„Ich habe wahrhaftig fröhliche Christen nur an drei Orten gefunden: In der Bibel, in der Untergrundkirche und im Gefängnis.“ (Richard Wurmbrand)

Mittwoch, 8. Juni 2011

Unrasiert und barfuss

Kennst Du die Anbetungslieder „Awesome God“ „Step by Step“ (auch bekannt als: O God, You are my God)? Diese und andere Lieder wurden von Rich Mullins geschrieben und gesungen. Seine Lieder wurden gesungen von Größen wie Rebecca St. James, Third Day, Jars of Clay; Hillsong United, um nur einige zu nennen.

Bereits als Kind machte Rich seine ersten Erfahrungen mit der Musik, unterstützt durch seine Urgroßmutter. Erst mit 30 Jahren nahm er sein erstes Album auf, nachdem er zuvor für andere geschrieben hatte. Mit 40 Jahren zog er in das Indianerreservat der Navajos in New Mexico, wo er bis zu seinem Tod Kindern Musik unterrichtete. Er starb mit 41 Jahren durch einen Verkehrsunfall.

In mancherlei Hinsicht war Rich Mullins anders. Als Komponist und Sänger betrachtete er Musik nicht als das Höchste im Leben. Er verstand seine höchste Berufung darin, Menschen zu lieben, Christen wie Nichtchristen, Freunde wie Feinde.

Zu manchen seiner Konzerte erschien er unrasiert und barfuss – zum Ärger der Musikszene.
Um einem Kultstatus zu entgehen, bekannte er sein Versagen und seine Sünden öffentlich. Der Erlös seiner Alben und Konzerte floss an ihm vorbei direkt an seine Gemeinde.

In einem Artikel im Christian Musician Magazine schreibt der Autor, Keith Bordeaux: ”"Mehr als jede andere Person, die ich kenne eiferte Rich Mullins danach, Christus-ähnlich zu sein."

In fast allem, was ich von diesem Sänger und Komponisten gelesen oder gesehen habe wurde eines deutlich: Der Mann war ein begabter, aber einfacher Mensch – der nicht nach den hohen Dingen des Lebens trachtete, obwohl er sie hätte erreichen können. Sein Ziel war es, Jesus sichtbar zu machen. Auf einem Spatziergang mit einem Freund sagte er:

„Musik ist mein Beruf. Mein Leben ist Dienst. Dienst geschieht täglich. Wie verlasse ich, zum Beispiel, das Hotelzimmer, wenn ich abreise?  Verlasse ich es mit schmutzigen Handtüchern überall und leeren Flaschen auf dem Boden? Verlasse ich das Zimmer und lasse ein kaputtes Zimmer zurück, so dass das Zimmermädchen denkt: „Ich bin ja nur ein Zimmermädchen und nicht wichtig. Ich habe diese Unordnung verdient.”  Oder hinterlasse ich all die schmutzigen Handtücher auf einem Haufen; leere den Aschenbecher aus und kümmere mich um meinen Müll, so dass das Zimmermädchen beim Hineinkommen denkt: „Ich bin ein Zimmermädchen. Mein Leben ist wichtig. Ich habe Würde.“

So war Rich Mullins: manchmal unrasiert und barfuss, schlicht, demütig und nicht interessiert an den Gütern dieser Welt. Aber interessiert, Jesus zu gefallen, seine Mitmenschen zu lieben und Jesus zu bezeugen – durch Worte und Taten – selbst einem Zimmermädchen gegenüber, dass er vielleicht nie gesehen hat.

Vielleicht brauchen wir heute solche Jesusjünger, denen nicht die schönsten und bequemsten Schuhe und das neuste Rasierwasser wichtig ist, sondern der Mensch nebenan – und über allem: unser Herr im Himmel!

Dienstag, 7. Juni 2011

Extrem für Gott?

Nathan Barlow lebte von 1912 bis 2004. 1945 reiste er mit seiner Frau und vier Kindern von Amerika nach Afrika, wo er als Missionar und Arzt in Äthiopien diente. Dr. Barlow ist in einigen südlichen Gebieten bis heute eine Legende. Er wagte alles, schwierige Verfahren und Operationen, an die sich niemand sonst im Land traute. Seine Hauptleidenschaft galt jedoch dem Bau des Reiches Gottes.

Als er Kontakt zum Murzi Stamm bekam, wütete dort das Gelbfieber. Viele starben. Sprachbarrieren machten eine vernünftige Kommunikation fast unmöglich. Aber es gelang ihm, den Einheimischen eines zu vermitteln: „Ich habe keine Medizin gegen Gelbfieber. Aber in meinem Blut habe ich Medizin (Impfstoff). Mein Blut kann euch entweder heilen oder töten. Ohne mein Blut werdet ihr wahrscheinlich sterben. Ich gebe es euch gerne!" Alle nahmen sein Angebot dankend an.

Durch IV spendete Dr. Barlow soviel Blut, dass es ihn an den Rand der Ohnmacht brachte. Das war typisch für ihn. Am nächsten Morgen hatte sich das Serum vom Blut getrennt und er injizierte es unter Gebet den Stammesleuten, die ihn besuchten. Alle überlebten. Auf seine Bitte hin wurde diese Handlung erst nach seinem Tod bekannt.

Ein anderer Bericht erzählt von furchtbaren Zahnschmerzen, die Dr. Barlow einmal hatte. Um einen Zahnarzt zu finden, musste er leider weit fliegen. Mit klaren Worten erklärte er dem Zahnarzt, dass er nie wieder wegen seiner Zähne die Missionsstation verlassen wolle. Die Konsequenz war, dass er sich alle Zähne ziehen und eine Prothese herstellen ließ.

Erst kürzlich habe ich von Nathan Barlow gelesen und dann im Internet mehr über ihn erfahren. Lasse ich mir jetzt alle Zähne ziehen? Nein. Aber ich lasse mich inspirieren von denen, die vor mir hergegangen sind – hingegebene Zeugen Jesu Christi, die keine Opfer – ich meine KEINE Opfer – scheuten. Die Zeit, die Gott ihnen auf Erden geschenkt hatte, um Sein Reich zu bauen, war zu kostbar, um sie zu vertun. Das Saatkorn ihres Lebens haben sie gut eingesetzt – in der Erde dieser Welt sind sie der Welt gestorben – zu einer Pflanze für Jesus geworden und haben Frucht für ihn gebracht. Extrem für Gott? Wahrscheinlich schon, in den Augen vieler, die Gott nicht kennen. Aber nicht extrem in Realität. Gott ist unser Alles wert!

Ich bin noch nicht da – aber dahin möchte ich kommen! Kommst Du mit?

Montag, 6. Juni 2011

Vorbereitung auf den Tod

Die Geschichte erzählt von einem Hofnarren, dem der König ein goldenes Zepter überreichte. Er solle es demjenigen geben, der ein noch größerer Narr sei als er selbst. Der Hofnarr machte sich auf und durchzog suchend das ganze Land, um einen größeren Narren zu finden, als er selbst einer war. Zur gleichen Zeit erkrankte der König ernsthaft und merkte bald, dass seine letzte Stunde gekommen war. Schnell rief man den Hofnarren, um den König ein wenig zu erheitern. „Bald werde ich eine lange Reise antreten, von der ich nicht zurückkehren werde,“ erklärte der König traurig. „Nun,“ fragte der Narr, „wo geht die Reise denn hin?“ „Das weiß ich leider bis jetzt immer noch nicht,“ war die leise Antwort des immer schwächer werdenden Königs. „Habt Ihr denn nichts von dieser Reise gewusst?“ kam die erstaunte Frage. „Gewiss,“ so die Antwort des Königs. „Ich wusste mein ganzes Leben lang davon.“ „Dann hat Eure Hoheit diese wichtige Reise sicher bestens vorbereitet,“ erwiderte der Narr. „Nein,“ meinte der König. „Das habe ich leider versäumt, nicht wissend, dass ich so bald würde aufbrechen müssen.“

„Der König wusste sein Leben lang von dieser überaus wichtigen Reise, hat keinen Gedanken an die Vorbereitung darauf verschwendet und weiß bis heute nicht, wohin er reisen wird. Einen größeren Narren habe ich im ganzen Land nicht gefunden,“ schloss der Hofnarr und gab traurig das Zepter an den sterbenden König zurück.

Obwohl wir täglich mit dem Tod konfrontiert werden, täglich die Todesanzeigen der Tageszeitung durchsehen, verstehen wir es meisterlich, ihn aus unseren Gedanken und Vorbereitungen zu verdrängen. Erst Katastrophen, hohes Alter oder Krankheit bringen ihn wieder nahe. Aber um fünf Minuten vor zwölf fehlt vielen die Ruhe und der klare Gedanke. Es ist zu spät geworden, die große Reise vorzubereiten. Mose betet in Psalm 90:12:

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, 
damit wir klug werden!“

Gottes Wort enthält eine Fülle von Versen, die uns bei diesem „Bedenken“ helfen und uns klug machen. Hier eine Auswahl:

  • Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. (Hebräer 9:27)
  • Mache dich bereit, deinem Gott zu begegnen, (Israel)! (Amos 4:12)
  • Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Johannes 3:36)

Sei kein Narr! An der Reise kommt kein Mensch vorbei. Niemand muss diese Reise furchtsam oder unsicher antreten. Den Kopf in den Sand zu stecken hilft ebenso wenig, wie das ständige Aufschieben. Bereite Dich vor. Um fünf Minuten vor zwölf wirst Du dankbar dafür sein!

Noch Fragen? Hilfe gesucht? Schreib mir an: pastor(at)ccfg.de  {ersetze (at) durch @}

Sonntag, 5. Juni 2011

Der Mariannengraben

Kennst Du die tiefste Stelle des Meeres? Die geologisch Interessierten wissen: Es ist der Marianengraben im Pazifischen Ozean, genau gesagt, die Vitjas Tiefe innerhalb dieses Grabens. Die Messung besagt, dass das Meer dort 11034 Meter tief ist.

In Micha 7:19 spricht der Prophet dem Volk Gottes zu:

Er wird sich wieder über uns erbarmen, 
unsere Missetaten bezwingen.
Ja, du wirst alle ihre Sünden in die Tiefe des Meeres werfen!

Dadurch wird zum Ausdruck gebracht: Gott nimmt die Schuld Seines Volkes und versenkt sie dort, wo sie  NIE WIEDER gesehen, gefunden, hervorgeholt oder verwendet werden kann. Gründlicher hätte man sich der Schuld nicht entledigen können.

Aber an noch etwas erinnern die Tiefen des Meeres.

Hast Du einmal vor einem Brunnen gestanden, dessen Boden Du nicht erkennen konntest? Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz für jeden Menschen zu sein, dass er wissen möchte, wie tief ein solcher Brunnen ist. Darum schmeißt man kleine Steinchen hinab in die Tiefe und lauscht. Wenn man dann nichts hört, nimmt man einen größeren Stein. Wenn man immer noch nichts hört, einen großen Stein. Wenn man dann irgendwann einen leisen, dumpfen Schlag hört, weiß man, dass der Brunnen tief ist.

Ein Sprichwort besagt: „Du kannst die Tiefe eines Brunnens herausfinden, indem Du ein Seil hinab lässt.“

Wie kann ich die Tiefe der menschlichen Sünde und Verlorenheit, die Tiefe der menschlichen Hoffnungslosigkeit herausfinden? Indem ich mir das Seil der Liebe Gottes anschaue, das Gott herabgelassen hat. WAS FÜR EIN WEG, den der Sohn Gottes gegangen ist, um uns zu retten! Es war nicht die „extra Meile,“ die Er gegangen ist oder „der kleine Zuschlag“, den Er gegeben hat. Es war eine Reise aus der Ewigkeit in die Zeitlichkeit – aus der Unbegrenztheit in die Begrenztheit – aus der Schöpferzentrale in die Schöpfung – aus der Vollkommenheit in die Kaputtheit – aus der Ordnung in das Chaos – aus der Liebe in den Hass – aus der Göttlichkeit in die Menschlichkeit – aus der Heiligkeit in die bodenlose Verdorbenheit. Soll ich weiter aufzählen? Wie tief ist die menschliche Verlorenheit und Sünde? Schau auf das Seil der Liebe Gottes, das Gott hinab lassen musste. Unbeschreiblich lang und tief! „Wie tief muss Gottes Liebe sein …“

Und jetzt verbinden sich diese beiden Tiefen: Jesus kam hinab in unsere Tiefen. Tiefer ging es nicht. Tiefer konnte Er nicht kommen. Ganz hinunter erniedrigte Er sich – bis zu uns. Und dann vollbrachte Er alles: Litt – starb stellvertretend – erstand zu neuem Leben – und bietet uns Vergebung und Neues Leben als Geschenk an, indem Er unsere Sünden in die bodenlose Tiefe versenkt. Für immer! Gegenüber der Tiefe, in die Er unsere Sünden versenkt, ist der Marianengraben lediglich eine austrocknende Pfütze.

Kennst Du die Vergebung, die Jesus schenkt? Gründlich! Ewig! Und befreiend?  Ich kenne sie, und ich preise Jesus dafür bis in Ewigkeit.

Fragen?  Schreib mir unter: pastor(at)ccfg.de  (ersetze (at) durch @)

Samstag, 4. Juni 2011

Zeit mit Gott

Francis Chan schreibt in seinem Buch „Mein Leben als Volltreffer“, dass Christen in den Vereinigten Staaten täglich im Durchschnitt 10 Minuten Zeit mit Gott verbringt. Ich fürchte, der Durchschnitt bei uns in Deutschland könnte noch darunter liegen!

Nun kommt es natürlich immer darauf an, aus welchem Blickwinkel ich die Dinge sehe. Zehn Minuten sind mit Sicherheit besser als 3 Minuten; drei Minuten besser als gar nicht. Auf der anderen Seite muss ich neben die 10 Minuten mit Gott auch die anderen Dinge stellen, für die ich mir Zeit nehme.

Im gleichen Abschnitt erwähnt Chan, dass der Durchschnittsamerikaner über 5 Stunden täglich vor dem Fernseher verbringt. (Umfrage in Deutschland: 3 Stunden, 7 Minuten).
Nun muss es natürlich nicht unbedingt der oft bemühte Fernseher sein. Andere vertreiben sich die Zeit mit dem Internet, Sport oder anderen Hobbys. Nichts davon ist grundsätzlich verwerflich. Die Frage ist: Wie viel von mir fließt ins Reich Gottes? Eigentlich gehört ja alles meinem Herrn, meine Zeit, meine Kraft, meine Zukunft, mein Geld, meine Freundschaften – alles! Aber wie viel von jedem Bereich meines Lebens erhält und bestimmt Gott in Realität? Und da jeder Bereich meines Lebens mit Zeitinvestition verbunden ist, kommen wir zurück zum Anfangsgedanken: „Wie viel Zeit habe ich für Gott?“

„Die Stunde am Sonntagmorgen gehört Gott!“ sagt der eine. Der andere fügt zum wöchentlichen Gottesdienst noch 15 Minuten „Stille Zeit“ pro Tag hinzu. Jemand anders besucht zusätzlich die Bibel- oder Gebetsstunde? Wie viel Zeit verbringst Du mit Gott?

Gottes Wort macht deutlich, dass wir konkrete Zeit mit unserem Herrn jeden Tag brauchen. Psalm 59:17 ist nur ein Vers aus vielen:

Ich aber will deine Macht besingen 
und jeden Morgen deine Gnade rühmen,
dass du mir eine sichere Burg warst, 
und ein Zufluchtsort am Tag meiner Bedrängnis.

Gottes Wort macht auch deutlich, dass der Sonntagmorgen allein zu wenig ist. (Apostelgeschichte 2:46)

Täglich verharrten sie einmütig im Tempel
und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel 
und Schlichtheit des Herzens

Sicher möchte Gott keine Zwangsbesuche in der Gemeinde und keine „Stille Zeit,“ die durch ein schlechtes Gewissen motiviert ist. Gott möchte, dass der Hunger nach Ihm uns in Seine Gegenwart treibt und in die Gegenwart derer, die Ihn lieben. Vielleicht müssen wir hier anfangen und zu Ihm schreien: „Herr, sende einen Hunger nach Dir und einen Durst nach Deinem Wasser!“

In einem Artikel über „Leidenschaft“ schreibt Floyd McClung
„In den Himmel können Sie ohne viel Gebet kommen. Auch wenn Sie täglich nur eine Minute Stille Zeit halten, wird Gott Sie lieb haben. Aber auf der Ebene einminütiger Konversation mit Gott werden Sie kein „Gut gemacht, Du guter, treuer Knecht“ hören. Und ganz sicher werden Sie mit dieser Art Gebetsleben nicht durchhalten in den harten, rauen Gebieten, in denen Jesus noch nicht bekannt ist und angebetet wird.“

Zeit mit Gott hat viel Konkurrenz in unserer Zeit. Aber Zeit mit Gott ist ohne Konkurrenz, wenn es um das Ergebnis geht. Nimm Dir Zeit mit Gott!

Freitag, 3. Juni 2011

Wie redest Du mit Gott?

Ich bin dankbar, dass ich einen Vater im Himmel habe – und einen Freund, Bruder und Fürsprecher. Das reicht mir. Ich brauche keinen „Buddy“ im Himmel, keinen Kumpel oder „Spezi.“ Einen himmlischen Vater, den ich „Papa“ nennen darf und einen Bruder, der gleichzeitig mein Freund und Fürsprecher ist – was brauche ich mehr? Aber trotz dieser Vertrautheit mit meinem Gott stelle ich fest, wie anders ich mit Ihm rede, im Vergleich zu denen, die sichtbar vor mir stehen.

Mit meiner Frau rede ich offen, gefühlvoll und spontan.
Mit meinem Freund rede ich ehrlich, Klartext und emotional.
Mit meinem Bruder oder meiner Schwester rede ich, wie mir „der Schnabel gewachsen ist.“ Da fallen auch schon einmal deutliche oder auch zu deutliche und zu harte Worte.
Mit meinem Vater rede ich respektvoll und dennoch ehrlich und offen.

All das ist kein Problem. Das kommt spontan, direkt aus dem Herzen, ohne großes Nachdenken und Vorformulieren. Mit Menschen auf dieser Vertrautheitsebene brauche ich auch nichts zu beschönigen oder zu färben. Ich kenne meine Gegenüber und sie kennen mich.

Warum fällt es mir so schwer, mit meinen Vater im Himmel, meinem „himmlischen Papa“ ungezwungen zu reden? Warum meine ich, bestimmte Worte benutzen zu müssen und andere nicht benutzen zu dürfen?  Und ich weiß, dass ich mit diesen Fragen nicht alleine bin.

Warum beschreibe ich meine Gefühle mit moderaten Adjektiven, wenn ich mich in Wirklichkeit so schlecht fühle wie nie zuvor? Warum versuche ich, meine Sünde mit Worten zu verschönern, wenn ich sehr wohl weiß, wie hässlich sie ist? Warum kleide ich das, was in meinem Herzen kocht und in meinen Gedanken wütet, in wohlklingende Worte, wenn ich sie an Gott richte?

Tatsache ist: Gott kennt und hört die unausgesprochenen Worte sowieso. Ich bin überzeugt, dass Er die spontanen, ungesagten Worte unseres Herzens lauter und deutlicher vernimmt als die schöngefärbten Klänge, die über unsere Lippen kommen.

Ich meine, wir müssen es lernen – zumindest in unserer persönlichen Audienz* bei unserem „himmlischen Papa“ – uns so auszudrücken, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Der Psalmist fordert uns auf: 

„Vertraue auf ihn allezeit, o Volk, schüttet euer Herz vor ihm aus! 
Gott ist unsere Zuflucht.“ (Psalm 62:9)

Unser Herz schütten wir aus, indem wir rauslassen, was drin ist – ungeschminkt, wie es sich vorfindet. Gott weiß es eh. Ehrlichkeit und Offenheit mit unserem „Papa im Himmel“ – das bringt Vertrautheit und das gefällt Gott.

Vertraue Ihm; Du darfst kommen, wie Du bist, mit Ihm reden, wie Du möchtest, Er hält das aus! Gott freut sich mehr über Dein ehrliches, ungefiltertes Herzensgebet, als über das vorformulierte, unemotionale „Gebet“ eines Menschen, der ohne Herz betet.

* In Gebetsgemeinschaften ist es manchmal weise, unsere Worte anzupassen. Auch im zwischenmenschlichen Umgang in der Gruppe vermeide ich bestimmtes Vokabular um Anstoß zu vermeiden. Aber im persönlichen Umgang mit dem Einen, der die tiefsten Tiefen meines Herzens und meiner Gefühle kennt und der meine Worte kennt, bevor ich sie formuliere – bei dem ist die Wortwahl unwesentlich.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Nicht Murren – Beten!

Ich arbeite dran. Immer wieder. Manchmal glaube ich, es wird langsam besser. Dann lege ich mich wieder hin. Aufstehen – Neustart – Weiterlernen. Es gibt aber auch so viel, über das man sich auslassen könnte.

  • Von jemandem, der im Internet eine „politische Meckerseite“ aufgebaut hat, hab ich heute gelesen. Da wird ihm der Stoff sicher nicht ausgehen.
  • Das Wetter hat heute bei einigen sicher auch viel Stöhnen hervorgerufen. Ein einziger langer Regentag.
  • Gestern allerdings wars zu heiß. Ganz klar!
  • Dass Tanken, Medizin und Urlaubskosten permanent steigen ist schon eine Zumutung.
  • Und das Gezetere und Wischiwaschi betreffs der Atommeiler führt zu gar nichts.
Das sind natürlich nur einige wenige Hilfestellungen für solche, denen vielleicht der Stoff zum Murren mal ausgegangen ist, so unwahrscheinlich ein solcher Gedanke auch ist.

Kürzlich besuchte ich einen Freund, den ich wegen seiner Freundlichkeit und Barmherzigkeit ziemlich schätze. War er nicht gut drauf? Erwartete ich zu viel? Aber er hat in der Tat in der kurzen Zeit meines Besuchs mehr gemurrt als sonst etwas gesagt.

Israel war ein murrendes Volk. Sie murrten in Ägypten, und sie murrten, als Gott sie befreit hatte. Einmal murrten sie aus Todesangst, wieder in die Hände der Ägypter zu fallen, ein andermal vor Heimweh nach der alten ägyptischen Heimat.

In Johannes 6:43 fordert Jesus seine Jünger auf: „Murrt nicht untereinander!“
In 1. Korinther 10:10 nimmt Paulus auf das Alte Testament Bezug und sagt den Jesusjüngern in Korinth: „Murrt auch nicht, so wie auch etliche von ihnen murrten und durch den Verderber umgebracht wurden.“

Wir Christen haben doch eine ganz andere, eine viel höhere und effektivere Möglichkeit, unseren Unwillen und unser Missfallen loszuwerden. Wir können beten! Und wir können danken! Das ist eine unschlagbare Kombination! Wenn Unwillen und Missmut aufkommen, fang einfach mal an, dem Herrn für alles zu danken, was Er Dir Gutes getan hat, was Dir im Moment gut tut und was Er Dir an guten Perspektiven für die Gegenwart und Zukunft versprochen hat. Wenn dann immer noch ein Rest-Unwillen oder Rest-Missmut verblieben ist, dann bring das am Schluß im Gebet als Fürbitte zu Gott. Ich glaube, solch ein Verfahren läßt Deinen Tag sonnig werden, auch wenn es draußen regnet!

Mittwoch, 1. Juni 2011

Die ihr Leben riskieren ...

Das hat mich schon angesprochen, was ich da las. Es geht um unsere Geschwister im Iran. Da gibt es Christen in Hauskreisen, die jeden Tag eine Bibel verschenken. Richtig: BIBEL – IRAN – VERSCHENKEN! Irgendwie passt das ja alles nicht so recht in einen Satz. Aber so war es zu lesen. Zunächst trifft man sich, betet über den Bibeln und dem Einsatz, nimmt sich 7 Exemplare und gibt sie dann weiter – eine Bibel jeden Tag. Solche Aktionen im Iran können die Todesstrafe nach sich ziehen. Aber das Risiko ist man bereit, einzugehen.  Allein in der 8 Millionen Metropole Teheran soll es 100.000 Hauskirchenmitglieder geben. Und ihre Zahl wächst. Cari Moeller, Open Doors Direktor in den USA, behauptet, dass verfolgte Christen in Ländern der Verfolgung anders über Verfolgung denken als Christen in der freien Welt. In Mission Network News berichtet er von einem iranischen Gläubigen, der kürzlich aus dreiwöchiger Folter entlassen wurde. Moeller berichtet: „Mit dem größten Lächeln hob er seine Faust mit dem nach oben gestreckten Daumen und sagte: Ich wurde für würdig befunden, für meinen Herrn Jesus Christus zu leiden!“  Manch einer denkt vielleicht: Der gute Bruder hat was abgekriegt. Wie kann er sonst so denken. Märtyrerkomplex, oder was?  Und doch kommt einem das irgendwie bekannt vor, oder?

In Apostelgeschichte 5 haben wir das biblische Vorbild. Petrus und Johannes waren gefoltert worden und nach ihrer Freilassung lesen wir:

Die Apostel aber verließen den Hohen Rat voller Freude darüber, dass Gott sie dazu auserwählt hatte, für Jesus Verachtung und Schmerzen zu ertragen. Sie lehrten weiter jeden Tag öffentlich im Tempel und auch in Häusern und verkündeten, dass Jesus der Christus ist, der schon lange erwartete Retter. (Apostelgeschichte 5:41+42)

Solche Berichte von damals und aus der heutigen Zeit beschämen und fordern heraus. Ich will meinen Mund aufmachen. Ausgelacht werden oder als hinterwäldlerisch bezeichnet zu werden – das tut nicht weh. Im Gegenteil: das gehört dazu, zu unserem Christsein.
  • Die Erfahrung der Apostel war: Unter Druck wuchs die Gemeinde Jesu am besten.
  • Die Erfahrung im Iran scheint zu bestätigen: Unter Druck wächst das Reich Gottes am besten.
Kann es sein, dass das auch unsere Erfahrung sein würde, wenn wir bereit würden, uns dem Druck zu stellen? Wäre einen Versuch wert.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht 
in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; 
wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12:24)