„Ich habe wahrhaftig fröhliche Christen nur an drei Orten gefunden: In der Bibel, in der Untergrundkirche und im Gefängnis.“ (Richard Wurmbrand)

Samstag, 29. März 2025

Grablegung einer Gemeinde

Von einem unbekannten Autor stammt der Bericht über folgende Begebenheit:

Kalte Gleichgültigkeit, das war die Atmosphäre hier in X, als Pfarrer Wright sein Amt antrat. Am ersten Sonntag predigte er in einer völlig leeren Kirche. Am zweiten Sonntag war es genauso. Und wenn der Pfarrer an den Werktagen seine Gemeindeglieder besuchte, erging es ihm nicht besser. „Die Kirche ist tot“, so sagte man ihm. Aber am Donnerstag nach jenem trostlosen Sonntag geschah es, dass eine Todesanzeige in der Zeitung erschien. Dort konnte man lesen:

Mit dem tiefsten Bedauern und der Zustimmung der Gemeinde gebe ich den Tod der Kirche zu X bekannt. Die Trauerfeier findet am Sonntag um 11 Uhr statt.   Herbert Wright, Pfarrer zu X


Die Anzeige löste lebhafte Diskussionen aus. Am Sonntag war bereits um halb elf die Kirche gedrängt voll. Als ich die Kirche betrat, sah ich einen Sarg auf einer Bahre vor dem Altar stehen. Pünktlich um 11 Uhr bestieg Pfarrer Wright die Kanzel:

„Meine Freunde, Sie haben mir klargemacht, dass Sie überzeugt sind, unsere Kirche sei tot. Sie haben auch keine Hoffnung auf Wiederbelebung. Ich möchte nun diese Ihre Meinung auf eine letzte Probe stellen. Bitte gehen Sie einer nach dem anderen an diesem Sarg vorbei und sehen Sie sich die Tote an. Dann verlassen Sie die Kirche durch das Osttor. Danach werde ich die Trauerfeier allein beschließen. Sollten aber einige von Ihnen ihre Ansicht ändern und wären auch nur wenige der Meinung, eine Wiederbelebung der Kirche sei vielleicht doch möglich — dann bitte ich diese, durch das Nordtor wieder hereinzukommen. Statt der Trauerfeier würde ich dann einen Dankgottesdienst halten.“

Ohne weitere Worte trat der Pfarrer an den Sarg und öffnete ihn. Ich war einer der letzten in der Reihe vor dem Sarg. So hatte ich Zeit, darüber nachzudenken: „Was war eigentlich die Kirche? Wer würde wohl im Sarg liegen? Würde es vielleicht ein Bild des Gekreuzigten sein?“ Die anderen in der Reihe dachten wohl ähnlich. Ich merkte, wie uns ein Schaudern überkam, je mehr wir uns dem Sarg näherten. Zudem erschreckte uns ein Knarren und Quietschen. Die Tür des Nordtors drehte sich in ihren verrosteten Angeln. Herein trat eine kaum zu zählende Menge.

Nun war es soweit, dass ich die tote Kirche sehen sollte. Unwillkürlich Schloss ich die Augen, als ich mich über den Spiegel beugte. Als ich sie öffnete, sah ich mich selbst — im Spiegel.

Soweit der Bericht des unbekannten Kirchenbesuchers. Er stimmt nachdenklich. Wenn eine Kirche oder eine Gemeinde stirbt – wer stirbt dann eigentlich? Wer ist dann eigentlich für den Tod verantwortlich? Um wessen Grablegung geht es dann?

In 1 Korinther 3:16 und 6:19 wird der Leib eines Christen, aber auch der Leib Jesu, die Gemeinde, als Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet. In 1 Korinther 3:16 schreibt Paulus:

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt?

Der Tod und das Leben einer christlichen Gemeinschaft hat auch immer mit dem geistlichen Leben und der Verbindlichkeit und Hingabe der einzelnen Glieder zu tun. Wenn die einzelnen Glieder sterben, ist irgendwann die Grablegung der ganzen Gemeinde angesagt. Das muss aber nicht sein. Der Herr hat deutliche Hilfen in Seinem Wort gegeben, damit das nicht passiert:

Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes.
(1. Petrus 4:10)

Und lasst uns unsere Zusammenkünfte nicht versäumen, wie einige es tun, sondern ermutigt und ermahnt einander, besonders jetzt, da der Tag seiner Wiederkehr näher rückt!
(Hebräer 10:25)

Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Sprachenrede, eine Offenbarung, eine Auslegung; alles lasst zur Erbauung geschehen!
(1 Korinther 14:26)

Euch allen einen gesegneten Sonntag in Euren Gemeinden!

Freitag, 28. März 2025

Weißt Du noch! Wie damals!

Dicker konnte es kaum noch kommen. Die Stadt war umzingelt, die Feinde ins Innere eingedrungen. Alles war geplündert worden. Die schlimmsten Kriegsverbrechen waren geschehen. Die Hälft der Stadt hatte man verschleppt – einfach mitgenommen. Und der Rest zitterte irgendwo in dunklen Verstecken. Jeder hatte praktisch abgeschlossen mit seinem Leben.

So beschreibt Sacharja die letzten Tage Jerusalems vor der Wiederkunft Jesu. Deprimierend und schockierend! Und dann lesen wir in Kapitel 14:3 die herrlichen Worte:

"Aber der Herr wird ausziehen, … wie damals am Tag seines Kampfes, am Tag der Schlacht"

Aber der Herr …

  • Alle Welt steht dann gegen Israel
  • Alle gegen einen - ABER der Herr …
  • ER wird für Israel in den Kampf ziehen
  • ER wird gegen die Nationen streiten
  • Wenn die Not am größten ist, wird der Herr kommen und eingreifen
  • Wenn keine andere Hoffnung mehr da ist …
  • Wenn niemand mehr daran glaubt, dass es noch Rettung gibt …
  • dann wird der Herr selbst die Rettung bringen und die Rettung sein.


Aber der Herr … das ruft Gott auch uns zu. Er erinnert uns:

„Ich bin kein Neuling! Ich brauche keinen Ratgeber! Ich mach das nicht zum ersten Mal! Ich weiß, wie das geht! Ich bin Derselbe wie damals!“

Lasst uns in die Zukunft gehen, egal was auf dem Programm steht, egal wie stark der Druck, der Frust, die Dunkelheit oder die Not sich präsentiert. Lasst uns festhalten an der Tatsache: ABER DER HERR! … Er wird ausziehen! Nicht gegen sein Volk sondern FÜR sein Volk; wie damals, so, wie Er es immer schon gemacht hat: voller Gnade, voller Stärke, voller Souveränität. Er ist der Sieger, der Überwinder. Und in Ihm überwinden auch wir weit – auch wenn es manchmal zunächst nicht so aussieht.

Donnerstag, 27. März 2025

Die beste Bibelübersetzung

Während ich in meinem Büro mindestens 5 deutsche und 5 englische Übersetzungen stehen habe, und mir auf CDs und im Internet mindestens 20 weitere in Sprachen zur Verfügung stehen, die ich verstehe, gibt es noch 985 Sprachen, die nicht mal einen einzigen Bibelteil in ihrer Sprache lesen können. Welch eine Herausforderung. Aber mehr darüber in einem anderen Blog. An dieser Stelle möchte ich eingehen auf die Frage der besten Bibelübersetzung. Interessiert?

Die Geschichte wird erzählt von 4 Geistlichen, die zusammen saßen und genau über das Thema diskutierten. Ein Pfarrer ergriff zuerst das Wort: "Luthers Übersetzung ist immer noch die Beste. Er hat den Leuten ‚aufs Maul geschaut' und wird bis heute von jedem verstanden, der ihn liest". "Aber," so fiel ihm sein Glaubensbruder ins Wort, "wenn es um Genauigkeit geht, können wir heutzutage bessere Arbeit leisten. Die Elberfelder Übersetzung ist die, die jeder Bibelfreund lesen und gebrauchen sollte!" "Nun," meinte der dritte Nachbar, "ich mache von beidem Gebrauch. Die Nähe zum Urtext und die Sprache des Volkes - das findet ihr in der Schlachter Übersetzung." Jetzt richteten sich aller Augen auf den letzten Teilnehmer der Runde, der bisher nur still zugehört hatte. Als er keine Anstalten machte, sich zu äußern, forderten ihn seine Freunde auf. "Hey, deine Gelegenheit. Welche Übersetzung benutzt du? Komm, sag schon!" Der Vierte im Bunde räusperte sich und meinte dann kurz und bündig: Ich bevorzuge die Übersetzung meiner Mutter." Jetzt war das Erstaunen groß! "Was sagst Du - deiner Mutter? Wir wussten gar nicht, dass sie eine eigene Übersetzung hergestellt hat. Das ist ja sensationell! Erzähl doch mal!" "Nun," kam die Antwort, "so lange ich denken kann hat meine Mutter es sich zum Vorsatz gemacht, die Bibel täglich in den Alltag zu übersetzen und danach zu leben. Das hat mein Leben bleibend geprägt"

Über 4000 Sprachen haben noch keine Bibelübersetzung. Das ist schlimm! In etwa 3150Sprachen wird bereits gearbeitet. Aber vielleicht noch schlimmer ist es, dass Millionen von Menschen Zugang zu mehreren Übersetzungen haben - und nie eine Bibel zur Hand nehmen und lesen. Die einzige Übersetzung der Bibel, die sie lesen, ist die Übersetzung der Bibel in deinem und meinem Leben. Paulus schreibt in 2 Korinther 3:3:

Ihr seid ein Brief Christi, von uns geschrieben, aber nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes: nicht auf Steintafeln, sondern in die Herzen der Menschen.

Heute, morgen und in Zukunft werden wir Menschen begegnen, die nie eine Bibel irgendeiner Übersetzung in die Hand nehmen würden. Aber der Übersetzung, die sich in unserem Leben widerspiegelt, können sie sich nicht entziehen. Es ist die einzige, die stärkste und effektivste Übersetzung, die ihnen begegnet. Und es ist die Übersetzung, die Gott in ihrem Leben gebrauchen möchte!

Mittwoch, 26. März 2025

ليلة القدر

Der heutige Tag des Monats Ramadan ist einer der Höhepunkte der islamischen Fastenzeit.
“Lailat-ul-Qadr” oder: “Die Nacht der Macht” ist auch bekannt unter der Bezeichnung „Nacht des Schicksals“ oder „Nacht der Bestimmung.“ Es ist die Nacht, in der Mohammad zum ersten Mal Teile des Korans empfing. In der „Nacht der Macht“ erhoffen Muslime, ein Licht zu sehen, ähnlich dem Licht während der Offenbarung des Korans. Es ist eine Nacht des Segens und viele bleiben in dieser Nacht wach und verbringen sie im Gebet und dem Aufsagen des Korans. Islamische Überlieferungen erklären, dass die zweiten Nachthälften im Ramadan Gott wichtiger sind als die ersten Stunden, da Gott in den letzten Nachtstunden Sündenvergebung anbietet. Sie sind überzeugt, dass sie in dieser ganz speziell heiligen Nacht eine größere Chance haben, dass ihre Gebete beantwortet werden. Viele Muslime suchen in dieser Zeit ernsthaft nach Gott und wollen sich ihm öffnen.

Im Folgenden einen Ausschnitt aus einem alten Gebetsheft „30 Tage Gebet für die islamische Welt"

„Ich starrte in die Dunkelheit außerhalb meines Fensters. Seit Stunden schon versuchte ich, etwas zu arbeiten. Aber der Widerhall der lauten Stimmen aus den Moscheelautsprechern überall in der Stadt lenkte mich immer wieder ab. Das monotone Geräusch der Rezitationen prägte laut und unerbittlich die Nacht und irgendwie spürte man eine geistliche Wirklichkeit dahinter. Es war die islamische Nacht der Macht.

Ich war mir der geistlichen Bedeutung dieser Nacht bewusst und so machte ich mich auf, um mit einigen Freunden zusammen zu beten, Gott zu loben und ihn für unsere muslimischen Freunde und die islamische Welt insgesamt zu bitten. Während unseres Gebetstreffens hatte ich den starken Eindruck, dass ich für meine muslimische Freundin Amira beten sollte. Meine Freunde unterstützten mich in dieser Fürbitte.

Am nächsten Abend saß Amira neben mir in einem Anbetungsgottesdienst in unserem Stadtteil! Sie hatte mich und eine andere christliche Freundin gefragt, ob wir sie zu diesem Treffen mitnehmen könnten! Als das Treffen beendet war, löcherte mich Amira mit ihren Fragen. Ich schlug vor, dass wir zusammen die Bibel lesen könnten. Sie antwortete, dass sie sich das gerne überlegen wolle. Es war für mich überwältigend zu erleben, wie Gott unser Gebet für Amira so schnell erhört hatte und sie einen entscheidenden Schritt auf ihn zumachte. Einige Zeit später entschied sie sich, Jesus nachzufolgen.

Christen in islamischen Ländern machen oft diese Erfahrungen. Moslems in islamischen Ländern auch. Wenn rund um den Globus Gebete aufsteigen zu Gott für Seine Kinder in der islamischen Welt und für eine göttliche Offenbarung für Moslems, die Ihn suchen, dann wird Gott sich erbitten lassen.

In Jeremia 29:13+14 verspricht Gott Seinem Volk:
„Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. 
Ja,wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht,
will ich mich von euch finden lassen.“

Verschiedene andere Stellen belegen, dass dieses Versprechen nicht nur Gottes Volk, sondern allen gilt, die Ihn von ganzem Herzen suchen. Lasst uns heute gemeinsam zu Jesus rufen für eine mächtige Gottesoffenbarung in der islamischen Welt, und dass viele, die Gott suchen, Ihn in Jesus finden!

Dienstag, 25. März 2025

Über die Liebhaber des Kreuzes


Und wer nicht sein Kreuz trägt
und mir nachkommt,
der kann nicht mein Jünger sein.
(Lukas 14:27)

Der Reformer und Mystiker Thomas von Kempen wurde um 1380 im Ort Kempen am Niederrhein geboren. Mit 13 Jahren kam er in ein katholisches Internat, wo er mit einer Frömmigkeitsbewegung in Kontakt kam, die den praktizierten Glauben betonte. 1414 wurde Thomas von Kempen zum Priester geweiht.

Von Kempen schrieb viele Bücher, von denen ‚Nachfolge Christi‘ das bekannteste sein dürfte. Neben der Bibel gehört dieses 1418 verfasste Buch bis heute zu den meistverbreitetsten und übersetzten christlichen Büchern, die sowohl im katholischen, wie auch im reformatorischen und evangelikalen Raum gelesen werden. In diesem Buch schreibt Thomas von Kempen:

„Jesus hat viele, die sein Himmelreich lieben, aber nur wenige, die sein Kreuz tragen. Er hat viele, die Trost suchen, aber nur wenige, die Leid wünschen. Er findet viele, die sein Festmahl teilen, aber nur wenige sein Fasten. Alle wollen sich mit ihm freuen, aber nur wenige sind bereit, für ihn zu leiden. Viele folgen Jesus zum Brotbrechen, aber nur wenige zum Trinken des Kelches seiner Passion. Viele bewundern seine Wunder, aber nur wenige folgen ihm in der Demütigung seines Kreuzes. Viele lieben Jesus, solange sie keine Not erleiden. Viele loben und segnen ihn, solange sie Trost von ihm erfahren. Doch wenn Jesus sich zurückzieht, verfallen sie in Klagen und völlige Niedergeschlagenheit.

Wer Jesus um Seiner selbst willen und nicht um seines eigenen Trostes willen liebt, segnet ihn in jeder Not und Herzensangst, nicht weniger als in der größten Freude. Und selbst wenn er ihnen nie Trost spenden wollte, würden sie ihn immer loben und ihm danken.

Wie mächtig ist doch die reine Liebe Jesu, frei von allem Eigennutz und aller Selbstliebe! Sind sie nicht alle Söldner, die immer nur nach Bequemlichkeit streben? Verraten sie sich nicht als egozentrische Menschen, die immer nur an ihren eigenen Vorteil und Gewinn denken? Wo findet man jemanden, der bereit ist, Gott ohne Belohnung zu dienen?

Selten ist jemand so geistlich, dass er sich völlig von der Selbstliebe löst. Wer kann jemanden nennen, der wahrhaft arm im Geiste und völlig losgelöst von den Geschöpfen ist? Sein seltener Wert übersteigt alles Irdische. Selbst wenn ein Mensch alles hergibt, was er besitzt, ist es nichts. Und selbst wenn er schwere Buße tut, ist es wenig. Und selbst wenn er alle Erkenntnis erlangt, ist er noch weit von seinem Ziel entfernt. Und selbst wenn er große Tugend und glühende Hingabe besitzt, fehlt ihm doch vieles, insbesondere das „eine, was ihm nötig ist“ (Lukas 10,42). Und was ist das? Dass er sich selbst und allem anderen entsagt und sich selbst völlig verleugnet, ohne eine Spur von Selbstliebe zu bewahren. Und wenn er alles getan hat, was er tun sollte, soll er fühlen, dass er nichts getan hat. Er soll nicht für groß halten, was andere für groß halten, sondern sich wahrhaftig als unnützen Diener bekennen. Denn dies sind die Worte der Wahrheit selbst: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, so sagt: Wir sind unnütze Knechte“ (Lk 17,10). Dann kann man ihn zwar arm und nackt im Geiste nennen und mit dem Propheten sagen: „Ich bin allein und arm“ (Ps 25,16). Doch niemand ist reicher, mächtiger und freier als der, der sich selbst und allem anderen entsagt und sich an den niedrigsten Platz stellt.


Das mag in unseren Ohren etwas unrealistisch klingen, was verschiedene Gründe haben kann:

1. Sprache und Beschreibungen kamen vor 600 Jahren anders zum Ausdruck.

2. Die Menschen waren damals eher „schwarz/weiß“ Aussagen gewohnt.
3. Der Mann war abgehoben und extrem
4. Wir haben uns so weit von der Tiefe der Aussagen Jesu entfernt, dass von Kempen extrem erscheint.

Man mag unterschiedlich denken über die Radikalität der Worte eines Thomas von Kempen. Aber ohne Zweifel hat der Herr ihn gewaltig gebraucht – trotz seiner Ansichten ... oder vielleicht gerade deswegen?

Montag, 24. März 2025

Versagen ... und dann übernimmt Gott!

Heute Morgen hab ich mir das Buch Ruth online angehört – und war wieder mal erstaunt. Erstaunt war ich sowohl über die im Buch erwähnten Menschen, wie auch über die Art und Weise, wie Gott in Seiner Gnade handelt.

  1. Zunächst beginnt alles recht problematisch – mit einer Hungersnot zur Zeit der Richter. Das bedeutet, dass Israel nicht mit Gott lebte und von Ihm gestraft wurde. Denn für den Fall des Gehorsams waren üppige Ernten prophezeit.
  2. Dann verlässt ein Ehepaar, Elimelech und Naemi, mit zwei Kindern, Machlon und Kiljon, das verheißene Land. Man liest nichts von Fragen nach dem Willen Gottes. Gott kann gottesfürchtige Nachfolger auch während einer Hungersnot versorgen.
  3. In der Fremde stirbt der Familienvater, dem – zumindest scheinbar – das geistliche Wohl seiner Nachkommen keine Priorität war, denn ...
  4. Die beiden Söhne heirateten heidnische Frauen aus götzendienerischem Haus, Ruth und Orpa.
  5. Mehr Leid: beide Söhne sterben. Zurück bleiben 3 Witwen.
  6. Als sich Naemi auf den Rückweg ins verheißene Land machen möchte, schickt sie ihre Schwiegertöchter zurück in ihre Herkunftsfamilien und zurück zu ihren toten Göttern. Orpa geht zurück, Ruth will nicht. Naemi fordert sie auf (Ruth 1:15): Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihren Göttern; kehre du auch um, deiner Schwägerin nach!

Schockierend! Kann so etwas sein? Eine Jüdin, die ein Licht für die Nationen hätte sein sollen, sendet eine Schwiegertochter zurück zu ihren toten Göttern? Da war wenig übrig von irgendeinem Gottesverständnis, Glauben oder Sendungsbewusstsein.

  1. Als Naemi und Ruth in Israel ankommen, will Naemi nicht mit ihrem gegebenen Namen angesprochen werden, sondern mit „Mara“, was so viel bedeutet wie: Bitterkeit, Betrübte.

Ein vertanes Leben, das auf allen Ebenen versagt hatte – so möchte man meinen.

Dann übernimmt Gott. Das heißt – dann übernimmt Er sichtbar, denn im Hintergrund hatte Er schon lange die Fäden in der Hand. Auch während der Zeit des Versagens.

Gott führt Ruth, ohne dass sie es wusste, auf das Feld eines Verwandten, um Ähren zu lesen.

Gott gibt Ruth ein exzellentes Zeugnis unter den anderen Arbeitern und Arbeiterinnen.

Boas, der Feldbesitzer findet Gefallen an Ruth.

Ein mit Naemi näher verwandter Mann will nicht helfen und macht dadurch den Weg frei für Boas, Naemi mit ihrem Besitz zu helfen und Ruth zu heiraten.

Naemi, die alles verloren hatte und durch Bitterkeit betrübt nach Israel zurückgekehrt war, wird im Alter mit einem Erben für ihr Land gesegnet. Sowohl sie selbst, wie auch ihre Schwiegertochter, Ruth, werden gepriesen und mit Segenswünschen überhäuft. Im Alter durfte sie zur Pflegerin ihres Enkels werden.

Aber Gott hatte noch größeren, weitreichenderen Segen bereit. Ruth und Boas wurden zu  Vorfahren des Königs David (Urgroßeltern) und viele Jahrhunderte später zu Vorfahren Jesu.

Alles fing mit – keinem kleinen – persönlichen Versagen an, das jahrelang anhielt. Aber der Herr wendete das Versagen und begann eine gewaltige Segenslinie. Ähnliche Muster können wir überall in der Bibel und in der Kirchengeschichte bis heute erkennen.

Ähnliches darf jeder erfahren, der mit seinem Versagen zu Gott kommt und sein Leben Jesus anvertraut!