Die Begriffe “Heiligung, geheiligt sein, Heilige” können bei den einen Furcht, bei anderen Missverständnisse oder auch Ablehnung hervorrufen – meist, weil sie nicht verstanden werden.
Manch einer möchte gar kein Heiliger sein. „Die sind mir zu weltfremd, zu abgehoben“ wird gesagt. Andere vermuten, dass Menschen erst dann zu Heiligen werden, wenn sie tot sind. Wieder andere befürchten, dass sie es nie in die Riege der echten Heiligen schaffen werden.In meiner Materialsammlung zu diesem Thema fand ich einige hilfreiche Aussagen. John Charles Ryle, der anglikanische Bischof von Liverpool erklärte bereits im 19. Jahrhundert:
„Es ist weder Wissen … noch ein großartiges Bekenntnis … noch, viele Dinge zu tun … noch der Eifer für bestimmte religiöse Angelegenheiten. Heiligkeit ist weder „Moral und äußerliche Anständigkeit im Verhalten, noch Freude daran, Predigern zuzuhören, oder der Umgang mit gottesfürchtigen Menschen. Diese Dinge allein sind keine Heiligkeit. Ein Mensch mag jedes einzelne davon besitzen oder tun und dennoch den Herrn niemals sehen.“
Eine Definition, was „Heiligung“ nicht ist. Das ist schon mal ein Anfang, macht aber die Frage für den einen oder andren vielleicht noch etwas komplizierter. Ist „Heiligkeit“ überhaupt für uns gedacht, die wir noch hier auf der Erde sind? In einem Bibelhandbuch wird 3 Mose 11:44-45 zitiert:
Denn ich bin der HERR, euer Gott; darum sollt ihr euch heiligen und sollt heilig sein, denn ich bin heilig; und ihr sollt euch nicht verunreinigen mit irgendwelchem Getier, das auf der Erde kriecht! 45 Denn ich, der HERR, bin es, der euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat, um euer Gott zu sein; darum sollt ihr heilig sein, denn ich bin heilig!
Dass der Aufruf zur Heiligung nicht nur auf das alttestamentliche Israel beschränkt ist, macht Petrus deutlich, denn er wiederholt den Aufruf zur Heiligkeit an die Christen des Neuen Testaments (1 Petrus 1:15). Im Handbuch heißt es weiter:
Da Gott möchte, dass wir ihm ähnlich werden, ist es notwendig, dass sein Volk ein besonderes Volk ist, nämlich heilige Männer und Frauen. Der Kerngedanke der Heiligung ist, „für Gott ausgesondert zu sein“; diejenigen, die auf diese Weise ausgesondert sind, leben auf eine Weise, die Gott gefällt. Sie haben aus eigener Kraft nicht die Fähigkeit dazu, aber Gott befähigt sie dazu (2. Korinther 3,17–18).
Heiligung ist keine Option. Gott verlangt sie von seinem ganzen Volk (1. Thessalonicher 4,3).
Um das Ganze mal auf eine alltagstaugliche Ebene zu bringen – hier eine simple Illustration:
Von einer jungen Frau, die Jesus als Erlöser angenommen hatte, wird berichtet, dass sie einen Antrag auf Mitgliedschaft in einer örtlichen Gemeinde gestellt hatte. „Warst du eine Sünderin, bevor du den Herrn Jesus in dein Leben aufgenommen hast?“, fragte ein alter Diakon. „Ja, war ich“, antwortete sie. „Nun, bist du immer noch eine Sünderin?“ „Um ehrlich zu sein, habe ich das Gefühl, eine größere Sünderin zu sein als je zuvor.“ „Welche wirkliche Veränderung hast du dann erlebt?“ „Ich weiß nicht so recht, wie ich es erklären soll“,antwortete die junge Frau, „außer dass ich früher eine Sünderin war, die der Sünde nachlief, aber jetzt, da ich gerettet bin, bin ich eine Sünderin, die vor der Sünde flieht!“ Sie wurde in die Gemeinschaft der Gemeinde aufgenommen und bewies in ihrem Alltag, dass sie Jesus kannte und für Ihn lebte.
Auch John Newton, der ehemalige Sklavenhändler hatte erkannt, was Heiligung im Leben eines Christen bedeutet. Von ihm stammt der Satz:
Ich bin nicht das, was ich sein könnte, ich bin nicht das, was ich sein sollte, ich bin nicht das, was ich sein möchte, ich bin nicht das, was ich zu sein hoffe. Aber ich danke Gott, dass ich nicht mehr das bin, was ich einmal war, und ich kann mit dem großen Apostel sagen: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin.“
Denn er hat selbst gesagt:
»Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin!«
(1
Petrus 1:16)







