Wenn mein Volk, über dem mein Name ausgerufen worden ist, sich demütigt, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, so will ich es vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen. (2 Chronik 7:14)
Dan Graves schreibt hier in einer Kurzbiographie (übersetzt und leicht bearbeitet):
Jeremy Lanphier wurde am 3. September 1809 in Albany geboren. Er zog nach New York City, um dort eine Anstellung zu finden und wurde ein erfolgreicher Bekleidungsgroßhändler.Obwohl er eine Gemeinde besuchte, um im Chor zu singen, war er kein Christ, bis er im Broadway Tabernacle das Heil in Jesus und Seinen Anspruch auf sein Leben erkannte.
Lanphier sorgte sich sofort um die Seelen derer, die sich um ihn herum in geistiger Dunkelheit befanden. Unverheiratet konnte er seine Abende und Freizeit nutzen, um Traktate zu verteilen und mit Menschen zu sprechen.
In der Zwischenzeit war eine Gemeinde in Lower Manhattan geschrumpft. Da sich die Mitglieder finanziell verbesserten, zog es sie in wohlhabendere Bezirke. Die Leitung der Gemeinde beschloss, diesen Trend durch ein Besuchsprogramm umzukehren. Sie boten Lanphier den Dienst an und er willigte ein. Er verbrachte ganze Tage damit, Mitglieder zu besuchen, und jedem Bibelstudien anzubieten, der interessiert schien. Die Arbeit erschöpfte ihn geistlich, aber er fand, dass er erfrischt wurde, wenn er mittags eine Stunde im Gebet verbrachte. Trotzdem schienen seine Bemühungen fruchtlos.
Wenn Gebet für ihn selbst so lebenswichtig war – so überlegte er – vielleicht würden auch andere davon profitieren. Er erhielt einen Raum in der Fulton Street und druckte 20.000 Flyer, die das erste Treffen am Mittag, Mittwoch, dem 23. September 1857, ansetzte.
Wenn es je eine Zeit gab, in der Gebet nötig war, dann war diese. Amerikaner in den 1850er Jahren fürchteten (zu Recht), dass ein Bürgerkrieg kommen würde. Viele waren von der Kirche desillusioniert.
Lanphier kniete nieder, um allein zu beten. Sein Flyer, so schien es, war von allen, die einen erhalten hatten, entsorgt worden. Eine halbe Stunde lang betete er alleine. Dann tauchte ein Mann auf und kniete ohne ein Wort neben ihm. Dann noch ein anderer. Um 13 Uhr befanden sich neben Lanphier zehn Knie auf dem Boden.
In der folgenden Woche erschienen weitere Männer. Im Oktober musste Lanphier in ein größeres Gebäude umziehen. Am 7. Oktober hatte er vierzig Geschäftsleute als Gebetspartner und sie baten darum, sich täglich zu treffen.
Das Timing hätte nicht perfekter sein können, denn am 10. Oktober 1857 brach eine finanzielle Panik in Amerika aus. Banken gingen pleite, die Eisenbahnen ging bankrott, Fabriken schlossen und die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe. Verzweifelt wandten sich die Menschen dem Gebet zu. So viele strömte in die Kirchen, dass bald viele Gotteshäuser in der Stadt gezwungen waren, ihre Häuser am Mittag und Abend zum Gebet zu öffnen. Ein Reporter, der von einer Kirche in die nächste eilte, zählte mittags über sechstausend Menschen im Gebet – und er konnte nicht mal jeden Treffpunkt besuchen. Der New York Herald und die New York Tribune berichteten über das Phänomen und machten es bekannt.
Chicago, St. Louis, Cleveland und andere Städte in Amerika begannen mit Gebetstreffen zur Mittagszeit. Der CVJM hielt ebenfalls Gebetsversammlungen ab, wo immer es Zweigstellen gab. Das Geschehen wurde als die Dritte Große Erweckung Amerikas bezeichnet.
Die Leute begannen zu fragen, wie sie gerettet werden könnten und bis zu einer Million Menschen bekehrten sich oder wurden in dieser Erweckung geistlich erneuert. Tote Kirchen füllten sich neu mit den Gläubigen. Die Erweckung breitete sich auch außerhalb Amerikas aus.
Jeremy Lanphier war der (menschliche) Initiator, der das Feuer der Erweckung herbei gebetet hatte. Seine Arbeit in den Straßen von New York setzte er fort, bis er zu alt war, um sich noch länger fortzubewegen. Es wird geschätzt, dass er im Laufe seines Lebens über 11.000 Gebetstreffen geleitet hat. Am 26. Dezember 1898 starb er im Alter von 89 Jahren.

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