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Freitag, 19. Juni 2026

Richtgeist (2)

Gestern ging´s um das Thema „Richtgeist“. Während ich mich mit dem Thema beschäftige, kommen mir weitere Verse in den Sinn. Wie passend zum Thema ist der biblische Bericht in 1 Samuel 16 über die Salbung Davids zum König Israels. Der Prophet Samuel ist bei Isai zu Gast. Er hat den Auftrag von Gott, den nächsten König zu salben.

Isai fährt seine gesamte Mannschaft an männlichen Nachkommen auf – bis auf den Jüngsten. Die Nachkommen Isais treten der Reihe nach vor Samuel. Der ist beeindruckt von deren Größe, dem Wuchs und gutem Aussehen. „Wahrhaftig! Ein echter König vor dem Herrn!“ - so oder ähnlich wird Samuel gedacht haben. Dann hört er Gottes Stimme (1 Samuel 16:7):

„Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“

Aber genau das ist, was wir so oft tun – wir schauen auf das Äußere, auf das, was uns gefällt und auf das, was wir selbst als wünschenswert und hilfreich beurteilen. Das kann gewaltig daneben gehen. Mit dem Fokus auf Äußerlichkeiten können wir gewaltig danebenliegen. Das zeigt auch der Bericht von Dr. Harry Ironside:

Ironside erzählt die Geschichte von einem Bischof Potter, der mit dem Ozeandampfer nach Europa reiste. Als er an Bord ging, stellte er fest, dass er sich seine Kabine mit einem anderen Mann teilen musste. Nachdem er seinen Zimmergenossen kennengelernt hatte, ging er zum Serviceschalter des Schiffes und fragte, ob er seine goldene Uhr und andere Wertsachen im Schiffssafe deponieren könne.  Er erklärte, dass er dies normalerweise nicht tun würde, aber nachdem er den Mann kennengelernt hatte, der seine Kabine beziehen sollte, habe er allein an dessen Aussehen erkennen können, dass er kein besonders vertrauenswürdiger Mensch sei.

Der Zahlmeister übernahm die Verantwortung für die Wertsachen und bemerkte: „Das ist in Ordnung, Herr Bischof, ich passe sehr gerne für Sie darauf auf. Ihr Kabinenkamerad war bereits hier und hat seine Wertsachen aus demselben Grund hier hinterlegt!“

Was für eine Fehleinschätzung! So war es wohl auch bei David. Als der junge Hirte dann vom Feld gerufen wurde, wurde er zum König gesalbt. Aber seine Brüder – ja, seine Brüder! – akzeptierten ihn immer noch nicht. Als Davids Vater ihn mit Lebensmittel an die Kriegsfront zu seinen Brüdern schickte, verurteilte Eliab, der Älteste ihn unbarmherzig mit den Worten:

Warum bist du herabgekommen? Und bei wem hast du dort in der Wüste die wenigen Schafe gelassen? Ich kenne deine Vermessenheit und die Bosheit deines Herzens wohl; denn nur um den Kampf zu sehen bist du herabgekommen! (1 Samuel 17:28):

Eine völlig unberechtigte Verurteilung, möglicherweise gegründet auf Neid, Eifersucht, verletztem Stolz, Überheblichkeit oder Stress. Jedenfalls lag Eliab völlig daneben mit seinem Richten. Kurze Zeit später war es dieser David, der ihn, seine Brüder, das Königshaus und das ganze Volk Israel von der Gefahr der Philister befreite.

Wenn wir beurteilen oder richten, sollten wir das demütig tun und uns zu Herzen nehmen:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! (Matthäus 7:1)

Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht. (Jakobus 2:13)

Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Das Ziel ist, den anderen zu gewinnen. (Matthäus 18:15)

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