„Gebet ist oft am mächtigsten, wenn es am leisesten ist. Gebet stärkt die Schwachen und schwächt die Starken. Gebet ist der weitreichendste Dienst der Christen.“ (Leonard Ravenhill)

Donnerstag, 3. April 2025

Wüstenzeiten (4)

Bisher ging es um mehrere verschiedene Personen aus dem Alten Testament, die alle Wüsten im Leben durchquerten mussten – Sandwüsten und auch emotionale und geistliche Wüsten. In ihrer aller Leben wurden die Zeiten in der Wüste zu Zeiten der Begegnung mit Gott. Heute sollen 2 weitere Personen folgen, die Sand- und andere Wüsten kannten, in denen sie Gott begegneten. Diesmal sind wir im Neuen Testament unterwegs.

Johannes dem Täufer! Von ihm heißt es in Matthäus 3:1+3:

In jenen Tagen aber erscheint Johannes der Täufer und verkündigt in der Wüste von Judäa … Das ist der, von welchem geredet wurde durch den Propheten Jesaja, der spricht: »Die Stimme eines Rufenden ertönt in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Pfade eben!«

Johannes der Täufer ist jedem Bibelleser bekannt. In der Wüste verkündigte er das Kommen des Messias. In der Wüste rief er zu Buße und Umkehr auf, und in der Wüste ließen sich Scharen von Menschen taufen. Für ihn war die Sandwüste keine Tragödie. Hier wirkte Gott durch ihn. Aber später geriet sein geistliches Leben in eine Wüste – so gewaltig, dass er an seiner eigenen Botschaft zu zweifeln begann. Um der Gerechtigkeit willen sitzt er ohne Aussicht auf Freilassung im Gefängnis. Nach Matthäus 11:3 sendet er Boten zu Jesus, mit der Frage: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

Johannes blieb seinem Glauben und seinem Gott treu. Er starb als Märtyrer und Jesus ehrt ihn mit den Worten (Matthäus 11:10+11):

„Dieser ist’s, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.« 11 Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.

Ja, Johannes kannte Wüstenzeiten, und in den Wüstenzeiten wandte er sich an Jesus, erfuhr von Ihm Antworten auf seine Zweifel und Fragen und wurde (ohne dass er selbst es wusste) von Jesus hoch gelobt.

Philippus! Auch er kannte Wüstenzeiten. Oft denken wir, dass die „Helden“ Gottes so mit Gott verbunden waren, dass sie nie Situationen erfahren mussten, die wir heute erleben. Über Philippus heißt es in Apostelgeschichte 8:6-8:

Und das Volk neigte einmütig dem zu, was Philippus sagte, als sie ihm zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. 7 Denn die unreinen Geister fuhren aus vielen Besessenen aus mit großem Geschrei, auch viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden gesund gemacht; 8 und es kam große Freude auf in jener Stadt.

Ein reich gesegneter Dienst! Viele geistlich hungrige Menschen! Zeichen und Wunder! Heilungen und Befreiungen! Philippus war der Gesegnete des Herrn in Samaria!

UND DANN SCHICKT GOTT IHN IN DIE WÜSTE! 

Führte jemand seinen Dienst weiter? Brachte jemand anders die geistliche Ernte ein? Die Bibel schweigt darüber. Jesus beendet den Dienst des Philippus und schickt ihn auf eine einsame Straße in der Wüste. Dort begegnet er nicht nur einem Beamten aus Äthiopien, sondern auch Gott. Denn Gott fügt alles so, dass es sofort zu einem geistlichen Gespräch kommt, dass der Beamte zum rettenden Glauben an Jesus findet und sich sogar gleich taufen lässt. Manchmal befinden sich Menschen in einer Wüste und fühlen sich von Gott beraubt. Aber Gott beraubt Seine Kinder nicht! Manchmal führt Er uns in die Wüste, um uns zu zeigen, dass Er auch in der Wüste Derselbe ist.

Morgen werden wir die „Wüstenzeiten“ mit Teil 5 abschließen. Uns allen möchte ich zurufen: Lasst uns auch in den Wüstenzeiten an dem Einen festhalten, den wir in den guten Zeiten des Lebens als gerecht und treu kennengelernt haben.

Mittwoch, 2. April 2025

Wüstenzeiten (3)

Noch einmal schauen wir für hilfreiche Informationen über Wüstenzeiten ins Alte Testament.

Elia! Ihn und seine Erfahrungen dürfen wir nicht vergessen oder übersehen! Das ganze Land befand sich in einer tödlichen, geistlichen Wüste und war dabei, auch landschaftlich zu einer Wüste zu werden, denn Gott strafte Israel mit Dürre. Er gebrauchte Elia für eins Seiner bekanntesten Wunder im Alten Testament.

3½ Jahre hatte es in Israel nicht mehr geregnet. Gottes strafende Hand lag schwer auf dem götzendienerischen Volk und besonders auf seinem König, Ahab. Jetzt sandte Gott Seinen Propheten Elia, um die Götzenpriester Baals herauszufordern und ihre Kraftlosigkeit zu entblößen.

Das Wunder auf dem Berg Karmel war gewaltig! Gott hatte sich zu Seinem Propheten Elia gestellt und hatte Seine Gewalt und Herrlichkeit offenbart. Der Sieg war errungen, die falschen Propheten besiegt. Das Volk hatte sich – zumindest im ersten Schock der übernatürlichen Gottesoffenbarung – wieder zu dem lebendigen Gott bekannt. Jetzt würde es wieder regnen.

Aber nachdem Gott durch Elia einen gewaltigen Sieg errungen hatte, fiel Elia unmittelbar in eine tiefe seelisch-geistliche Wüstenzeit. Der übersprudelnde Glaube Elias schmolz wie Wachs in der Sonne und ließ sein Herz in absoluter Wüstentrockenheit zurück – mit allem, was dazugehört: Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Todeswunsch.

Aber gerade in dieser Wüstenzeit begegnet Gott ihm in der Wüste durch weitere Wunder und stellt ihn wieder her. Elias´ Wüstenzeit endete in der Begegnung mit Gott.

Manchmal sind es Siege, die uns eigentlich feiern lassen sollten, uns aber tatsächlich in die Wüste schicken. Ein andermal sind es Sorgen, Schmerzen oder Mutlosigkeit, die alles Leben in uns auszutrocknen scheinen. Manchmal ist es aber Gott, der uns in die Wüste führt und immer ist Er es, der uns in der Wüste begegnen möchte.

Du gehst gerade durch eine Wüste? Auch dort wartet Gott auf Dich. Er ist keine Fata Morgana, sondern real. Er ist nicht entsetzt über Dein Ausgetrocknet sein. Er ist nicht da, um Vorwürfe zu machen. Er ist da, um Dir neue Frische zu geben. Vielleicht nicht von jetzt auf jetzt, aber in einem stetig zunehmenden Prozess, wie bei Elia. Elias Bericht kannst Du nachlesen in 1 Könige 18+19.

Der Herr segne Dich!

Dienstag, 1. April 2025

Wüstenzeiten (2)

Gestern ging es in „Wüstenzeiten“ darum, dass Gott uns aus der trockenen Lebenswüste eines Lebens ohne Jesus herausgeführt hat. Damit begann ein Leben unter Seiner Herrschaft und Fürsorge. Allerdings kein Leben ohne trockene Zeiten oder Zeiten großer Hitze. Die Bibel lehrt uns deutlich, dass Gott auch manchmal in oder durch die Wüste führt.

Damit meine ich Zeiten, in denen das Leben zur Qual wird; Zeiten, in denen man sich einfach durch die Öde, Hitze und Trockenheit weiter schleppt, ohne noch ein klares Ziel vor Augen zu haben. Das Leben scheint ziellos, die Aufgaben erdrückend, die Lebenskraft aufgebraucht. Kennst Du solche Wüstenzeiten?

Lass mich Dich erinnern an einige unserer gemeinsamen Freunde, die durch ähnliche Wüstenzeiten mussten, die darin nicht gestorben, sondern gewachsen sind.

Abraham! Immer wieder beinhandelte Gottes Führung auch Wüstenzeiten. In 1 Mose 20:1 (HfA) heißt es:

Abraham zog südwärts in die Wüste Negev und wohnte eine Zeit lang zwischen Kadesch und Schur. Danach ließ er sich in der Stadt Gerar nieder.

Gleichzeitig ist Abraham unser aller Glaubensvater. Ein Vorbild des Vertrauens in Gott, den Allmächtigen. Der Gott, der ins verheißene Land führt und uns die Durststrecken der Wüste zumutet ist der Gott, der uns festhält und unseren Glauben stärkt und wachsen lässt!

Hagar! Nicht während ihrer Dienstzeit, sondern in der Wüste lernt sie Gott kennen. Das eine Mal sitzt sie als Schwangere auf der Flucht in der Wüste. Verzweifelt, hoffnungslos und hilflos. Dann, einige Jahre später, scheint sie mit ihrem Sohn – dem Tod nah – in einer Wüste.

Gott versorgt beide mit Wasser und gibt Hagar eine gewaltige Segensverheißung für ihren Sohn Ismael. In der Wüste war sie Gott auf einmalige Weise begegnet und gab Gott einen Namen, der nur in 1 Mose 16:13 erwähnt wird: „El Roi: Der Gott, der mich sieht

Mose! Mit seinen Schafen war er unterwegs – in der Wüste! Ein flüchtiger Mörder. Er hatte Gutes gewolltund versagt! Wie oft ihm das alles wohl durch den Kopf ging? Dann begegnet ihm Gott und beruft ihn zu seinem Lebenswerk. Und auch dieses – oft ermüdende – Leben spielt sich in der Wüste ab. Ein Mann, den Gott gebraucht in jahrzehntelanger Wüstenzeit. Gottes Wort bezeugt, dass es keine leichte Aufgabe war. Mose war oft am Ende seiner Kraft.

Israel! Kein Mensch und Volk hat Gott in Wüstenzeiten erleben dürfen wie das Volk Israel. Auf allen Ebenen hat Gott sich in der Hitze, den Trockenheiten und der Eintönigkeit der Wüste als der Allmächtige und Gnädige erwiesen. In der Wüste haben sie Seine Fürsorge, Führung, Heilung, Siegeskraft und vieles andere erfahren. In der Wüste haben sie Seine Stimme gehört und Seine Herrlichkeit gesehen. Nicht, dass es ihnen immer bewusst war. Die Strapazen der Wüste haben ihnen viel zu oft, und unnötigerweise, Augen und Ohren verstopft. Sie besaßen nur wenig von Abrahams Glauben. Aber Gott war auch in der Wüste bei ihnen.

Kennst Du Wüstenzeiten? Gehst Du momentan durch eine Wüste in Deinem Leben? Lass Dir sagen: Gott wartet in den Wüsten unseres Lebens auf uns. Er ist da, um Dir zu begegnen. Du bist da, um Ihm zu begegnen. Lass Wüstenzeiten in Deinem Leben zu Begegnungszeiten mit Jesus werden!

Montag, 31. März 2025

Wüstenzeiten (1)

Dieser Tage führt mich meine Reise nach Nordafrika. Mit einem kleinen Team besuchen wir Freunde am Rande der Wüste. Sicher eine passende Gelegenheit, einige Tage über Wüstenzeiten nachzudenken. Kennst Du Wüstenzeiten aus Deinem Leben? In 5. Mose 32:9-12 heißt es:

Doch Israel gehört dem Herrn, Jakob ist sein besonderes Eigentum. 10 Er fand sie in einem öden Land, in der weiten, einsamen Wüste. Er umgab sie und wachte über sie, er behütete sie wie seinen Augapfel. 11 Wie ein Adler, der seinen Jungen das Fliegen beibringt, über ihnen schwebt und sie auffängt, seine Schwingen ausbreitet und sie auf seinen Flügeln in die Höhe trägt, 12 so führte der Herr sie; er allein, ohne fremde Götter.

Israel, auch Jakob genannt, ist und bleibt Gottes Volk. Vieles, aber nicht alles, was wir über Israel im Alten Testament lesen, lässt sich auf Gottes Gemeinde des Neuen Testaments übertragen. Die Verse aus dem 5. Buch Mose sind speziell zu Israel gesagt, lassen sich aber durchaus auf diejenigen anwenden, die heute Jesus nachfolgen.

Wenn Du zu Jesus gehörst, gehörst Du dem Herrn.
Du bist Gottes besonderes Eigentum.
In einem einsamen, öden Land hat Er Dich gesehen.
In einer weiten, einsamen Wüste hat Er Dich gefunden.

Die Wüste! Unser Leben VOR unserer Begegnung mit Jesus war eine Wüstenzeit. Wir kannten weder das Brot des Lebens, noch das lebendige Wasser. Wir besaßen kein festes Fundament, und lebten in einem öden Land. Öde? Ja, insofern, dass wir suchen mussten nach Dingen, die uns Erfüllung brachten. Einsam? Ja! Vielleicht nicht immer, aber oft. Wenn irgendeine Wüstenparty zu Ende war, waren wir wieder allein. In mancher Not waren wir allein. Mit unserer Verzweiflung und unseren Sorgen waren wir oft allein. Seit wir Jesus kennen, gilt Sein Zuspruch (Hebräer 13:5):

»Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen!«

Jesu Zuspruch gilt auch uns heute, dass Er über uns wacht, uns behütet, uns auffängt, wenn wir fallen, uns trägt und führt.

Das war nicht immer so. Lange, zu lange, sind wir ziellos in der Wüste herumgestolpert. Und der eine oder andere Leser mag denken. ‚Na ja, ganz so ziellos war ich damals auch nicht!‘ Das mag wohl stimmen. Aber unsere Ziele waren doch mehr eine Fata Morgana, die uns getäuscht hat, die uns Sinn, Wert und Ziel vorgespielt hat, die uns aber nie mit Leben erfüllen konnte.

In der Wüste hat Jesus uns gefunden, in der Irre; auf dem Weg in den sicheren Tod. Er hat Seine Hand ausgestreckt, hat unsere Hand gefasst und uns Leben geschenkt; Leben, bis hinein in die Ewigkeit.

Von vereinzelten Wüstenzeiten sind wir dadurch nicht geschützt. Aber niemand, der Jesus gehört und Ihm nachfolgt, muss weiterhin in der Wüste leben. In der Wüste hat Jesus uns gefunden, gerettet und führt uns jetzt zu frischen Wassern.

Danke Herr! Du hast mich gesehen, gerettet und aus der Wüste herausgeführt zu grünen Auen und frischen Wassern. Bei Dir finde ich Ruhe!

Sonntag, 30. März 2025

Herzliche Einladung zum Gottesdienst!

Heute wieder mit Sonntagszitat am Schluss!

2. Korinther 4:5-10

5 Denn wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist, uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen.
6 Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. 
7 Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott sei und nicht von uns.
8 Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt; wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung;
9 wir werden verfolgt, aber nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um;
10 wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird.

Herzliche Einladung zum Gottesdienst:

 Anbetung - Gebet
Predigt  - Gemeinschaft
Gemeinsames Mittagessen

  Wir freuen uns auf dich!

Calvary Chapel Freier Grund
Bitzegarten 5
57290 Neunkirchen
Beginn: 10:30 Uhr

Sonntagszitat:

Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei,
aber er hilft uns hindurch.
(Johann Albrecht Bengel)

Herr, lass uns immer mit der Möglichkeit rechnen, 
dass wir leiden müssen, ehe du wiederkommst. 
Nimm uns die Angst davor und mache uns willig.
(Corrie ten Boom)

Samstag, 29. März 2025

Grablegung einer Gemeinde

Von einem unbekannten Autor stammt der Bericht über folgende Begebenheit:

Kalte Gleichgültigkeit, das war die Atmosphäre hier in X, als Pfarrer Wright sein Amt antrat. Am ersten Sonntag predigte er in einer völlig leeren Kirche. Am zweiten Sonntag war es genauso. Und wenn der Pfarrer an den Werktagen seine Gemeindeglieder besuchte, erging es ihm nicht besser. „Die Kirche ist tot“, so sagte man ihm. Aber am Donnerstag nach jenem trostlosen Sonntag geschah es, dass eine Todesanzeige in der Zeitung erschien. Dort konnte man lesen:

Mit dem tiefsten Bedauern und der Zustimmung der Gemeinde gebe ich den Tod der Kirche zu X bekannt. Die Trauerfeier findet am Sonntag um 11 Uhr statt.   Herbert Wright, Pfarrer zu X


Die Anzeige löste lebhafte Diskussionen aus. Am Sonntag war bereits um halb elf die Kirche gedrängt voll. Als ich die Kirche betrat, sah ich einen Sarg auf einer Bahre vor dem Altar stehen. Pünktlich um 11 Uhr bestieg Pfarrer Wright die Kanzel:

„Meine Freunde, Sie haben mir klargemacht, dass Sie überzeugt sind, unsere Kirche sei tot. Sie haben auch keine Hoffnung auf Wiederbelebung. Ich möchte nun diese Ihre Meinung auf eine letzte Probe stellen. Bitte gehen Sie einer nach dem anderen an diesem Sarg vorbei und sehen Sie sich die Tote an. Dann verlassen Sie die Kirche durch das Osttor. Danach werde ich die Trauerfeier allein beschließen. Sollten aber einige von Ihnen ihre Ansicht ändern und wären auch nur wenige der Meinung, eine Wiederbelebung der Kirche sei vielleicht doch möglich — dann bitte ich diese, durch das Nordtor wieder hereinzukommen. Statt der Trauerfeier würde ich dann einen Dankgottesdienst halten.“

Ohne weitere Worte trat der Pfarrer an den Sarg und öffnete ihn. Ich war einer der letzten in der Reihe vor dem Sarg. So hatte ich Zeit, darüber nachzudenken: „Was war eigentlich die Kirche? Wer würde wohl im Sarg liegen? Würde es vielleicht ein Bild des Gekreuzigten sein?“ Die anderen in der Reihe dachten wohl ähnlich. Ich merkte, wie uns ein Schaudern überkam, je mehr wir uns dem Sarg näherten. Zudem erschreckte uns ein Knarren und Quietschen. Die Tür des Nordtors drehte sich in ihren verrosteten Angeln. Herein trat eine kaum zu zählende Menge.

Nun war es soweit, dass ich die tote Kirche sehen sollte. Unwillkürlich Schloss ich die Augen, als ich mich über den Spiegel beugte. Als ich sie öffnete, sah ich mich selbst — im Spiegel.

Soweit der Bericht des unbekannten Kirchenbesuchers. Er stimmt nachdenklich. Wenn eine Kirche oder eine Gemeinde stirbt – wer stirbt dann eigentlich? Wer ist dann eigentlich für den Tod verantwortlich? Um wessen Grablegung geht es dann?

In 1 Korinther 3:16 und 6:19 wird der Leib eines Christen, aber auch der Leib Jesu, die Gemeinde, als Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet. In 1 Korinther 3:16 schreibt Paulus:

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt?

Der Tod und das Leben einer christlichen Gemeinschaft hat auch immer mit dem geistlichen Leben und der Verbindlichkeit und Hingabe der einzelnen Glieder zu tun. Wenn die einzelnen Glieder sterben, ist irgendwann die Grablegung der ganzen Gemeinde angesagt. Das muss aber nicht sein. Der Herr hat deutliche Hilfen in Seinem Wort gegeben, damit das nicht passiert:

Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes.
(1. Petrus 4:10)

Und lasst uns unsere Zusammenkünfte nicht versäumen, wie einige es tun, sondern ermutigt und ermahnt einander, besonders jetzt, da der Tag seiner Wiederkehr näher rückt!
(Hebräer 10:25)

Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Sprachenrede, eine Offenbarung, eine Auslegung; alles lasst zur Erbauung geschehen!
(1 Korinther 14:26)

Euch allen einen gesegneten Sonntag in Euren Gemeinden!