„Der ganz banale Grund, warum wir heute darunter leiden, so wenig von Gott zu hören, ist der, dass wir nicht still sind und deshalb nichts hören.“ (Hans Peter Royer)

Freitag, 26. Juni 2026

"Du wirst dich daran gewöhnen!" (Bitte nicht!)

Bewegend, die Geschichte, die ich kürzlich las! Ein Mitglied der Gemeinde erscheint unter der Woche im Gemeindehaus seiner Kirche und sieht den neuen Pastor am Fenster seines Arbeitszimmers stehen. Er weint! Während er hinaus auf die tragischen Zustände der Innenstadt blickte, laufen ihm die Tränen über‘s Gesicht.

Der Besucher meint es gut mit seinem Pastor, geht auf ihn zu, legt ihm die Hand auf die Schulter und versuchte, ihn zu trösten. „Mach dir keine Sorgen,“ sagt er. „Wenn du erst einmal eine Weile hier bist, wirst du dich daran gewöhnen.“  Der Pfarrer antwortete: „Ja, ich weiß. Darum weine ich!“

Dass der Herr doch auch uns Tränen schenken möge. Mehr als Singen, Tanzen und Jubeln wären solche Tränen Zeugen echter Erweckung. Erschreckend sind die Worte Gottes an Sein Volk Israel (Jeremia 2):

32 Vergisst auch eine Jungfrau ihren Schmuck, oder eine Braut ihren Schleier? Aber mein Volk hat mich vergessen seit unzähligen Tagen. 33 Wie gut weißt du deinen Weg einzurichten, um Liebe zu suchen! Darum hast du dich auch an Verbrechen gewöhnt auf deinen Wegen.

Die Braut hat ihren Bräutigam vergessen, Israel seinen Gott, die Gemeinde ihren Herrn! Andere Liebschaften wurden gefunden. Ersatz, der weniger fordert und mehr den Moment sucht. Ersatz, der sich an das Leid der Innenstädte, der Menschen, der Welt gewöhnt hat.

Jakobus schreibt von einer traurigen, aber realen Möglichkeit im Haus des Herrn (Jakobus 2:15+16):

„Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was hilft ihnen das?

Jakobus schreibt über das, was tatsächlich möglich ist: über eine Verhärtung unserer Herzen, eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Welt. Ähnlich drückt sich Johannes aus (1 Johannes 3:17):

"Wer aber die Güter dieser Welt hat und seinen Bruder Not leiden sieht und sein Herz vor ihm verschließt — wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?"

Es gibt viele weitere Aufforderungen im Wort Gottes, die uns mahnen, darauf zu achten, dass unsere Herzen nicht hart werden, ohne Barmherzigkeit und Gnade. Paulus schreibt (Römer 12:15):

Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!

Und durch den Hebräerbrief ruft Gott uns zu (Hebräer 13:3):

Denkt an diejenigen, die im Gefängnis sind. Fühlt mit ihnen, als wärt ihr selbst dort. Teilt das Leid derer, die misshandelt werden, als würdet ihr ihren Schmerz am eigenen Körper spüren.

Lieber Leser, lasst uns Gott bitten, dass Er selbst unsere Herzen empfänglich hält (oder macht) für Sein Erbarmen und Seine Liebe zu den Menschen. Gott warnt vor kalten Herzen (Matthäus 24:12):

Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten.

Ein altes Lied, dass mir oft in den Sinn kommt und ins Herz geschrieben ist, heißt es:

„Herr lege Seelen mir aufs Herz und liebe sie durch mich!
Und mög´ ich flehen himmelwärts, gewinnen sie für Dich!“

 Amen!

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