Brüdern getan haben, das haben wir Ihm getan. Dienen macht Freude. Das weiß aber nur der, der dient.

Dienstag, 1. November 2016

Allerheiligen, Allerseelen

In einem der vergangenen Jahre war in unserer Lokalzeitung ein kurzer Artikel zu den beiden kirchlichen Feiertagen abgedruckt: Allerheiligen und Allerseelen. Wie es im Artikel heißt, gedenkt der 1 November (Allerheiligen) vornehmlich der Heiligen, die keinen eigenen Festtag besitzen. Weiter heißt es, da durch die Gemeinschaft mit Gott nach dem Tod die höchste Vollendung erreicht wird, darf dieser Verstorbenen nun als Heilige gedacht werden.

An Allerseelen wird eher generell der Verstorbenen gedacht. Abt Odilo bestimmte vor gut 1000 Jahren, dass man der verstorbenen Christen gedenken solle durch Gebete, Messen und Almosen. Bis heute wird auf Friedhöfen am 1. November das „Ewige Licht“ entzündet.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Einleitung vieler Paulusbriefe. Paulus schreibt nach Ephesus: 
„...an die Heiligen und Gläubigen in Christus Jesus, 
die in Ephesus sind.“ (1:1)
nach Kollossä: 
„an die Heiligen in Kolossä ...“ (1:2)
nach Rom:
„Jetzt aber reise ich nach Jerusalem, 
im Dienst für die Heiligen.” (Römer 15:25)
nach Korinth: 
„Was aber die Sammlung für die Heiligen anbelangt, 
so sollt auch ihr so handeln, wie ich es für die Gemeinden 
in Galatien angeordnet habe.“ (1 Kor 16:1) 
 
Hat Paulus seine Briefe an Tote geschrieben, war er für Tote unterwegs und hat Spenden für Tote gesammelt? Nie! Vielmehr hat man sich über die Jahre von der Definition der Bibel für „Heilige“ entfernt. Tatsächlich bezeichnet die Bibel eine bestimmte Gruppe von „Lebenden“ als „Heilige“. Das verbindende Merkmal dieser Lebenden ist, dass sie durch Jesus gerettet und geheiligt worden sind. 
 
In 1. Korinther 6 beschreibt Paulus die Sünde der Menschen und fügt dann in Vers 11 hinzu: 
 
Und solche sind etliche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und in dem Geist unseres Gottes! 
 
Und der Schreiber des Hebräerbriefes belehrt uns: “
„Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt 
durch die Opferung des Leibes Jesu Christi,
und zwar ein für allemal.“  
 
Geheiligt – zum Heiligen – wird man durch die Vergebung der Schuld durch Glauben an das stellvertretende Opfer Jesu. Daraus resultiert unsere Gotteskindschaft. Und das muss hier auf Erden geschehen – oder es geschieht gar nicht.
 
Das im Alten Testament mit „heilig“ übersetzte Wort bedeutet soviel wie „gottesfürchtig“ und auch „gottgeweiht / abgesondert“. Das sind Menschen, die ihr eigenes Leben samt Sünde, Lebensplanung und Zukunft aufgegeben und Gottes Händen anvertraut haben. Sie leben jetzt und hier (auf der Erde) nicht mehr für sich, sondern für Gott. Das unterscheidet sie sichtbar von allen, die Jesus nicht nachfolgen und „sondert sie ab“.
 
Allerheiligen und Allerseelen sind Feiertage, die aus kirchlicher Tradition und Menschenwort entstanden sind, nicht aus Gottes Wort, der Bibel.
 
Wer Jesus liebt und Ihm nachfolgt, der ist geheiligt, ein „Heiliger“ in Gottes Beurteilung. Das macht uns nicht sündlos, aber es fordert uns heraus. Durch Mose und Petrus ruft Gott uns zu: 
 
“Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“
(3. Mose 19:2; 1 Petrus 1:16) 
 
Werde, was Du bist: heilig! (w)