„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46:10a)

Montag, 28. September 2026

Wenn man nicht mal mehr beten kann ...

Wer kennt diese Stunden oder Tage nicht, an denen die Welt stillzustehen scheint? Tage, an denen nichts mehr geht; Tage, die man wie im Traum verbringt und deren Ende man sich nicht vorstellen kann.

Ich saß am Bett einer Seniorin, einer gläubigen Frau. Sie war krank, vielleicht lebensbedrohlich krank; ohne Kraft, aufzustehen, ohne Kraft für irgendetwas. Gemeinsam mit ihrem Mann meisterte sie die Seniorenjahre. Jetzt war ihr Ehepartner gebrechlich und auf ihre Hilfe angewiesen. Sie hatte Angst. Pure Angst. Nicht Angst vor dem Sterben. Das war – aus der Kraftlosigkeit geboren – fast ihr Wunsch. Nein, es war die Angst, ihrem hilflosen Ehemann nicht helfen zu können und ihn im Todesfall zurücklassen zu müssen. Und so saß ich an ihrem Bett, fischte nach Worten und versuchte, ein offenes Ohr zu haben, wenn die Seniorin versuchte, etwas zu sagen. Irgendwann brach sie in Weinen aus und meinte: „Ich kann nicht mehr! Ich kann nicht mehr die Bibel lesen (das hätte ich in ihrem Zustand auch nicht mehr gekonnt) und ich kann auch nicht mehr beten. Ich bin ohne jede Kraft. Bete Du!“ 

Sie ist ist nicht die Einzige, die durch Täler geht, zu dunkel, um den Weg zu sehen. Sie ist nicht die Einzige, die durch Zeiten geht, in denen die Worte zum Gebet fehlen und das lebendige Wort Gottes nicht mehr als Druckerschwärze zu sein scheint. Erleichternd ist die Tatsache, dass Gott unsere Empfindungen kennt und versteht. In der Schrift heißt es in Hebräer 4:15: 

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, 
der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, 
sondern einen, der in allem versucht worden ist
in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde.“ 
 
Jesus versteht! Er versteht uns! Er versteht Dich! Er leidet mit uns. Er nimmt uns nicht immer alles ab, was Er uns abnehmen könnte. Aber er ist bei uns, trägt uns, trägt uns hindurch, erträgt uns und liebt uns ungebrochen! Er hält uns fest!
 
Wichtig wurden mir in diesem Zusammenhang zwei Verse. In meiner Stillen Zeit las ich kürzlich in 2. Samuel. Hier wird von dem sehr alten Barsillai geschrieben, der David entgegenkam, als dieser nach seiner Flucht wieder in Jerusalem einzog. Barsillai hatte für den König gearbeitet und war ihm treu geblieben. Jetzt wollte David ihm Gutes tun und lud ihn ein, mit ihm an den königlichen Hof zu kommen. Barsillai will aber lieber seinen Lebensabend in seinem vertrauten Heimatort verbringen und antwortet David:  (2. Samuel 19:37+40) 
 
Dein Knecht würde nur auf kurze Zeit 
mit dem König über den Jordan gehen; ...
Und als das ganze Volk den Jordan überschritten hatte, 
ging der König auch hinüber;
und der König küsste den Barsillai und segnete ihn.
Darauf kehrte dieser wieder an seinen Ort zurück.  
 
Eigentlich unauffällige Worte. Der Gedanke, der mir beim Lesen der Verse durch den Kopf ging, war dieser: Manchmal ist es einfach genug, ein Stück Wegs an der Seite des Herrn zu gehen. Nicht die fetten Speisen am Königshof, nicht die Ehre, ständig einer der engsten Freunde zu sein – einfach still auf dem Weg des Königs neben dem König herzugehen. Manchmal brauchen wir nicht mehr zu tun, manchmal können wir gar nicht mehr tun. Aber das Ende davon, dass wir still neben Ihm hergehen, ist, dass ER uns am Ende küsst und segnet.
 
Halte Dich fest an der Tatsache, dass Jesus Dich versteht, dass Er in allen Tälern bei Dir bleibt und es manchmal reicht, einfach ein Stück unseres Wegs neben Ihm herzugehen. Am Ende stehen sein Kuss und Sein Segen.
 
Der Herr segne Dich!

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