„Der ganz banale Grund, warum wir heute darunter leiden, so wenig von Gott zu hören, ist der, dass wir nicht still sind und deshalb nichts hören.“ (Hans Peter Royer)

Dienstag, 7. Juli 2026

Biographie: Girolamo Savonarola

Wenn ich als Evangelikaler katholische Helden haben würde, wäre Savonarola unter den ersten. Aufmerksam wurde ich auf ihn durch die „Die Meistergeige“, eine Erzählung von Ernst Schreiner. Seitdem fällt mir sein Name ins Auge, wenn er irgendwo steht und ich habe mich auch sonst ein wenig mit ihm beschäftigt.

Girolamo Maria Francesco Matteo Savonarola wurde am 21. September 1452 im italienischen Ferrera geboren. Mit sechs weiteren Geschwistern wuchs er auf und erwarb als junger Student den Masterabschluss in Sprach-, Kultur- und Geisteswissenschaften. Im Alter von 22 Jahren wurde er Novize in einem Kloster der Dominikaner. Etwa 2 Jahre später begann er seinen Predigtdienst. Wie Martin Luther einige Jahrzehnte später hatte Savonarola einen starken Drang zum Lesen und Studieren der Heiligen Schrift und stellte sie über die Beschlüsse der Kirche und der Päpste. Er wurde zu einem lauten Kritiker seiner Kirche und rief unermüdlich zur Buße auf. Dabei bedeutete Buße nicht nur Lippenbekenntnis, sondern Umkehr, Abkehr und konkrete Schritte eines veränderten Lebens. Seine Predigten mit starker Kritik an Kirche und Ungerechtigkeit im Staat führten leider auch in die Politisierung seiner Lehr- und Predigttätigkeit.

Im Alter von 47 Jahren wurde ihm vom Papst das Predigen verboten. Das hielt Savonarola nur kurze Zeit aus, bevor er wiederum gegen Unarten und Missstände der Kirche predigte. Im „Fegefeuer der Eitelkeiten“ wurden auf Befehl Savonarolas auf einem Scheiterhaufen Symbole der Verkommenheit verbrannt, die entweder beschlagnahmt oder freiwillig gebracht und ins Feuer geworfen wurden. (Ok, das war eine fragliche Aktion. Fraglich wäre es allerdings auch gewesen, z.B. pornografische Schriften in den Häusern der „Christen“ zu haben). Keine Frage, dass der Vorreformator Savonarola sich durch sein z.T. überstrenges Vorgehen nicht nur Freunde machte. Die herrschende Klasse und die katholische Kirche schauten argwöhnisch auf diesen Bürger in Florenz.

Als die Stimmung kippte und Savonarola an Einfluss verlor, erzwang der Papst die Gefangennahme des Predigers. Savonarola wurde weggesperrt, gefoltert und zum Tod verurteilt. Am 23. Mai 1498, im Alter von nur 45 Jahren starb Savonarola durch Erhängen. Sein Leib wurde anschließend verbrannt und die Asche verstreut.

Während der kirchliche Historiker Cyriacus Spangenberg Savonarola als „vorlutherischen Reformator“ beschrieb, bezeichnete ihn Martin Luther in einem Vorwort zu einer von Savonarolas letzten Schriften als „heiligen Mann“.

Natürlich hat die Biographie eines jeden Menschen Flecken. Für evangelikale Christen ist das Leben und Glaubensleben von Christen des Mittelalters manchmal schwer nachzuvollziehen. In einer Zeit, als es kaum etwas anderes gab als die (fast) allmächtige katholische Kirche, war es nicht einfach, den biblischen Glauben zu leben ... oder überhaupt zu kennen. Savonarola war einer von denen, die Gottes Wort liebten, studierten, lehrten und lebten. Und sicher war er auch ein Wegbereiter der Reformation, die Gott nur wenige Jahre später durch Martin Luther wirkte.

Zitate von Girolamo Savonarola:

Es gibt nichts, was dem Tyrannen verhasster wäre als der Dienst Christi und das rechte christliche Leben, denn es ist geradezu sein Gegenteil, und ein Gegenteil sucht das andre zu vertreiben.

Jedes Mal, wenn man ausdrücklich sehen kann, dass die Befehle der Oberen den Befehlen Gottes entgegen sind und besonders dem Gebot der Liebe, dann dürfte keiner gehorchen.

Sündigen ist menschlich; sich der begangenen Sünden rühmen ist teuflisch.

Eine englischsprachige Kurzbiografie findest Du außerdem HIER

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