„Und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade.“ (Johannes 1:16)

Dienstag, 12. Mai 2026

Susanna „Susie“ Rijnhart (1868 – 1908)

Sie, die zu gut für diese Welt waren,
zogen durch Wüsten und über Gebirge
und suchten Zuflucht in Höhlen und Erdlöchern.
(Hebräer 11:38 / NLB)

Susanna „Susie“ Rijnhart wurde 1868 in Ontario / Kanada geboren. Mit 20 Jahren schloss sie ihre Ausbildung als Ärztin ab. Ihre Hinwendung zum Glauben an Jesus muss bereits im Jugendalter gewesen sein, denn mit sechzehn Jahren wurde sie Mitglied einer Methodistenkirche. Allerdings engagierte sich auch in anderen Gruppen.

1894 heiratete sie Petrus Rijnhart, der schon als Missionar in China gearbeitet hatte und sich auf eine Wiederausreise nach Tibet vorbereitete. Noch im selben Jahr reisten sie gemeinsam nach China aus. 1997 wurde ihr Sohn Charles geboren und im Jahr darauf machte sich die Familie trotz Warnungen auf den Weg nach Lhasa, der Hauptstadt, von der aus der Dalai Lama, das buddhistische Staatsoberhaupt, regierte.

Jetzt begann die Not, denn zwischen den Tibetern und den Muslimen gab es heftige Kämpfe und Tausende starben. In verschiedenen Quellen heißt es (zusammengefasst):

„Alles, was schiefgehen konnte, ging auch schief! Sie waren mit unglaublich schlechtem Wetter, schlechten Pfaden und dem Misstrauen religiöser Führer konfrontiert, die sie nicht kannten und keinen Grund hatten, ihnen denselben Respekt entgegenzubringen, den sie in Kumbum oder Tangar genossen hatten. Am 17. September wurde ihre kleine Karawane von Banditen überfallen. Einer ihrer Führer wurde verwundet, und bis auf drei wurden alle ihre Pferde gestohlen. Ihre Führer liefen davon, und sie blieben allein zurück. Sie ließen den Großteil ihrer Habseligkeiten zurück und zogen weiter. Um das Elend noch zu vergrößern, starb ihr einjähriger Sohn an den Strapazen der Reise.

Die Rijnharts waren vor Kummer über den Verlust ihres geliebten Sohnes wie gelähmt und beschlossen, auf einer südlichen Route umzukehren. Eine Räuberbande verfolgte sie jedoch und suchte nach einer Gelegenheit zum Zuschlagen. Als Petrus die Männer bemerkte, beschloss er, auf sie zuzugehen und mit ihnen zu sprechen, in der Hoffnung, ihnen durch eine direkte Annäherung zu zeigen, dass er keine Angst hatte und es sich nicht lohnte, ihn zu überfallen. Er kehrte nie zu seiner wartenden Frau zurück. Die Räuber hatten ihn vermutlich ermordet. Petrus Rijnhart war erst 32 Jahre alt.

Später schrieb diese tapfere Missionarin: „Ich muss zugeben, es war ein Glaube inmitten einer Dunkelheit, die so dicht und schwarz war, dass ich den Sonnenschein nicht genießen konnte. Am Abend war ich immer noch allein mit Gott, genau wie in der Nacht zuvor. Meine undefinierbare Angst hatte sich zu einer fast schon Gewissheit verdichtet und ließ mir kaum noch Hoffnung, meinen Mann jemals wiederzusehen, und ebenso wenig Hoffnung, den Menschen zu entkommen, die ihn offenbar ermordet hatten.“

Dr. Susie Rijnhart schob die unermessliche Trauer über das Erlebte beiseite und setzte ihren Weg nach Tangar fort – ohne Unterkunft und mit kaum Proviant. Sie engagierte Führer, die sie auf ihrer Reise begleiten sollten, doch diese erwiesen sich als unzuverlässig. Sie drohte ihnen mit dem Revolver, um zu verhindern, dass sie vergewaltigt und ausgeraubt würde.

 Zwei Monate lang kam sie Schritt für Schritt voran, bis sie schließlich die Station der China Inland Mission in Kangding erreichte. Aufgrund ihrer schmutzigen Schafsfellkleidung und ihrer von der Sonne fast schwarz gewordenen Haut hielt man sie für eine tibetische Bettlerin.

1900 kehrte Susie Rijnhart in ihre Heimat nach Kanada zurück. Eine Bekannte beschrieb ihre Veränderung „von einem fröhlichen, dunkelhaarigen Mädchen in eine ruhige, weißhaarige Frau“ Ihre Erlebnisse verarbeitete sie in einem Buch mit dem Titel: „With the Tibetans in Tent and Temple“ (Mit den Tibetern in Zelt und Tempel), das als „eine der mitreißendsten Missionserzählungen des frühen 20. Jahrhunderts“ galt. Als man sie fragte, ob es für sie eine Last wäre, nach Tibet zurückzukehren, antwortete sie: „Nein, es wäre eine Last, nicht zurückzukehren!“ Tatsächlich reiste sie 1902 als medizinische Missionarin mit der Foreign Christian Missionary Society nach Tibet zurück und heiratete 1905 James Moyes, einen der beiden Männer, der sie nach ihrer qualvollen Reise vier Jahre zuvor kennengelernt hatte.

Im Januar 1908 kam der gemeinsame Sohn zur Welt. Allerdings hatte ihre Gesundheit seit Jahren massiv gelitten und sie starb am 7. Februar 1908 in ihrem kanadischen Geburtsort Chatham. Dr. Susie Rijnharts kurze aber bewegende Lebensgeschichte inspirierte viele zu einem missionarischen Leben.

An all diesen Menschen hatte Gott wegen ihres Glaubens Freude
(Hebräer 11:39a)

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