Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. (Johannes 17:20+21)Was für ein mutiges Gebet! Was für ein geistliches Gebet!
Was für ein Jesus Gebet! Tatsächlich frage ich mich, wie viele Christen auf der
Welt bereit sind, dieses Gebet Jesu von Herzen nachzusprechen. Dabei muss ich
mein eigenes Herz prüfen.
Ist es nicht viel eher so, dass wir zwar Einheit
anstreben, aber nur mit denen, mit denen wir uns 1:1 verstehen, mit denen wir ganz
auf einer Linie stehen? Alles andere ist uns suspekt.
Und Jesus? Klar! Er hat in Lukas 11:23 gesagt: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit
mir sammelt, der zerstreut!“ Aber liegt die Betonung wirklich auf „mit
mir“? Meint Jesus wirklich „genauso, wie ich und nicht anders“? Oder geht es
mehr ums Sammeln von Menschen für Jesus? Und hatte Jesus nicht ebenfalls gesagt
(Lukas 9:50) „Wehrt ihm nicht! Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“
In unserem besonderen Vers aus dem Johannesevangelium
betet Jesus nicht nur für Seine Jünger damals, sondern für uns heute. Sein
Gebetsanliegen – die Bitte des Sohnes Gottes an Seinen himmlischen Vater ist,
dass alle echten Christen eins sind. Nicht nur in ihrem Denken im Sinne von: „Ja, wir werden alle mal beieinander sein im
Himmel (aber
niemals auf Erden)!“
Nein! Jesus betet um eine Einheit, die für Uneingeweihte
so sichtbar ist, dass sie diese Uneingeweihten (= die Welt) zu der Einsicht bringt, dass Jesus von Gott gesandt
wurde.
Christliche Einheit als Instrument der Evangelisation.
Das geht den meisten von uns gegen den Strich! „Wir sind
wir,“ – um es mal Hochdeutsch auszudrücken. Wir wollen nur einen Glauben, der
in allen Nuancen kompatibel ist. Und dann gehen die theologischen Debatten los,
warum wir es nicht mir „denen“ können und warum wir uns von „den anderen“
fernhalten.
Wohlgemerkt, Jesus betet für Seine Jünger – damals und heute!
Jesus betet in Johannes 17 nicht für alle Religiösen, alle Mitglieder einer
Kirche oder alle, die sich „Christen“ nennen. Er betet für solche, die Christen
sind, d.h. für wiedergeborene
Jünger Jesu, die Ihm nachfolgen. Für sie betet Er, dass sie eins miteinander
sind, wie Gott Vater und Gott Sohn eins miteinander sind – eins, wie in einer
Familie.
Was (mich) am
meisten erschreckt ist die Begründung für das Gebet Jesu um Einheit: „… damit
die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“
Christliche, biblische Einheit muss nicht Übereinstimmung
in allen Glaubensfragen bedeuten, muss nicht den Zusammenschluss aller Kirchen
und Freikirchen bedeuten und muss auch nicht unbegrenzte Zusammenarbeit
bedeuten. Biblische Einheit ist kein Einheitsbrei, der schlussendlich nach
nichts mehr schmeckt oder schlimmer noch – nur noch abstößt.
Biblische Einheit ist nicht gekennzeichnet durch den
kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern durch ein großes Maß an Liebe, wie Jesus
bereits vorher gelehrt hatte (Johannes 13:35):
„Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid,
wenn ihr Liebe untereinander habt.“
Solche Liebe redet nicht schlecht über andere, sucht
nicht das ihre und achtet den anderen höher als sich selbst. (Weitere
Beschreibungen dieser Liebe in 1 Korinther 13:1-7)
Solche Liebe fördert die Einheit, die Jesus von Seinem
Vater für uns erbeten hat. Und das Ergebnis wird sein:
Die Welt wird erkennen, dass Jesus von Gott gesandt ist
(Joh. 17:21)
Die Welt wird erkennen, dass wir Jesu Jünger sind (Joh.
13:35)
Herr, hilf uns, die Einheit im Geist zu
bewahren durch das Band des Friedens! (Epheser 4:3)
PS: Eine gewaltige Predigt (in Englisch), die die Notwendigkeit für Gebet - aber auch für die Einheit der Christen betont, findest Du im Seitenfenster! Beginnt bei Minute 2:35