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Donnerstag, 18. Juni 2026

Vom Richtgeist

Also wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern haltet vielmehr das für recht, dem Bruder keinen Anstoß oder keinen Fallstrick zu bieten! (Römer 14:12+13)

„Ich glaube, meine Frau ist taub“, klagte ein besorgter Ehemann seinem Hausarzt. „Sie hört mich nie auf Anhieb, wenn ich etwas sage. Ich muss oft alles immer wieder wiederholen.“ „Gehen Sie heute Abend nach Hause“, schlug der Arzt vor. „Stellen Sie sich etwa 5 Meter von ihr entfernt hin und sagen Sie etwas. Wenn sie nicht antwortet, gehen Sie etwa um die Hälfte näher heran und sagen es noch einmal, usw.. Machen Sie das, damit wir uns ein Bild vom Schweregrad ihrer Schwerhörigkeit machen können.“

Abends ging Mann nach Hause und tat genau, was der Arzt ihm gesagt hatte. Er blieb etwa 5 Meter von seiner Frau entfernt stehen, als sie in der Küche stand und Gemüse schnitt.

„Schatz, was gibt’s zum Abendessen?“, fragte er. Als er keine Antwort erhielt, trat er 3 Meter näher und fragte erneut: „Schatz, was gibt’s zum Abendessen?“ Keine Antwort. Also machte er einen weiteren Schritt auf sie zu und wiederholte seine Frage. Immer noch keine Antwort.

Genervt und frustriert stellte er sich direkt hinter sie, nur einige Zentimeter von ihr entfernt und fragte ein letztes Mal: „Schatz, was gibt’s zum Abendessen?“ „Zum vierten Mal“, antwortete sie, „Es gibt Hähnchen!“

Wie schnell sind wir – ja, auch wir Christen – dabei, zu richten. Auch Jesus richtete, aber wir richten anderes. Wir richten gnadenlos, parteiisch und schnell. Eigentlich sollten wir Verurteilte sein, aber unser Richter, Jesus, hat uns freigesprochen. Er hat uns Gnade erwiesen und ist unser Retter geworden. An Seiner Art zu richten sollten wir uns orientieren, wenn wir es tun.  In einer Ausgabe der christlichen Zeitschrift „Christianity Today“ wurde der Theologe F.B. Meyer einmal mit den Worten zitiert:

„Wenn wir einen Bruder oder eine Schwester in Sünde sehen, gibt es drei Dinge, die wir nicht wissen und die wir bedenken müssen, bevor wir ein Urteil fällen:

Erstens wissen wir nicht, wie sehr er oder sie sich bemüht hat, nicht zu sündigen.
Zweitens wissen wir nicht, wie stark die Kräfte waren, die auf ihn oder sie einwirkten.
Drittens wissen wir nicht, wie wir uns unter denselben Umständen verhalten hätten.“

Schnell kommt die Diskussion auf: Haben wir Christen nicht die Aufgabe, zu richten, zu beurteilen? Sagt Jesus nicht selbst (Johannes 7:24): Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht.

Korrekt! Unser Richten aber soll sich an der Gerechtigkeit Gottes und am Wesen Jesu orientieren. Sünde darf nicht verschont werden, Gottes Wort muss geehrt werden – aber immer im Wesen Jesu, mit Seiner Geduld, Milde und Bereitschaft, Buße anzuerkennen. Sehr deutlich warnt uns Jesus davor, schnell zu richten (Matthäus 7:1-3):

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit demselben Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit demselben Maß, mit dem ihr anderen zumesst, wird auch euch zugemessen werden.

Verurteilen, Selbstgerechtigkeit und Heuchelei sind Gott zuwider. Bevor wir andere mit einer falschen Herzenseinstellung verurteilen, ist es besser, im Sinne von Römer 14:13  zu urteilen, nämlich: „... dem Bruder keinen Anstoß oder keinen Fallstrick zu bieten!“

Das fällt uns nicht leicht, weil unser Herz uns meist überzeugen kann, dass wir im Recht sind, unsere Sicht der Dinge korrekt ist, wir mit unserer Beurteilung richtig liegen und Gott auf unserer Seite ist. Aber vielleicht lesen wir nochmal die einleitende Illustration von dem Ehemann, der völlig überzeugt war, dass nicht er, sondern seine Frau schlecht hörte.

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