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Spitta wurde am 1. August 1801 in Hannover geboren. Er wuchs in einem christlich geprägten Elternhaus auf, in dem der Vater von den Hugenotten, die Mutter vom jüdischen Glauben beeinflusst war. Spitta verlor nie den Bezug zum Glauben, erfuhr aber seine persönliche Glaubensvertiefung erst während seines Studiums.
Eine Uhrmacherlehre brach Spitta ab und begann ein Studium der Theologie. Schon früh erkannte er seine Freude an der Poesie, stellte aber diese Gabe erst am Ende seines Studiums ganz und ausschließlich in den Dienst Jesu. Viele seiner tiefgreifenden Lieder und Gedichte sind in einem Buch „Psalter und Harfe“ veröffentlicht, das sich vorzüglich zur persönlichen Stille eignet.
Mit 23 Jahren, im Mai 1824 begann er als Hauslehrer, mit 27 Jahren durfte er als Hilfsgeistlicher einem kleinen Ort dienen. Mit 29 Jahren erhielt er eine Stelle als Garnisonsprediger und Gefängnisseelsorger.
Spitta hatte eine freundliche und seelsorgerliche Art, die auf den Menschen einging. Unter den Sträflingen sagte man: „Unser Pastor versöhnt uns nicht nur mit Gott, sondern auch mit unseren Eltern und Angehörigen.“ Von einem Häftling wird berichtet, dass er sich mit Tabak vom Küchendienst freikaufte, um am Gottesdienst teilnehmen zu können. Er kümmerte sich um einen zu lebenslanger Haft verurteilten Schwerkriminellen und erklärte: „In die Eisdecke über dem Herzen dieses Menschen schlug ich nicht mit dem Hammer des Gesetzes Löcher, sondern brachte sie unter die Gnadensonne des Evangeliums.“ Gott gebrauchte Spitta, und das Eis schmolz!
Philipp Spitta und einige andere Pastoren waren von der Erweckungsbewegung geprägt. Er leitete einen Hausbibelabend und war an der Gründung eines Missionsvereins beteiligt. Wenn allerdings Gott Sein Werk durch Seine Leute tut, schläft der Feind nicht. Opposition kam zum Teil durch Offiziere der Soldaten, unter denen er diente, aber auch durch rationalistisch eingestellte Amtsbrüder seiner Kirche. Spitta wurde des Mystizismus beschuldigt. Er wurde nicht verurteilt, aber wegen seiner pietistischen Einstellung wurde er kurz nach seiner Heirat mit Marie Hotzen nach Wechold versetzt, wo er gut 10 Jahre als Pastor diente. Danach wurde ihm die Aufgabe als Superintendent zugewiesen, die er mehrere Jahre erfüllte.
4 Jahre vor seinem Tod erhielt Carl Philipp Spitta am 23. September 1855 die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen. Man würdigte ihn aus Anlass der Feier des Augsburger Religionsfriedens als „Geistlichen, Dichter und gottseligen Friedensboten Christi“. Dabei wurde besonders seine glaubens- und leidensfähige Seelsorge und sein pastoraler Dienst betont.
Seine letzte Stelle als Superintendent trat er in Burgdorf an, wo er noch im selben Jahr, am 28. September 1859 starb.
Wie komme ich auf Carl Philipp Spitta? Das kleine Buch „Psalter und Harfe“ enthält viele seiner wertvollen, tiefgeistlichen Gedichte, die ich gerne in meiner Stillen Zeit als Gebet nutze oder zur persönlichen Ermutigung lese. Sehr empfehlenswert!
Zum Abschluss zwei Gedichte von Philipp Spitta:
ihre Gabe heißt Vergänglichkeit,
aufwärts zu dem Himmel mußt du sehen,
suchst du ew'ge Schön- und Herrlichkeit.
Laß zum Himmel dich die Erde weisen,
suche deine Heimat nicht auf ihr,
du mußt weiter, immer weiter reisen,
deines Bleibens ist nicht lange hier.
Wie wird uns sein,
1.
Wie wird uns sein, wenn endlich nach dem schweren,
doch nach dem letzen ausgekämpften Streit
wir aus der Fremde in die Heimat kehren
und einzieh´n in das Tor der Ewigkeit!
Wenn wir den letzen Staub von unsern Füßen,
den letzen Schweiß vom Angesicht gewischt
und in der Nähe sehen und begrüßen,
was oft den Mut im Pilgertal erfrischt!
2. Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle
des ew´gen Lichtes übergossen stehn
und – o, der Wonne! – dann zum ersten Male
uns frei und rein von aller Sünde seh´n;
Wenn wir, durch keinen Makel ausgeschlossen
und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein,
als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen,
eintreten dürfen in der Sel´gen Reih´n!
3. Wie wird uns sein, wenn wir mit Beben lauschen
dem höhern Chor, der uns entgegentönt,
wenn goldne Harfen durch die Himmel rauschen
das Lob des Lammes, das die Welt versöhnt!
Wenn weit und breit die heil´ge Gottesstätte
vom Halleluja der Erlösten hallt
und dort der heil´ge Weihrauch der Gebete
empor zum Thron des Allerhöchsten wallt!
4. Wie wird uns sein, wenn nun dem Liebeszuge
zu Dem, der uns den Himmel aufgetan,
mit ungehaltnem, sehnsuchtsvollem Fluge
die frei geword´ne Seele folgen kann!
Wenn nun vom Aug´ des Glaubens lichte Hülle
wie Nebel vor der Morgensonne fällt
und wir den Sohn in seiner Gottesfülle
erblicken auf dem Thron als Herrn der Welt!
5. Wie wird uns sein, wenn wir Ihn hören rufen:
„Kommt, ihr Gesegneten!“ wenn wir, im Licht
dastehend an des Gottesthrones Stufen,
Ihm schauen in sein gnädig Angesicht,
die Augen seh´n, die einst von Tränen flossen
um Menschennot und Herzenshärtigkeit –
die Wunden, die das teure Blut vergossen,
das uns vom ew´gen Tode hat befreit!
6. Wie wird uns sein?
O, was kein Aug´ gesehen,
kein Ohr gehört, kein Menschensinn empfand,
das wird uns werden, wird an uns geschehen,
wenn wir hineinzieh´n ins gelobte Land.
Wohlan, den steilen Pfad hinangeklommen!
Es ist der Mühe und des Schweißes wert,
dahin zu eilen und dort anzukommen,
wo mehr, als wir versteh´n, der Herr beschert.

Vielen Dank ! So wertvoll und aufbauend!
AntwortenLöschenDanke für Dein Feedback. Ja, die Gedichte / Lieder dieses Mannes, der vor 200 Jahren (!) lebte, werden auch mir immer wieder zum Segen.
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